Forschen für gesunde Tattoos

13. Juni 2007, 12:14
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Österreichische, deutsche und belgische Tattoo-Studios forschen mit OFI an gesundheitsunschädlichen Farben

Wien - Tätowierer bringt man gemeinhin nicht mit Forschung und Entwicklung (F&E) in Verbindung. Dennoch forschen derzeit Tattoo-Studios in Österreich, Deutschland und Belgien gemeinsam mit Instituten in diesen Ländern an gesundheitlich unschädlichen Farben für Tattoos und permanentes Make-up. Der Schlüssel zu dieser ungewöhnlichen Kooperation heißt "Collective Research", eine Forschungskooperation speziell für Klein- und Mittelbetriebe (KMU), die der Geschäftsführer der Austrian Cooperative Research (ACR), Johannes Jäger, in Österreich "viel stärker positionieren" will, wie er im Gespräch mit der APA erklärte.

Tätowieren ist in, und so schießen auch zahlreiche Tattoo-Studios aus dem Boden. Doch der permanente Körperschmuck birgt auch Gesundheitsrisiken in sich. Vor allem die Farben können nicht nur Bakterien-, Viren- oder Pilzinfektionen verursachen, sie können auch gesundheitsschädliche Schwermetalle beinhalten, so Jäger. Doch bisher gibt es in der EU keinerlei Inhaltsanalysen und Hygienestandards für die Tattoo-Farben. Forschung können sich die oft als Ein-Mann-Betriebe geführten Studios alleine nicht leisten.

Von rot-weiß-roter Seite arbeitet das zur ACR zählende Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) in dem Projekt gemeinsam mit heimischen Tatoo-Studios. Während ein deutsches Institut die Auswirkungen der Farben auf den Körper untersucht, ist das OFI für die Analyse der Farben zuständig. Die Tätowierer sind über so genannte "User Comitees" eingebunden, die sich mindestens zwei Mal im Jahr treffen und das Projekt nach ihren Bedürfnissen steuern können, erklärt Jäger das Prinzip dieser Forschungskooperation. Über die Kosmetiker-Innung sollen die Ergebnisse des Projekts allen Tätowierern zugänglich gemacht werden.

In einem weiteren derartigen Projekt ("High Performance Manufacturing") arbeiten kleine Auto-Zulieferer gemeinsam mit der Technischen Universität Wien an einer Informationsdatenbank über Einsatz und Wartung von Werkzeugen für computergestützte Metallbearbeitungsmaschinen für verschiedene Materialien. "Kein einziger dieser Betriebe könnte sich alleine das notwendige Know-how leisten, das durch die internationale Bündelung von Wissen, Ressourcen und Erfahrung in dem Projekt entsteht", so Jäger.

Vorsprung und höhere Wettbewerbsfähigkeit

"Collective Research"-Projekte können über die EU-Forschungsrahmenprogramme oder mit nationalen Mitteln über das ERA-NET-Programm CORNET gefördert werden. "Mit einem einzigen Projekt erhalten so zahlreiche Betriebe einer Branche einen innovativen Vorsprung und ihre Wettbewerbsfähigkeit wird erhöht", sagte Jäger, der diese Möglichkeit vor allem unter KMU viel stärker bekannt machen will.

Die Schwellenangst von KMU vor internationalen Forschungskooperationen ist nach wie vor groß. So haben sich laut Jäger nur 60 der mehr als 270.000 österreichischen Klein- und Mittelbetriebe an dem speziellen KMU-Programm CRAFT im 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung beteiligt. Im Vergleich zu anderen Ländern mit ähnlicher Wirtschaftsstruktur sei das eigentlich "ein guter Wert". Im Vergleich dazu würde es bei "Collective Research"-Projekten viele Nutznießer geben, KMU merkten rasch, dass man in europäischen Netzwerken viel mehr bewirken könne. Derzeit laufen laut Jäger drei "Collective Research"-Projekte mit österreichischer Beteiligung, drei weitere sind in Vorbereitung. (APA)

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