100 Jahre Sozialistische Fraueninternationale

14. Juni 2007, 11:15
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Fazit der Enquete in Wien: Weg zu Gleichberechtigung und fairer Verteilung zwischen Frauen und Männern noch ein weiter

Wien - Am Dienstag fand eine Enquete anlässlich von hundert Jahren Sozialistische Fraueninternationale statt. Österreich ist neben Deutschland und Finnland eines der drei Gründungsmitglieder der Sozialistischen Fraueninternationalen gewesen und hat mit Maria Jonas und Irmtraud Karlsson zweimal die Generalsekretärin gestellt. "Diese Veranstaltung ist ein hervorragender Anlass, sich mit den vergangenen 100 Jahren, aber vor allem auch mit den zukünftigen 100 Jahren, zu beschäftigen", betonte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im Rahmen der Enquete. "Wir können stolz darauf sein, dass wir von Anfang an dabei waren."

Trotz der langen internationalen Zusammenarbeit von Frauen sei der Weg zu Gleichberechtigung und fairer Verteilung zwischen Frauen und Männern noch ein weiter, wie weltweite Zahlen belegen würden. Zwei Drittel aller Analphabeten seien Frauen, Frauen würden nur 10 Prozent des Einkommens, ein Prozent des Wohlstandes erhalten, jedoch 70 Prozent der unbezahlten Arbeit leisten. Überdies seien mit 70 Prozent vor allem Frauen von Armut betroffen.

Verbesserungen am Arbeitsmarkt als Herausforderung

In Österreich sei die Situation besser, obwohl es in den letzten Jahren nicht nur zu einem Stillstand, sondern zu einem Rückschritt in der Frauenpolitik gekommen sei. Die Einkommensschere habe sich weiter auseinander entwickelt und die Teilzeit habe enorm "geboomt". "Die Situation am Arbeitsmarkt ist 'die' große Herausforderung", unterstrich Prammer. Auch die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie "haben Frauen zu beantworten - Männer nur sehr selten", kritisierte die Nationalratspräsidentin.

Auch für ungebundene Frauen ohne Kinder sei die Situation am Arbeitsmarkt nicht leicht. Man habe errechnet, dass bei Frauen gegenüber Männern im gleichen Beruf über zehn Jahre ein Einkommensrückstand von 60.000 Euro entsteht. "Frau sein alleine reicht anscheinend schon aus, um keine Aufstiegschancen zu haben", so die SPÖ-Politikerin. Ebenfalls im Fokus müsse man die Qualifizierung von Frauen haben, denn "Bildungspolitik ist Frauenpolitik", unterstrich Prammer. Zum Thema Armut merkte Prammer an, dass in Österreich zwei Drittel aller armutsgefährdeten Personen weiblich seien. Mit dem Mindestlohn von 1.000 Euro werde vor allem in Branchen, in denen vorwiegend Frauen arbeiten würden, das Gehalt steigen.

"Wir haben in Österreich ein Tabu gebrochen. Erstmals haben wir den Schutz vor Gewalt über den Schutz vor Privateigentum gestellt", so Prammer zum österreichischen Gewaltschutzgesetz, dass heuer seinen zehnjährigen Geburtstag feiert. Für die Frauen sei es besonders wichtig, als Opfer nicht flüchten zu müssen. Gewalt an Frauen sei strukturelle Gewalt, unterstrich Prammer, da sie oftmals über weniger Geld und Perspektive verfügen würden, könne Gewalt an ihnen leichter ausgeübt werden.

"Ich glaube, dass Fortschritt nur erzielt werden kann, wenn es engagierte und bewusste Frauen gibt", konstatierte Prammer. Zwar habe man im in Nationalrat die 40-Prozent-Quote, die sich die SPÖ vorgenommen habe noch nicht erreicht, jedoch habe man in der Regierung halbe-halbe erreicht. Überdies verfüge die SPÖ über vier weibliche Landesparteivorsitzende. Auch in ihrer Funktion als Nationalratspräsidentin wolle sie einiges zum besseren wenden, betonte Prammer.

Österreichische Best-Practice-Beispiele in andere Länder transferieren

"Wir müssen unsere österreichichen Best-Practice-Beispiele was Frauenrechte betrifft, in andere Länder transferieren", bemerkte die SPÖ-Bereichssprecherin für Frauen und Gleichbehandlung Gabriele Heinisch-Hosek. Insbesondere die Staaten des ehemaligen Ostenblocks könnten davon profitieren, so Heinisch-Hosek, in Zusammenarbeit mit Organisationen vor Ort könne viel bewegt werden. Heinisch-Hosek zeigte sich besonders erfreut, dass die EU dass Jahr der Chancengleicheit ausgerufen habe und dass man eine besondere Kampagne zu mehr Kinderbetreuung ausgerufen habe.

Durch die Globalisierung gehe es den Frauen nicht besser, betonte Heinisch-Hosek. Vielmehr sei es zu einer Feminisierung der Armut und zu einer Feminisierung der Migration gekommen. Genau diese Aspekte müssten beleuchtet werden und sie sei sich sicher, dass eine Organisation wie die SIW dazu beitragen könne. (red)

  • Durch die Globalisierung geht es den Frauen nicht besser. Vielmehr sei es zu einer Feminisierung der Armut und
zu einer Feminisierung der Migration gekommen, lautet ein Fazit der Enquete zu 100 Jahren Sozialistische Fraueninternationale in Wien.
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    Durch die Globalisierung geht es den Frauen nicht besser. Vielmehr sei es zu einer Feminisierung der Armut und zu einer Feminisierung der Migration gekommen, lautet ein Fazit der Enquete zu 100 Jahren Sozialistische Fraueninternationale in Wien.
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