Ende eines Krimis

12. Juni 2007, 13:22
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Emil Noldes "Nadja" wird bei Ketterer versteigert - Die Geschichte des Portraits liest sich wie die Vorlage zu einem Kriminalroman

München – Ende der 70er-Jahre war Emil Noldes Porträt Nadja bei einer Speditionsfirma eingelagert – und verschwand unter unbekannten Umständen. Das Diebstahls-Delikt war bereits verjährt, als ein anonymer Kunstsammler die Arbeit nach dem Tod seiner Tochter, die wohl eine Rolle bei dem Verschwinden des Gemäldes gespielt haben dürfte, Ende 2006 auf dem Dachboden fand. Das Porträt wurde über einen Mittelsmann der Polizei zur Klärung der Eigentumsverhältnisse übergeben. Am 12. Juni gelangt das 40 mal 25 cm große Ölbild nun bei Ketterer Kunst zur Auktion.

Das 1919 entstandene Porträt gehörte ursprünglich dem Berliner Sammler Ernst Rathenau. Als dieser wegen seiner jüdischen Abstammung 1938 in die USA emigrieren musste, beauftragte er seine Sekretärin, Nadja vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Das Bild wurde in einem Safe des Bankhauses Merck Finck & Co in Berlin deponiert und überstand den Bombenkrieg und die Wirren der Nachkriegszeit. Aus bislang ungeklärten Gründen wurde das jetzt auf 1,2 bis 1,8 Millionen Euro taxierte Werk nach 1945 bei einer Freiburger Speditionsfirma eingelagert, wo sich seine Spur zwischen 1977 und 1979 verlor.

Emil Nolde gilt als wesentlicher Vertreter des deutschen Expressionismus. 2006 summierten sich die erteilten Zuschläge auf etwas mehr als 20 Millionen Euro und damit dem bislang höchsten Jahrestotal (davor 2001: 9,86 Mio Euro). 37 Prozent der Besitzerwechsel laufen über Deutschland, 47 Prozent über Großbritannien, wobei es sich mehrheitlich um Gemälde handelt. Der bisherige Rekordzuschlag liegt bei netto 2,7 Millionen Euro für Rotblondes Mädchen, bei Christie’s. (kron, DER STANDARD, Printausgabe, 06.06.2007)

  • Das mehr als 25 Jahre verschollene Nolde-Porträt „Nadja“ soll bei Ketterer Kunst (München) bis zu 1,8 Millionen Euro bringen.
    foto: ketterer

    Das mehr als 25 Jahre verschollene Nolde-Porträt „Nadja“ soll bei Ketterer Kunst (München) bis zu 1,8 Millionen Euro bringen.

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