Die Gleichung Umwelt, Sicherheit und Lkw

20. September 2007, 16:18
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Mit Erdgas angetriebene Lkws gelten als Alternative in den Fuhrparks von Müllunternehmen oder der Feuerwehr. Das Beispiel Mercedes Econic zeigt die Gründe

Der Lkw in der Stadt ist für viele Menschen ein Problem. Er braucht keine moderne Abgasnormen zu erfüllen, fahren darf er immer. Unvermeidlich sind im Stadtverkehr jene Fahrzeuge, die den Müll holen und solche, die Hilfe bringen, wenn es einmal brennt. Kein Weg führt an ihnen vorbei und dennoch ist es möglich, ihren Schadstoffausstoß mehr zu minimieren als man das bisher für möglich gehalten hat.

Schattendasein

Es gibt Erdgas-Lkws aus Serienfertigung, die auch von ihrem technischen Profil auf Abfallentsorgung und auf den Transport von Drehleitern abgestimmt sind. Davon weiß man hier nur wenig: Trotz weltweit bereits mehr als 6000 verkaufter Modelle führt der Econic von Mercedes-Benz, davon eine ganze Menge ausgestattet mit Erdgasantrieb anstatt der ebenfalls lieferbaren Euro-4-Dieselmotoren, ein Schattendasein. Wer es ganz genau nimmt, könnte ihn sogar als Hybridfahrzeug einstufen. Sämtliche Hydraulikanlagen mit Wasser gefüllt sind, was es am Lkw-Markt bisher noch nicht gibt.

Mercedes hatte die Sicherheit der Personen im Auge, die mit dem Econic arbeiten. Das beweist die Niederflurbauweise, die einen leichten Zustieg in das Fahrerhaus erlaubt und damit die Standplatte am Heck der bisherigen Müllsammelfahrzeuge unnötig macht. Durch den abgesenkten Fahrerplatz des Niederflur-Lkws und die Verglasung ist es hier leichter möglich, das Verkehrsgeschehen zu überblicken als dies von einem herkömmlichen Lkw möglich ist.

Nahezu ohne Feinstaub

Für die Tatsache, dass der Econic sogar die Grenzwerte der zukünftigen Euro-5-Norm deutlich unterschreitet, da er nahezu feinstaub- und partikelfrei arbeitet, ist der Erdgasmotor verantwortlich. Dieses 6,9-Liter-Aggregat leistet 279 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 1000 Nm. Durch die Zuhilfenahme eines innovativen elektronischen Motormanagements und eines integrierten Oxidationskatalysators kann dieser Motor die natürlichen Verbrennungs_eigenschaften von Erdgas bestmöglich nützen. Da Erdgas nur ein Minimum an schadstoffbildenden Bestandteilen aufweist, ist auch die strenge Abgasnorm EEV (Enhanced Environmentally friendly Vehicle) kein Problem. Für den Unternehmer bedeutet der Erdgasantrieb kein zusätzliches Risiko. Durch die Verwendung vieler baugleicher Teile bei Motor und Antriebsstrang werden schon bei der Herstellung Kosten gespart, was sich beim Service und der Wartung fortsetzt. Sparen lässt sich mit dem Econic auch beim Tanken, zumindest so lange, bis Erdgas steuerlich den anderen Treibstoffen angepasst wird, was für zusätzliche Einnahmen, aber gegen die Umwelt sprechen würde. Langjährige Garantien

In Deutschland beispielsweise gibt es langjährige Garantien in Sachen Steuerbelastung für alternative Treibstoffe, was den Verkauf von Erdgasmodellen, egal ob Lkw oder Pkw, tatkräftig unterstützt. Bleibt noch das Thema Sicherheit. Der Einsatz von Erdgas-Lkws ist um nichts gefährlicher als der eines Dieselfahrzeugs. Beim Econic besteht die Tankanlage aus Stahl-Composit-Behältern, deren Größe sich dem jeweiligen Aufbau und der geforderten Reichweite anpassen lassen. In jedem Fall ist der Berstdruck der Behälter jenseits von 500 Bar angesiedelt, was rund 250 Prozent über dem normalen Betriebsdruck von 200 Bar liegt.

Durch die Verwendung von nicht rostenden Stahlleitungen und einem Minimum an verschraubten Trennstellen bestehen auch am Weg vom Tank in den Motor keine Gefahrenstellen. Wie seine dieselbetriebenen Brüder ist auch der Erdgas-Econic in verschiedenen Achskonfigurationen und unterschiedlichen Ausstattungen erhältlich. (Nora Wilhelm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2007)

  • Artikelbild
    foto: standard/mercedes econic
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