Souvenirs unziemlicher Reisen

12. Juni 2007, 13:22
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In Köln gelangen am 8. Juni Objekte aus der Sammlung Franz Ferdinand von Österreich-Este zur Auktion

Die Besitzer-Chronologie der Mitbringsel des österreichischen Adeligen aus aller Welt ist allerdings nur bedingt nachvollziehbar.

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Köln – Nach dem Tode Kronprinz Rudolfs 1889 stand Franz Ferdinand an zweiter Stelle der Thronfolge. Nach einer ersten Auslandsreise nach St. Petersburg im Winter 1891 keimte der pathetisch formulierte Wunsch, "eine Wanderung durch die Erde zu vollbringen". Kaiser Franz Joseph soll strikt dagegen gewesen sein, für Mitglieder des Kaiserhauses gezieme sich derlei nicht. Erst Sisis Fürsprache ebnete den Weg.

Am 15. Dezember 1892 bestieg er in Triest den Torpedo-Rammkreuzer "Kaiserin Elisabeth" – und die Reise begann. Zunächst ging es über Port Said und Aden Richtung Colombo, Vorderindien, den Sunda-Archipel, Australien, die Südseeinseln, China, Japan und nach Nordamerika. Zu seinen Begleitern zählte der Leibjäger Franz Janaczek sowie Ludwig Lorenz Ritter von Liburnau, Mitglied des Naturhistorischen Museums, sowie der Fotograf und Tierpräparator Eduard Hodek.

Ihre Aufgabe: Exemplare aller Tier- und Pflanzenarten der besuchten Länder für die österreichischen Museen zu präparieren und katalogisieren. Die Anzahl der Souvenirs sollte bis zum Ende der Weltreise auf 14.000 Objekte ansteigen. Mitte Juli traf man in Hongkong ein und besuchte auch die portugiesische Kolonie Macao. Wie viele Andenken Franz Ferdinand dort exakt erwarb, ist nicht belegt, die am 8. Juni bei Lempertz in Köln zur Auktion gelangenden dürften darunter gewesen sein: zwei Baluster-Deckeltöpfe (12.000 Euro) und ein so genannter Fischbowl (20.000 Euro) aus dem späten 18. Jahrhundert.

Laut Katalogexpertise seien die Objekte 1894 im Belvedere, dem Wohnsitz Franz Ferdinands, ausgestellt worden. Im zugehörigen Katalog werden sie nicht dezidiert erwähnt. Im Saal XIII zeigte man für China Repräsentatives: aus buntem Flitterwerk verfertigte Zierstücke für Hochzeiten, Modelle von Dschunken, chinesisches Geld in kleinen Bündeln, Hautkratzer in Form einer Menschenhand, Knöpfe für Mandarinenhüte etc. Der einzige Hinweis auf die Lempertz-Objekte gibt der Eintrag zu zwei Vitrinen: "verschiedene Porzellangeräthe".

Recherchen zu den ebenfalls im Katalog angeführten Inventarnummern lieferten kein Ergebnis, sie gehören weder zum Naturhistorischen Museum oder jenem der Völkerkunde noch zum Belvedere oder dem MAK. Laut dem Einbringer hätten sich die Porzellane bis 1982 im Besitz des Historischen Museums der Stadt Wien, dem heutigen Wien Museum, befunden. Belegen kann dieser das allerdings nicht, wie er laut Lempertz zum Erwerb keinerlei nähere Angaben machen möchte.

Im Wien Museum herrscht Ratlosigkeit. Man kann sich den Besitzerwechsel nicht erklären, also wie die Objekte von einem Bundes- zu einem Landesmuseum wanderten, vom Museum schließlich auf den freien Markt gekommen wären. Im Archiv wurde man nicht fündig, wie die Objekte auch gar nicht zum Sammlungsschwerpunkt passen.

Die einzige Spur führt zurück ins Jahr 1908. Damals präsentierte man Franz Ferdinands Weltreisesammlung im Völkerkundemuseum ein weiteres Mal der Öffentlichkeit. Und hier findet sich der Vermerk "92 Objekte am 30. Mai 1908 im höchsten Auftrag nach Konopischt geschickt", dem Jagdschloss in Tschechien, das Franz Ferdinand während der Sommermonate bewohnte. Weitere Notizen dürften aus den 60er- und 70er-Jahren stammen, "800 Nummern inventarisiert", für 605 Positionen vermerkte man "unbelegbarer Abgang". (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 06.06.2007)

  • Von seiner Weltreise brachte Franz Ferdinand diese Porzellan-Souvenirs mit. Jetzt gelangen sie bei Lempertz in Köln am 8. Juni zur Auktion.
    foto: lempertz

    Von seiner Weltreise brachte Franz Ferdinand diese Porzellan-Souvenirs mit. Jetzt gelangen sie bei Lempertz in Köln am 8. Juni zur Auktion.

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