Warme Winter gab es auch früher

31. Mai 2007, 15:41
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Neue Dauerausstellung im Wiener Naturhistorischen Museum zeigt "Evolution und Klima als Motoren des Lebendigen"

Wien - "Natur im Wandel heißt Leben im Wandel" - so lautet der Titel einer neuen Schau, die am Mittwoch im Naturhistorischen Museum in Wien eröffnet wurde. Neben der Darstellung von Evolutionsvorgängen im Zusammenhang mit Klimaveränderungen greift die Ausstellung Beispiele auf, bei denen die Wetterverhältnisse ausschlaggebend für bedeutsame Ereignisse waren: So war etwa Hannibals Angriff auf die Römer erfolgreich, weil er auf Grund eines besonders warmen Winters Gebirge überqueren und die Gegner von Norden her überraschen konnte.

Auch in der jüngeren Vergangenheit nahmen die Klimaverhältnisse mitunter bedeutenden Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. In Frankreich führte 1788/89 ein "Rekordwinter" zu Ernteeinbußen und Hungersnöten, die schließlich zum Ausbruch der Französischen Revolution beitrugen.

Verblüffend ist ein Szenario für Europa, das sowohl Vergangenheit als auch Zukunft betrifft: Ein Schmelzen der Gletscher Nordamerikas könnte die Golfströme bremsen, die Wärme nach Europa bringen. Als Konsequenz würde bei uns eine spürbare Abkühlung ins Haus stehen, während die Temperaturen auf dem restlichen Planeten steigen. Dies war schon einmal der Fall - vor rund 10.000 Jahren.

Neben der Darstellung des Menschen als Bestandteil der Natur zeigt die Präsentation, von welchen Tieren er im Laufe der Zeit umgeben war. Aufwendig rekonstruierte Skelette von Höhlenbär, Riesenhirsch, Säbelzahnkatze oder Riesengürteltier führen vor Augen, wie sich auch andere Lebewesen in ihrer Entwicklung auf die jeweiligen Gegebenheiten einzustellen wussten.

Keine Verharmlosung

Während Veränderungen in den klimatischen Verhältnissen also nichts neues sind, ist es nicht Ziel der Schau, die durch den Menschen hervorgerufenen Entwicklungen als harmlos darzustellen. Generaldirektor Bernd Lötsch sprach in seiner Eröffnungsrede gar von der "Naturkatastrophe Mensch" und spielte damit auf die Tatsache an, dass die Spezies zwar oft Spielball klimatischer Veränderungen war, mittlerweile jedoch als deren Änderer auf den Plan tritt. Das tatsächliche Ausmaß menschlicher Einflüsse werde erst im Spiegel einer langfristigen Entwicklung erkennbar.

In die gleiche Richtung gingen die Ausführungen von Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb über beschränkte Möglichkeiten zum Umgang mit den Folgen der Erderwärmung. Während unsere Vorfahren in der Lage waren, auf regionale klimatische Veränderungen mit Abwanderung in lebensfreundlichere Gebiete zu reagieren, sei dies bei der heutigen Anzahl der Weltbevölkerung keine Option mehr. (APA)

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    Dieses über zwei Meter große Bison lebte vor rund 10.000 Jahren im Raum des heutigen Los Angeles, USA. Nach dem Ende der Eiszeit starb es aus.

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