Eine Liedumarmung

5. Juni 2007, 14:05
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Adrian Eröd im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins

Wien - Kann sich sehen lassen: Knapp nach der Premiere von Boris Godunow, in der Adrian Eröd als Schtschelkalow auf der Bühne stand, präsentierte der Bariton im Gläsernen Saal einen feinsinnig zusammengestellten Liederabend. Markant, mit einigen aufhellend metallischen Schwingungen, klingt Eröds Stimme - zum Erzählen wie geschaffen.

So ziehen die von Schubert vertonten Worte, die Der Wanderer an den Mond richtet, ebenso in ihren Bann, wie die Gedanken, die sich Korngolds Nachtwanderer macht. Dass Schuberts dramatischer Erlkönig einem wortdeutlichen Künstler wie Eröd auf die Stimme geschrieben ist, wundert nicht - wohl aber, mit welcher Leichtigkeit er seinem zupackenden Begleiter am (ganz geöffneten) Klavier Paroli zu bieten versteht.

Zwar bringt Jendrik Springer Schuberts Vertonungskunst pittoresk zum Vorschein, doch nimmt die Gestaltungsfreude manches Mal gar wuchtige Ausmaße an. Ein verliebter Spitzbube, der von der Geliebten die stützende Umarmung erpresst, um im Garten, der "voller Leut" ist, Aufsehen zu vermeiden, nimmt in Alma Mahlers Ich wandle unter Blumen amüsante Gestalt an. Ebenso kokett huscht Mendelssohns elfenhafte Neue Liebe vorüber, bevor sein Venezianisches Gondellied sehnender Elegie Platz macht, die Eröd prächtig zum Klingen bringt.

Die Palette seiner komödiantischen und stimmlichen Ressourcen lässt er auch Erich Zeisls Mondbildern veredelnd zugute kommen. Die vier Lieder, die der 1939 vertriebene österreichische Komponist auf Texte von Morgenstern komponiert hat, wurden in Österreich noch nie aufgeführt, erzählt Eröd. In Anwesenheit der Tochter des Komponisten erhielten die Mondbilder ziselierte Kontur. (Petra Haiderer /DER STANDARD, Printausgabe, 02./03.06.2007)

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