Nach dem Espresso fehlt das Gepäck

7. Juni 2007, 20:25
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Zahl der Diebstähle an norditalienischen Autobahnraststätten nimmt deutlich zu

Wien/Rom – Italien ist der Österreicher beliebtestes Urlaubsziel, sowohl was Wunsch als auch tatsächliche Fahrten betrifft. Unglücklicherweise ist die Autobahn Triest-Turin auch bei Diebesbanden immer beliebter. Auch in der Bahn erreichten die Deliktzahlen neue Höchstwerte. Wer von Österreich auf dem Weg zur Adria oder in die Toskana die italienische A23 durchs Kanaltal fährt, sollte sich an den Autobahnraststationen in Acht nehmen. Der erste echte italienische Espresso kann nämlich unangenehm werden.

"Boom der Diebstähle an den Raststätten – Verdopplung in den vergangenen sechs Monaten: Ein Viertel der Delikte allein im Mai", titelte der Messaggero di Udine am Montag. Und wirklich: Bei den Tankstellen und Raststätten patrouillieren vermehrt Streifenwagen.

Autos aufgebrochen

"Wir haben im Mai einen echten ,Gipfel‘ registriert", erklärte Francesco Ponti, geschäftsführender Kommandant der Polizia Stradale von Triest. Krisenpunkte sind die vielen Reisenden bekannten Raststätten Gonars (dort, wo südlich von Udine die A23 auf die A4 zwischen Turin und Triest trifft), Fratta bei Portogruaro (vor der Abfahrt nach Caorle) und Calstorta (etwas weiter westlich an der italienischen A4). Während die Touristen ihren Espresso trinken, werden deren Autos kurzerhand aufgebrochen und ausgeräumt. Selbst wenn jemand beim Auto bleibt: In manchen Fällen werden die Touristen von den Bandenmitgliedern einfach abgelenkt und bestohlen.

Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme: Falls möglich, sollte einer der Insassen beim abgesperrten Wagen bleiben. Im Auto selbst darf kein auch nur annähernd lohnenswertes Objekt sichtbar liegenbleiben. Da genügt schon ein leeres Brillenetui, um die Gauner wie magisch anzuziehen.

1000 Delikte pro Monat

Wer statt auf das Auto auf die Bahn vertraut, kann dennoch deutlich ärmer sein Ziel erreichen. "Anstieg bei Diebstählen und Rauben in den Zügen", schrieb am Montag die Tageszeitung La Repubblica. Von Jänner bis April 2006 waren es 2976 angezeigte Diebstähle auf dem Streckennetz der italienischen Staatsbahnen gewesen. Von Beginn 2007 bis Ende April waren es 4031 Delikte – eine Steigerung von rund 30 Prozent.

80 Prozent der Diebstähle im Zug gab es in den Sitzabteilen, Liege- und Schlafwagen sind weniger betroffen. Neu ist, dass sich die Täter als Business-Reisende tarnen und zunehmend in der ersten Klasse unterwegs sind. Der Laptop, der kurz beiseite gelegt wird, die Brieftasche im Anzug sind plötzlich ebenso weg wie der zuvorkommende Manager vom Nebensitz. Bei 7000 Zügen pro Tag in Italien und 1,5 Mio. Reisenden ist die Überwachung schwierig – und dazu haben die italienischen Staatsbahnen erst im Jahr 2005 rund 200 Kontrolleure aus Kostengründen in Pension geschickt. (APA, DER STANDARD Printausgabe, 6.6.2007)

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