BBC-Dokumentation über pädophile Priester laut Vatikan "unwahr"

1. Juni 2007, 10:47
3 Postings

Die Dokumentation ist seit einiger Zeit auf YouTube zu sehen und sorgt vor allem in Italien im Internet für Aufregung

Eine im Vorjahr in Großbritannien ausgestrahlte Dokumentation der BBC über pädophile Priester ist vom Sekretär der italienischen Bischofskonferenz CEI, Bischof Giuseppe Betori, als "unwahr" bezeichnet worden. "Wir wollen keine Zensur machen, doch sollte der Dokumentarfilm in Italien gesendet werden, müsste klargestellt werden, dass er Unwahrheiten enthält", sagte Betori nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag.

"Sex Crimes and the Vatican"

Das BBC-Video unter dem Titel "Sex Crimes and the Vatican" berichtet von Dutzenden des Kindesmissbrauchs angeklagten Geistlichen. Darunter ist der Fall der Diözese von Ferns in Irland. Ebenso wie die Verbrechen seien auch die Urheber von den kirchlichen Behörden geschützt worden, heißt es. Die Dokumentation ist seit einiger Zeit auf "YouTube" zu sehen und sorgt vor allem in Italien im Internet für Aufregung.

"Crimen Sollicitationis"

Grundlage für das Verhalten des Vatikan war laut dem Video ein Geheimdokument namens "Crimen Sollicitationis", das vom Heiligen Offizium, der heutigen Glaubenskongregation, 1962 herausgegeben wurde. Darin enthalten seien Anweisungen an die Bischöfe, wie man sich in Fällen von Priestern verhalten solle, die den Beichtstuhl für sexuelle Avancen nutzten oder die sexueller Kontakte mit Tieren, Kindern oder Männern beschuldigt wurden.

Unterdrückt

Verantwortlich für diese Anweisungen war laut der BBC-Dokumentation Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI. Die Skandale seien mit Schweigen unterdrückt und die von den Justizbehörden gesuchten Geistlichen versteckt worden. Das Video gibt Zeugenaussagen von Menschen wieder, die angeben, als Kinder von Priestern missbraucht worden zu sein.

Betori kritisierte, dass man von dem BBC-Dokumentarfilm den Eindruck habe, dass das Geheimdokument des Jahres 1962 auf Kardinal Ratzinger zurückzuführen sei, der damals ein einfacher Theologe war.

Der Generaldirektor der RAI, Claudio Cappon, wird noch diese Woche entscheiden, ob Italiens öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt den Dokumentarfilm senden wird. Der Präsident der für die RAI-Aufsicht zuständige parlamentarische Kommission, Mario Landolfi, hatte sich gegen Pläne des bekannten TV-Moderators Michele Santoro für den Erwerb des umstrittenen Videos geäußert, was für scharfe Polemik in Italien gesorgt hatte.

Frei

Der katholische Politiker Pier Ferdinando Casini meinte, die RAI sollte frei sein, sich mit dem Problem der pädophilen Priester auseinanderzusetzen. Sie müsse jedoch klar machen, dass dieses Phänomen nur eine kleine Minderheit der Priester betreffe.(APA)

Share if you care.