"Schwarze Löcher" auf dem Mars entdeckt

16. Juli 2007, 13:49
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Forscher rätseln: "Mars Odyssey"-Aufnahmen offenbaren sieben mysteriöse kreisrunde Höhlen von unbekannter Tiefe und Ausdehnung

Die Forscher des "Mars Reconnaissance Orbiter" HiRes-Teams veröffentlichten dieser Tage unter anderem die Aufnahme einer auf dem ersten Blick unspektakulären Lava-Ebene nordöstlich des Vulkans Arsia Mons. Einzig ein kleiner kreisrunder Fleck unterscheidet das Areal von anderen Marsgegenden dieser Art. Was zunächst wie ein optischer Fehler wirkte stellte sich als eine geologische Besonderheit heraus: die Wissenschafter hatten ein tiefes Loch entdeckt, das offenbar ins Innere des Roten Planeten führt.

Mittlerweile konnten Astronomen insgesamt sieben dieser mysteriösen Höhleneingänge ausmachen; die Löcher mit den Namen Dena, Chloe, Wendy, Annie, Abbey, Nikki und Jeanne variieren im Durchmesser, das größte von ihnen misst über 250 Meter. Über die Tiefe der Höhlen können die Forscher allerdings nur Spekulationen anstellen.

Entdeckt wurden das Phänomen auf "Mars Odyssey"-THEMIS (Thermal Emission Imaging System)-Bildern, die eine Auflösung von etwas mehr als 20 Meter pro Pixel aufweisen. Neugierig geworden ließen die Astronomen den "Mars Reconnaissance Orbiter" sein wesentlich höher auflösendes Auge auf die Höhlen richten. Durch die Genauigkeit der optischen Instrumente von 25 Zentimeter je Pixel erhofften sich die Astronomen Aufschlüsse über Ursache und genau Form der geologischen Formationen.

Nichts zu sehen

Die Enttäuschung war groß, als sich herausstellte, dass selbst eine nachträgliche Bearbeitung der Aufnahmen keine weiteren Details aus dem Inneren der Löcher ans Licht brachte. Dies würde nur einen Schluss zulassen, meinen der Entdecker der Höhlen, Glen Cushing, und seine Kollegen von der University of Northern Arizona: Die Ränder der Löcher sind überhängend und die darunter liegenden Hohlräume sind größer, als es von außen den Anschein hat.

Die staubige Atmosphäre des Mars produziert normalerweise genug Streulicht, um auch schattige Bereiche einigermaßen auszuleuchten; aber selbst die sehr empfindlichen Kameras des "Mars Reconnaissance Orbiter" konnten weder Boden noch Seitenwände ausmachen. Cushing und sein Team sind sich sicher: Die Hohlräume sind riesig und sie müssen außerordentlich tief sein.

Die genauen Ausmaße würden so lange ein Rätsel bleiben, bis jemand dort hin reist und sich die Höhlen vor Ort ansieht, so Cushing. Das liegt allerdings noch weit in der Zukunft. Der aktuelle Stand der Technik wäre noch nicht so weit, einem Mars-Lander unter den am Arsia Mons herrschenden atmosphärischen Bedingungen eine sichere und sanfte Landung zu gewährleisten

Rätselhafte Entstehung

Auch über die Entstehung der Kavernen herrscht Unklarheit. Als eine Möglichkeit werden Lavaströme diskutiert, die große Hohlräume entstehen ließen, deren Decke schließlich an einer Stelle eingebrochen ist. Eine andere Erklärung seien karstähnliche Vorgänge. Dies könnte bedeuten, dass die Höhlen in früheren Zeiten durch Wasser entstanden. Krater, die durch den Einschlag von Meteoriten gebildet werden, seien die sieben Löcher jedenfalls nicht, so Cushing. Dafür fehlten ihnen die ansonsten vorhandenen Kraterringe.

Auch wenn die Forscher im Zusammenhang mit den Höhlen nicht unbedingt an Marsianer denken, so hegen sie doch die Hoffnung, dass dort unten in der Tiefe am ehesten Organismen zu finden sind. In großen Tiefen sei die Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein von flüssigem Wasser signifikant höher. "Wenn es Leben auf dem Mars gibt, dann besteht eine gute Chance, es in einer Höhle zu finden", meint J. Judson Wynne vom Geologischen Dienst der USA, der mit am Projekt beteiligt war. (Red)

  • Kreisrund, tief und finster: Die Forscher rätseln noch über den Ursprung der schwarzen Löcher auf dem Mars.
    foto: nasa, jpl, u. arizona

    Kreisrund, tief und finster: Die Forscher rätseln noch über den Ursprung der schwarzen Löcher auf dem Mars.

  • Selbst die hochauflösenden Instrumente des "Mars Reconnaissance Orbiter" können kein Licht in die Dunkelheit bringen.
    foto: nasa, jpl, u. arizona

    Selbst die hochauflösenden Instrumente des "Mars Reconnaissance Orbiter" können kein Licht in die Dunkelheit bringen.

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