In Wien verhafteter Alijev erhebt schwere Vorwürfe gegen Nasarbajew

11. Juli 2007, 16:40
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Ex-Botschafter: Haftbefehl ist Rache des Präsidenten - Anschuldigungen gegen ihn seien frei erfunden

Wien - Rakhat Alijev (Aliyev), ehemaliger kasachischer Botschafter in Österreich, hat in einem kurz vor seiner Verhaftung geführten Interview mit dem Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin "profil" schwere Vorwürfe gegen seinen Schwiegervater, Präsident Nursultan Nasarbajew erhoben. Der gegen ihn, Alijev, angestrengte Haftbefehl sei nicht nur die Rache für seine politischen Ambitionen auf das Präsidentenamt, sondern auch dafür, dass er sich geweigert habe, dem Staatschef und seiner Entourage lukrative Unternehmensanteile zu überschreiben.

Alijev: "Der Präsident hat mich immer wieder aufgefordert, meine Medienbeteiligungen an Günstlinge aus seiner Umgebung zu übertragen. 'Das ist mein Land', sagte er zu mir: 'Jeder hier macht, was ich will, nur Du gehorchst mir nicht.' Nasarbajew will alle Massenmedien unter seine Kontrolle bringen. Bevor der Haftbefehl gegen mich ausgestellt wurde, waren sein Privatsekretär und ein Staatssekretär in Wien. Ihr Angebot war klar: Du überschreibst uns deine Medienbeteiligungen, wir legen den Fall ad acta".

"Alles frei erfunden"

Die Anschuldigungen gegen ihn seien frei erfunden, sagt Alijev: "So geht Präsident Nasarbajew eben gegen mögliche Konkurrenten und Oppositionspolitiker vor, wenn sie nur daran denken, ihn herauszufordern. Das Exempel ist auch eine Warnung an alle anderen erfolgreichen Geschäftsleute in meiner Heimat. Die Botschaft lautet: Wendet Euch nicht gegen den Präsidenten, sonst verliert ihr alles." Das Vorgehen der kasachischen Behörden bedeute einen schweren Imageschaden für das Land: "Wir bieten derzeit ja ein Bild, das alle Klischees aus dem Film 'Borat' bestätigt".

Statt der nunmehr drohenden Auslieferung an Kasachstan, bei der er um sein Leben fürchten müsste, hofft Alijev auf eine Einbürgerung: "Mein Wunsch wäre die österreichische Staatsbürgerschaft, da ich sehr gerne in diesem schönen Land bleiben möchte, dem ich mich sehr verbunden fühle. Ich wünsche mir, dass ich und mein Sohn in Österreich bleiben können. Ich habe nicht vor, zu fliehen".

Von dem in Kasachstan gegen ihn laufenden Verfahren sei keine Fairness zu erwarten, so Alijev abschließend gegenüber "profil": "Ich wehre mich nicht gegen eine Untersuchung, ich habe nichts zu verbergen. Aber es scheint, dass beim Präsidenten das Urteil über mich längst gefallen ist. Jetzt vertraue ich auf das internationale Recht und auf Österreich: Ein Verdächtiger hat bis zum allfälligen Beweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten. Österreich soll mich nicht an ein System ausliefern, in dem mein Leben und das Leben meiner Familie in Gefahr ist." (APA)

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