Fatih Akin belebt den Wettbewerb

23. Mai 2007, 22:03
posten

Beifall im Presse-Screening für "Auf der anderen Seite", dem zweiten Teil einer "Liebe-, Tod- und Hass"-Trilogie

Cannes - "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin feiert am Mittwoch seine Weltpremiere bei den 60. Filmfestspielen in Cannes. In einer Pressevorführung wurde er bereits am Vormittag begeistert aufgenommen. Der türkischstämmige Regisseur Fatih Akin hat sich in dem zweiten Teil seiner Liebe-, Tod- und Hass-Trilogie wieder mit den Problemen in einem Leben zwischen zwei Kulturen beschäftigt. War "Gegen die Wand" der Teil "Liebe", so ist der Film "Auf der anderen Seite" dem "Tod" gewidmet. Der türkische Pensionist Ali lebt in Deutschland und ist einsam. Geborgenheit sucht er bei der Prostituierten Yeter, ebenfalls Türkin, die er als seine Privathure für sich zu Hause beschäftigen will. Bei einem Streit über ihre Verfügbarkeit schlägt Ali sie zu Boden. Yeter stirbt. Alis Sohn Nejat, ein junger Germanistikprofessor, mochte Yeter und war besonders gerührt, dass sie ihrer Tochter Ayten Geld für ihr Studium in die Türkei schickte. Er beschließt, Ayten zu suchen. Während der Sarg ihrer Mutter in die Türkei überstellt wird, ist Ayten dagegen ihrerseits bereits in Deutschland.

Immer wieder lässt Fatih Akin die Wege seiner Protagonisten sich kreuzen, ohne dass jedoch die Beziehung zueinander aufgelöst wird. "Auf der anderen Seite" spielt in Deutschland und der Türkei und spiegelt auch den interkulturellen Hintergrund des Regisseurs wieder. Er zeigt neben den privaten Problemen und Dramen auch politische Schwierigkeiten auf. Ayten, die in Istanbul, im politischen Widerstand kämpft, flieht nach Deutschland, auch um ihre Mutter zu suchen, wird aber abgeschoben, und landet in der Türkei für ihre politischen Aktionen im Gefängnis. Ein schönes dramaturgisches Element setzt Fatih Akin ebenso ein: Er beginnt mit einer Szene in der Türkei, die erst am Ende weiterläuft. Am Ende der Vorstellung gab es langen Applaus.

Gegenteilige Reaktionen gab es zu "The Man from London" von Bela Tarr. Eine wahre Völkerwanderung aus dem Kinosaal setzte hingegen bei dem ungarischen Film ein. Der in Schwarz-Weiß und sehr avantgardistisch gehaltene Film stellt einen Mann in den Mittelpunkt, der die Welt um sich nicht wahrnimmt, bis er eines Nachts ein schreckliches Ereignis beobachtet. "Ich wollte diese Geschichte machen, weil sie sich zugleich mit dem Ewigen und dem Alltäglichen auseinander setzt", meinte der Regisseur über seinen Film. Den Wenigen, die bis zum Schluss ausharrten, war der Film, der auf einem Roman von Georges Simenon beruht, wohl zu langsam, zu abgehoben. Statt Applaus gab es Buhrufe. (Tiziana Aricò/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fatih Akin mit seinen Stars Nurgul Yesilcay und Tuncel Kurtiz

Share if you care.