Jeden Tag ein neues Angebot

1. Februar 2008, 11:58
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Die Ansicht, dass mit einem Titel wie MBA oder MSc mehr Personalverantwortung, mehr Gehalt und mehr soziale Anerkennung einhergehen, muss weichen

Aus den auf www.tucareer.com geschalteten Stelleninseraten und Anforderungsprofilen geht eindeutig hervor, dass eine rein technische Ausbildung für ein Reüssieren am Arbeitsmarkt - auch wenn sich dieser für Technikerinnen und Techniker derzeit als ausgezeichnet darstellt - langfristig zu wenig ist.

Neben technischem Fachwissen (quasi Grundvoraussetzung, weil Ausbildungsinhalt) werden vor allem betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse bzw. Kenntnisse aus Querschnittsfunktionen, etwa in Projekt- und Prozessmanagement, immer häufiger von Unternehmen nachgefragt. Leider auch schon bei Einstiegspositionen!

Natürlich ist das für Anbieter eine probate Möglichkeit, auf die Notwendigkeit dieses zusätzlichen Wissens aufmerksam zu machen.

Kritischer Nachsatz: Junge Absolventinnen und Absolventen, die eine postgraduale Weiterbildung praktisch unmittelbar an den Studienabschluss anhängen, um vermeintlich Versäumtes nachzuholen, hätten sich vielleicht besser über laufende Angebote an anderen Instituten der eigenen Universität schon während ihres Studiums informieren sollen. Das Angebot ist nämlich vorhanden. Über die generelle Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von postgradualer Weiterbildung im Sinne des lebensbegleitenden Lernens braucht nicht diskutiert werden, lediglich der Zeitpunkt der Aktivität soll gut überlegt sein.

Spezialisierungen

Neben der Qualifizierung in Querschnittsmaterien werden erfreulicherweise auch Themen der Spezialistenlaufbahn aufgegriffen: Mittlerweile werden auch technische und naturwissenschaftlich-technische Lehrgänge im Angebot diverser Weiterbildungszentren - nicht zuletzt an dem der TU Wien - angeboten (unter anderem Laser Technology, Renewable Energy, ...). Das ist sehr positiv zu bewerten.

Allerdings ist die vorherrschende Produktdiversifikation, gerade in den Querschnittsfunktionen Personal-, Projekt-, Prozessmanagement, praktisch nicht mehr überschaubar und lässt sich mit dem Handymarkt vergleichen: Jeden Tag ein neues Angebot, aber nicht notwendigerweise ein anderes Programm!

Faktum ist jedenfalls, dass die ausgesprochenen und gewünschten Laufbahnpfade meist nicht zu erfüllen sind. Nach der Analyse diverser Inserate in einschlägigen Tageszeitungen entsteht der Eindruck, dass in absehbarer Zeit - in rund drei bis fünf Jahren - in Österreichs Unternehmen praktisch ausschließlich Führungskräfte tätig sein werden. Dieses Bild ist nicht nur verzerrt, es ist schlichtweg falsch!

Wunsch und Realität

Die oft feste Ansicht, dass mit einem Titel wie MBA oder MSc mehr Personalverantwortung, mehr Gehalt und nicht zuletzt mehr soziale Anerkennung einhergehen, muss aus den Köpfen weichen. Letztlich geht es um die Beantwortung folgender Fragen:

Wie sehe ich meine persönliche Laufbahn und wohin will ich mich entwickeln?

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Langform der Weiterbildung (MBA, MSc. oder doch Doktorat)? Und nicht zuletzt:

Welche Assoziationen verbinde ich mit dem Abschluss (Führungslaufbahn, Spezialistenlaufbahn oder doch nur persönliche Eitelkeit)? (Michael Kaiser und Rainer Wimmer/DER STANDARD-Printausgabe, 19./20. Mai 2007)

ZU DEN PERSONEN

Michael Kaiser und Rainer Wimmer sind Geschäftsführer des Career Center der Technischen Universität Wien.

  • Ob ein Bewerber ein postgraduales Studium absolviert hat, bestimmt nicht zwingend über die Thronfolge an der Unternehmensspitze.

    Ob ein Bewerber ein postgraduales Studium absolviert hat, bestimmt nicht zwingend über die Thronfolge an der Unternehmensspitze.

  • Die Ansicht, dass mit einem Titel wie dem MBA oder MSc mehr Personalverantwortung, mehr Gehalt und nicht zuletzt mehr soziale Anerkennung einhergeben, muss aus den Köpfen weichen. (Rainer Wimmer)
    foto: tu career

    Die Ansicht, dass mit einem Titel wie dem MBA oder MSc mehr Personalverantwortung, mehr Gehalt und nicht zuletzt mehr soziale Anerkennung einhergeben, muss aus den Köpfen weichen. (Rainer Wimmer)

  • Über die generelle Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von postgradualer Weiterbildung im Sinne des lebensbegleitenden Lernens braucht nicht diskutiert werden. Lediglich der Zeitpunkt der Aktivität soll gut überlegt sein. (Michael Kaiser)
    foto: tu career

    Über die generelle Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von postgradualer Weiterbildung im Sinne des lebensbegleitenden Lernens braucht nicht diskutiert werden. Lediglich der Zeitpunkt der Aktivität soll gut überlegt sein. (Michael Kaiser)

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