Der ferne Klang der Griechen

8. Juni 2007, 16:06
1 Posting

Das Ensemble Melonen erweckt Antikes - Das antike Griechenland: Es gilt als die Wiege des Abendlandes und als Schöpfer des Begriffes Europa

Die Einflüsse von Philosophie, Architektur, Literatur und dramatischer Kunst reichen bis weit in die Neuzeit und haben unsere Kultur geprägt. Und die Musik? Zwar weiß man einiges darüber - sie war primär einstimmig und ihr lag eine komplexe Musiktheorie und Notenschrift zu Grunde - welche Klänge zu welchen Anlässen konkret gespielt wurden und wie die Musik der klassischen Antike geklungen hat, ist jedoch fast vollständig verborgen. Lediglich aus der Spätantike ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. gibt es wenige Quellen bzw. Fragmente.

Der Schweizer Musiker und Musikarchäologe Conrad Steinmann, der an der Schola Cantorum in Basel Blockflöte unterrichtet, und der Instrumentenbauer Paul J. Reichlin wollten sich mit diesem Zustand nicht zufrieden geben und erschufen die Musik gewissermaßen neu. Um den Raum für ungewisse Spekulationen einzuschränken, der Musik aber dennoch Lebendigkeit abzugewinnen, orientierten sie sich primär an den historischen Instrumentenquellen sowie am Wesen der Sprache der klassischen griechischen Lyrik.

In 20-jähriger Zusammenarbeit wurden aus den Instrumentalbeständen verschiedener Museen, aus Vasenbildern, Reliefs und antiken Beschreibungen sowie aus heute noch lebendigen, teils Jahrtausende alten Spieltraditionen etwa in Äthiopien alte Instrumente wie Barbitos (ein Saiteninstrument mit einem Schildkrötenpanzer als Resonanzkörper) oder Auloi (ein antikes Blasinstrument) nicht nur rekonstruiert, sondern auch deren Spielweise präzise erforscht.

Da keine unmittelbaren Quellen vorlagen, musste die Musik aus den Gegebenheiten der Instrumente selbst und aus den rhythmischen und melodischen Akzenten der Sprache heraus neu imaginiert werden. Das Ergebnis dieser Musikärchäologie klingt, wie auf einer bei harmonia mundi erschienenen CD zu hören ist, faszinierend.

Im Mittelpunkt des Konzertes durch das vierköpfige Ensemble Melpomen steht die klangliche Wiederbelebung eines Athener Symposions um 450 v. Chr. Als Basis dienen Texte von Sappho und Alkaios sowie von Anakreon und Bakchylides. Wird zunächst der elementaren Kraft der Liebe nachgespürt und die Freude am Weingenuss besungen, so wendet sich die Musik in der Folge den Schattenseiten der Liebe zu.

2500 Jahre liegen zwischen der Antike und unserer Zeit, so Steinmann, umso erstaunlicher sei es, wie wenig sich die elementaren Empfindungen und Sehnsüchte seither verändert hätten. Begleitet wird Steinmann (Auloi) von Arianna Savall (Sopran und Barbitos), Luiz Alves da Silva (Altus und Kymbala) und Massimo Cialfi (Tympanon, Krotala und Salpinx). (Robert Spoula, DER STANDARD, Printausgabe, 08.06.2007)

16. Juli, 20.00 Uhr, Helmut-List-Halle
  • Die Rekonstruktion einer Musikwelt: Arianna Savall spielt das Barbitos.
    foto: styriarte

    Die Rekonstruktion einer Musikwelt: Arianna Savall spielt das Barbitos.

Share if you care.