Gusenbauer war bei "Bilderberg-Treffen" in Istanbul

6. Juni 2007, 14:44
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"Offene Diskussion ohne Öffentlichkeit" - Wilde Spekulationen in der türkischen Presse

Wien/Istanbul - Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat am vergangenen Wochenende in der Türkei am 55. Treffen der so genannten "Bilderberg-Konferenz" teilgenommen. Bei diesen alljährlichen Treffen ohne vorherige Bekanntgabe von Zeit, Ort, Themen und Teilnehmern, finden sich regelmäßig hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur aus Europa und Amerika zusammen, um aktuelle Themen zu besprechen.

 

Prinzip der Diskretion

Gusenbauer, am Rande der Pressekonferenz mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten Jose Socrates am Montag nach dem Treffen befragt, verwies auf das Prinzip der "Diskretion", wonach Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik "ohne Öffentlichkeit" eine "offene Diskussion" abhalten. Lediglich Ort und Datum werden mitgeteilt, so sei es vereinbart. Gusenbauer: "Dieser diskrete Charakter hat sich bewährt, das wurde auch dieses Mal nicht geändert."

Wilde Spekulationen

An dem Treffen in Istanbul nahmen laut türkischen Medien u.a. die niederländische Königin Beatrix, Schwedens Außenminister Carl Bildt, der frühere US-Außenminister Hernry Kissinger, der Präsident des Weltwährungsfonds, Rodrigo de Rato, EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn und Belgiens Kronprinz Philipp teil. Türkische Teilnehmer waren u.a. Staatsminister Ali Babacan, Repräsentanten des Industriellenverbandes TÜSIAD und UNDP-Chef Kermal Dervis, früherer Wirtschaftsminister.

Von Seiten Österreichs hatte der frühere Bundeskanzler Franz Vranitzky mehrfach an der "Bilderberg-Konferenz" teilgenommen. Im Jahr 2002 nahm der Altkanzler seinen Parteifreund SPÖ-Chef Gusenbauer zu dem Treffen mit, das damals in den USA stattfand.

Die türkische Presse erging sich teils in wilden Spekulation über das Istanbuler Treffen. Die islamisch orientierte Tageszeitung "Zaman" schrieb in ihrer Internet-Ausgabe vom "kontroversiellen Treffen einer global mächtigen Elite". Sogar Datum und Ort seien falsch angegeben, der Ort Silivri als Tagungsort genannt worden.

Atomprogramm oder Verschwörungen?

All dem widersprach der angesehene türkische Journalist Mehmet Ali Birand, der bei dem Forum dabei war: Internationale Entwicklungen würden diskutiert, man lerne viel voneinander. Das Treffen unterscheide sich kaum von einem hochrangig besetzten NGO-Seminar. Sein Kollege Cünayt Ülsever assistierte: Die "Verschwörungstheorien" seien "Unsinn", es sei um Fragen wie das iranische Atomprogramm, die globale Erwärmung, die türkische EU-Mitgliedschaft und das Nahost-Problem gegangen.

Von österreichischer Seite hat mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein noch ein weiteres Regierungsmitglied am diesjährigen "Bilderberg-Treffen" in der türkischen Bosporus-Metropole teilgenommen. Weiters nahmen der Generaldirektor der BAWAG, Ewald Novotny, und der Herausgeber der Tageszeitung "Der Standard", Oscar Bronner, daran teil, wie das Blatt in seiner Wochenend-Ausgabe schrieb. Bartenstein war übrigens, wie verlautete, auch im vergangenen Jahr bei den Diskussionen des hochkarätig besetzten Forums mit dabei.

Tagungsort

Der Name "Bilderberg" stammt vom Tagungsort - einem Hotel in der niederländischen Stadt Oosterbek -, wo im Mai 1954 die erste Konferenz stattfand. Das Treffen wurde vom niederländischen Prinzgemahl Bernhard, dem Vater der heutigen Königin, initiiert. Es entstand aus der Sorge führender Persönlichkeiten um den Zusammenhalt der transatlantischen Partnerschaft. Traditionell gibt es keine Medienteilnahme. (APA)

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