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Natur und Bundesforste gehören zusammen

5. Juni 2007, 16:58
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Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist die vor zehn Jahren erfolgte Ausgliederung der Bundesforste eine echte Erfolgsgeschichte - Interview mit den ÖBf-Vorständen Georg Erlacher und Georg Schöppl

Steigende Holzpreise und hohe Nachfrage sowie eine erfreuliche Entwicklung im Immobilien- und Dienstleistungsbereich brachten den Bundesforsten im Jubiläumsjahr 2006 ein hervorragendes Ergebnis.

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Für Sie, Herr Schöppl, ist es die erste ÖBf-Bilanz, die Sie präsentieren. Haben Sie schon viel Verbundenheit mit dem Unternehmen entwickeln können?
Georg Schöppl: Nachdem ich erst vor wenigen Wochen meine Funktion als neuer Finanz- und Immobilienvorstand der Bundesforste angetreten habe, ernte ich heuer eigentlich die Lorbeeren, die meinem Vorgänger Thomas Uher gebühren. Mit den Zahlen kann ich mich umso leichter identifizieren, als sie sehr erfreulich sind. Meine Verbundenheit mit dem Unternehmen war, schon seit ich es kennen gelernt habe, eine sehr große. Land- und Forstwirtschaft haben mich von Kindesbeinen an begleitet, und nicht erst seit meiner Zeit im Lebensministerium schätze ich die ÖBf als Kronjuwelen der Republik. Umso leichter fällt es mir, mich in bundesforstliche Themen einzuarbeiten und auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuzugehen.

Eines der beherrschenden Themen in der öffentlichen Diskussion und in den Medien ist der Klimawandel. Als größter Grundstückseigentümer und Naturressourcenbetreuer der Republik sind die Bundesforste sicher einer der Hauptbetroffenen. Wie beurteilen Sie die Situation, was erwarten Sie in Zukunft und was unternehmen Sie in Ihrem Einflussbereich?
Georg Erlacher: Die Natur und die Bundesforste gehören untrennbar zusammen. Wir sind daher auch wie kein anderes Unternehmen in Österreich vom Klimawandel betroffen, und es ist bereits ein Trend erkennbar, der sich verdichtet. In den sechs Jahren meiner Tätigkeit bei den Bundesforsten gab es kein Jahr ohne extreme Wettererscheinungen – so genannte Großereignisse, wie man sie früher alle zehn oder zwanzig Jahre hatte. Das heißt, Wetterextreme wie Stürme, Hochwasser oder Trockenheit sind keine Ausreißer mehr, sondern treten immer häufiger auf. Aufbauend auf dieser Erkenntnis versuchen wir, Strategien zu entwickeln, die aus forstlicher Sicht eine Antwort auf den Klimawandel darstellen.

Und was kommt dabei heraus?
Erlacher: Bei dem was wir tun, müssen wir immer in Zeiträumen denken, die Generationen umfassen. Wir sehen beispielsweise, dass sich die Baumartenzusammensetzung in den Wäldern ändern muss. In 100 Jahren werden daher unsere Wälder ein anderes Gesicht haben, beispielsweise mehr Laub- und weniger Nadelbäume. Höhere Durchschnittstemperaturen bedeuten etwa mehr neue Lebensräume für die Buche und weniger Fichtenwälder. Auch in den Höhenlagen wird es Verschiebungen geben. Auswirkungen wird es auch durch das geänderte Niederschlagsverhalten geben.

Wenn wir schon beim Niederschlag sind – wie sieht das im Jahr 2007 aus?
Schöppl: Wäre der Regen heuer noch zwei bis drei Wochen später gekommen, dann hätte es z.B. in der Landwirtschaft großflächig Totalausfälle gegeben. Während andere Leute sich über das schöne Wetter gefreut haben, haben wir in der Landund Forstwirtschaft schon sehnsüchtig auf den Regen gewartet. Wenn Sie auf das Jahr 2006 zurückblicken. Wie war die Entwicklung für die Bundesforste?
Erlacher: Das Jahr 2006 war sehr wechselhaft. Im ersten Quartal hatten wir Jahrhundertschneelagen, die die Holzproduktion teilweise vollständig zum Stillstand brachten. Danach hat sich das Jahr jedoch recht positiv entwickelt, vor allem auf Grund der dynamischen Holznachfrage. Wir hatten praktisch das gesamte Jahr einen Nachfrageüberhang, der sehr schwer abzudecken war. Die Bundesforste haben trotzdem eher zurückhaltend agiert, weil wir uns zum Ziel gesetzt haben, nicht mehr Holz zu ernten als nachwächst, das heißt wir wirtschaften nachhaltig.

Sie veröffentlichen erstmals nur konsolidierte Zahlen für die ÖBf-Gruppe. Wie haben sich die Beteiligungen entwickelt?
Erlacher: In Summe haben unsere Beteiligungen 2006 einen positiven Ergebnisbeitrag von 0,8 Mio. e geleistet. Das Portfolio ist breit gestreut und reicht von Beteiligungen im Bereich der Wertschöpfung aus Holz über erneuerbare Energie bis hin zu Dienstleistungen, also von Mayr-Melnhof über das Biomasse- Kraftwerk Wien-Simmering bis zu den Dachsteinhöhlen. So können wir unsere Wachstums- und Diversifizierungsstrategie auf breiter Basis umsetzen. Wir scheuen uns aber auch nicht, einen Schritt zurück zu machen, wenn es die Umstände erfordern. Angesichts der Verschlechterung der Rahmenbedingungen, etwa einer drastischen Anhebung der Exportzölle, ist 2006 die Schließung unserer in Osteuropa tätigen Tochter Foria Forstmanagement GmbH, eines 50-50-Joint-ventures mit den finnischen Staatsforsten, erfolgt. Internationale Präsenz sichern uns auch weiterhin Consulting und Forsttechnik.
Schöppl: Die wesentlichen wirtschaftlichen Ergebnisbeiträge für den Konzern stammen nach wie vor aus der vielfältigen Betreuung der Liegenschaften des Bundes durch die Muttergesellschaft ÖBf AG. Sie hält 100% an der ÖBf-Beteiligungs GmbH, die als Holding fungiert.

Seit zehn Jahren sind die Bundesforste eine Aktiengesellschaft. Würden Sie sagen, dass die Ausgliederung aus der Bundesverwaltung ein Erfolg war?
Schöppl: Die Republik Österreich kann auf diese Ausgliederung und Neugründung stolz sein. Trotz nicht immer einfacher Rahmenbedingungen ist seit 1997 ist der Umsatz des Unternehmens um 40 Prozent gestiegen, und auch im Jahr 2006 hat es gegenüber 2005 ein Plus um 15 Prozent gegeben. Erstmals haben wir im Vorjahr eine Betriebsleistung von mehr als 200 Millionen Euro erwirtschaftet und können ein sehr schönes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von über 25 Millionen Euro präsentieren. Stolz sind wir auch darauf, dass das Unternehmen heute neben der Holzwirtschaft mehrere ertragreiche Standbeine aufweist. Früher stammten 90 Prozent der Erträge aus Forstwirtschaft sowie Jagd und gerade zehn Prozent aus der Immobilienbewirtschaftung. Heute erwirtschaften wir fast ein Viertel des Umsatzes mit Immobilien und Dienstleistungen.
Erlacher: Die Neugründung hat dem Unternehmen und den Mitarbeitern außerdem einen enormen Motivationsschub gebracht.Wir haben viel Verantwortung in dezentrale Strukturen verlagert, und die Mitarbeiter haben diese Chance hervorragend genützt.
Schöppl: Bei den Bundesforsten sind die Mitarbeiter gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Die gezielte Dezentralisierung der Aufgaben und Kompetenzen hat sich voll bewährt. Heute können die Mitarbeiter vor Ort viel mehr entscheiden als früher.

Was waren die bestimmenden Faktoren für das Ergebnis 2006?
Schöppl: Hier ist an erster Stelle sicher die sehr positive Trendwende im Rohstoffbereich zu nennen. Zusätzliche Umsätze konnten wir mit der Holzlogistik erzielen, und auch im Immobilienbereich hat es schöne Steigerungen gegeben. Dazu kommt noch ein erfreuliches Ergebnis im Dienstleistungsbereich, zu dem auch Naturraummanagement und Consulting zählen. Einen Rekordwert steuert auch unsere Forsttechnik bei, die für interne und externe Kunden zusammen mehr als ein Million Festmeter Holz geerntet hat.

Das klingt aber gar nicht nach Naturromantik.
Erlacher: Geschäfte sind selten etwas für Romantiker. Wir haben mit unserem Nachhaltigkeitskonzept einen Weg eingeschlagen, der sich bewährt hat, weil er Natur, Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen beachtet, und so steht unser Betrieb auch auf gesunden Beinen. Um diesen Weg erfolgreich fortsetzen zu können, pflegen wir den Dialog mit unseren Stakeholdern und schulen unsere Mitarbeiter. Ich kann sagen, es ist schon recht gut gelungen, das Thema Nachhaltigkeit in ihren Köpfen und Herzen zu verankern.
Schöppl: Diese „Dreifaltigkeit“ unserer strategischen Ausrichtung macht für mich den besonderen Reiz des Unternehmens aus. Nur wer wie die Bundesforste den Fokus gleichwertig auf Wirtschaft, Natur, Mensch und Gesellschaft legt, wird nachhaltig erfolgreich sein.

Holz ist knapper geworden, das Blatt hat sich vom Käufer zum Verkäufer gewendet. Vor allem Energieholz fehlt und muss teilweise bereits importiert werden. Sind wir schon am Höhepunkt der energetischen Nutzung von Holz angelangt?
Erlacher: Dazu muss man einen weiteren Horizont betrachten. Natürlich ist der Holzverbrauch gestiegen und auch die Nutzung von Biomasse hat zugenommen. Andererseits sind in unseren west- und osteuropäischen Nachbarländern große Investitionen in der Holz verarbeitenden Industrie getätigt worden, die dort zu einem höheren Holzverbrauch geführt haben. Das Ergebnis sind spürbar verringerte Importmöglichkeiten. In Österreich ist es aber bisher noch nicht ausreichend gelungen, die zusätzlich benötigten Mengen nachhaltig zu mobilisieren. Ein zusätzliches Potenzial ist mit Sicherheit gegeben – auch wenn wir 2006 in Österreich mit mehr als 19 Millionen Erntefestmetern einen neuen Holzernterekord verzeichnen konnten. Der Biomasseboom ist vor allem durch gestiegene Ölpreise, den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine und geänderte Fördermöglichkeiten ausgelöst worden.

Warum ist immer wieder ist von der Verwaldung Österreichs die Rede, wenn die Holznutzung ohnehin zunimmt?
Schöppl: Die Waldfläche nimmt wirklich tendenziell zu, weil in der Landwirtschaft gewisse Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden. Das macht in Österreich jährlich etwa 5.000 Hektar zusätzliche Waldfläche aus – so viel, dass in einigen Bezirken bereits Aufforstungsverbote gelten. Aber es dauert sehr lange, bis auf diesen Flächen auch ein nutzbarer Wald steht.

Kann man daher erwarten, dass die Holzpreise wieder sinken?
Erlacher: Der Markt hat sich durch den Windwurf und den milden Winter wieder deutlich entspannt, und das hat sich auch sofort auf die Preise ausgewirkt. Wer mit Pellets heizt, ist aber noch immer deutlich günstiger dran als mit anderen Energieträgern. Holz soll allerdings auch kein Billigprodukt sein ...
Schöppl: ... und beim Preis sollte man nie in Hysterie verfallen.

Vor einem Jahr haben Sie sich im Nachhaltigkeitsbericht der Borkenkäferproblematik besonders gewidmet. Ist hier eine Verbesserung zu erwarten?
Erlacher: Die Situation ist nach wie vor angespannt, und man muss ständig auf der Hut sein. Wir hatten von 2005 auf 2006 eine positive Trendwende beim Anfall von Käferholz geschafft, der Windwurf vom Jänner 2007 bedeutet aber einen enormen Rückschlag für uns.

Und was macht man in einer solchen Situation?
Schöppl: Wir wollen den üblichen Zyklus – Windwurf – höhere Käferpopulation – mehr Schäden – durchbrechen. Daher haben wir mit einer noch nie dagewesenen Anstrengung daran gearbeitet, das Schadholz aus dem Wald zu bringen. Zusätzlich setzen wir auch neue Fangmethoden für den Käfer ein.

Gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Borkenkäferbefall und Klimawandel?
Erlacher: Früher hat man gelernt, dass in Lagen über 1.000 Meter Seehöhe kein allzu großes Käferrisiko besteht. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass gerade Hochlagen besonders vom Käfer bedroht sind.

2006 haben Sie das Jahr der Biodiversität ausgerufen. Wie ist es gelaufen und welche Ergebnisse und Erkenntnisse hat es gebracht?
Erlacher: Für uns war dieses Jahr ein Quantensprung bei der Umsetzung von Maßnahmen. Beispielsweise haben sich die Naturschutzprojekte von 180 auf über 400 mehr als verdoppelt. Weiters sind wir der internationalen Initiative „Countdown 2010“ beigetreten, die den Stopp des Artenverlustes zum Ziel hat, und haben in diesem Zusammehang zahlreiche mehrjährige Kooperationen mit NGOs gestartet.

Wie sieht es mit der Einbindung der Stakeholder aus?
Erlacher: Wichtig ist es, immer im Dialog aktiv zu sein. Zwischen den einzelnen Nutzergruppen des Waldes gibt es oft große Widersprüche. Die Jagdkunden wollen, dass im Wald Ruhe herrscht, Mountainbiker wollen möglichst viele Forststraßen befahren, und Tourengeher wollen freien Zugang zur Natur. Ein Highlight war 2006 der Abschluss einer Premiumpartnerschaft mit dem Nationalparkzentrum Hohe Tauern in Mittersill. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden wir den Besuchern auf innovativeArt und Weise den Bergwald näher bringen.
Schöppl: Der Unterschied zwischen den Bundesforsten und Privateigentümern ist eben der, dass wir als öffentliches Unternehmen beim Ausgleich von Interessen noch größere Verantwortung tragen. Wir müssen wirtschaftliche Ziele erfüllen, ökologische Ziele erfüllen und wollen zusätzlich auch gesellschaftliche Anerkennung. Das erfordert gute Arbeit und sehr viel Kommunikation.

In Ihrem Unternehmenskonzept „ÖBf-Horizont-2010“, das für den Zeitraum 2004 bis 2010 gilt, formulieren Sie eine umfangreiche Dachstrategie. Wie sieht die Halbzeitbilanz darüber aus und was soll die zweite Halbzeit bringen?
Schöppl: Die große Herausforderung ist nicht nur die Definition einer Strategie, sondern auch ihre Umsetzung. Wir haben zur Jahresmitte 2006 einen Check gemacht und wissen jetzt, dass wir in Summe sehr gut auf Kurs sind, auch wenn die Gewichtung nicht ganz so ist wie ursprünglich angenommen. Da sind uns unter anderem die Naturkatastrophen in die Quere gekommen. Einen besonderen Schub hat uns sicher der steigende Holzpreis gegeben. Insgesamt liegen wir in den Bereichen Wachstum, Ertrag und Diversifizierung sehr gut.
Erlacher: Wichtig sind vor allem die Nachvollziehbarkeit aller Maßnahmen und die Kontrolle der Zielerreichung. Ich sehe es als große Innovation, dass wir nicht nur wirtschaftliche Ziele definiert haben, sondern auch die soziale und die ökologische Dimension Berücksichtigung finden und Subziele in sämtlichen Geschäftsfeldern definiert wurden. Das Instrument dazu ist die Sustainability Balanced Scorecard.

Was darf man von den Bundesforsten 2007 erwarten?
Erlacher: Die Stürme zu Jahresbeginn, allen voran „Kyrill“ am 18. Jänner, hatten insgesamt rund 1,5 Millionen Festmeter Schadholz zur Folge. Das hat unsere Planungen komplett umgestoßen. Die gesamte Holzernte wird höher als geplant, und das Holz wird an anderen Orten anfallen als geplant. Daher müssen wir auch die Ergebniszusammensetzung neu bewerten. Tendenziell kann ich aber heute schon sagen, dass wir das Budget erfüllen werden.
Schöppl: Und das, obwohl der monetäre Schaden enorm ist. Die Holzernte wird dadurch um bis zu fünf Euro pro Festmeter teurer, und der Ertrag sinkt durch Qualitätseinbußen um bis zu zehn Euro je Festmeter. Das bedeutet, dass der Schaden insgesamt mehr als 20 Millionen Euro betragen dürfte. Aber wir sind so gut aufgestellt, dass wir das verkraften können. Die ÖBf sind eben nicht nur auf Schönwetter gebaut.

  • Nachdenken über die Zukunft der Holzwirtschaft.
    foto: g. gava

    Nachdenken über die Zukunft der Holzwirtschaft.

  • Der neue ÖBf-Vorstand Georg Schöppl freut sich über die erfolgreiche Bilanz 2006.
    foto: g. gava

    Der neue ÖBf-Vorstand Georg Schöppl freut sich über die erfolgreiche Bilanz 2006.

  • Vorstandssprecher
Georg Erlacher lässt
das vergangene Jahr
Revue passieren und
spricht über künftige
Herausforderungen.
    foto: g. gava

    Vorstandssprecher Georg Erlacher lässt das vergangene Jahr Revue passieren und spricht über künftige Herausforderungen.

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