Italien: BBC-Dokumentation über pädophile Priester sorgt für Streit

30. Mai 2007, 12:46
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Parlamentarische Kommission gegen Ausstrahlung

Eine im Vorjahr in Großbritannien ausgestrahlte Dokumentation der BBC über pädophile Priester sorgt derzeit bei Italiens Staatsfernsehen RAI für Streit. Der Präsident der für die RAI-Aufsicht zuständige parlamentarische Kommission, Mario Landolfi, will Pläne des bekannten TV-Moderators Michele Santoro für den Erwerb des umstrittenen Videos stoppen. Darin wird der frühere Kardinal und heutige Papst, Joseph Ratzinger, beschuldigt, Geistliche geschützt zu haben, die sich an Kindern vergangen haben, schreibt die italienische Zeitung "La Repubblica" in ihrer Montag-Ausgabe. Santoro wollte den Film im Rahmen seiner Polit-Show "Anno Zero" zeigen.

Das BBC-Video unter dem Titel "Sex Crimes and the Vatican" berichtet von Dutzenden des Kindesmissbrauchs angeklagten Geistlichen. Darunter ist der Fall der Diözese von Ferns in Irland. Ebenso wie die Verbrechen seien auch die Urheber von den kirchlichen Behörden geschützt worden, heißt es.

"Schändliche Verleumdung"

"Das Staatsfernsehen darf zu keinem medialen Exekutionskommando werden, das auf die Kirche und den Papst schießt", schrieb Landolfi in einer Presseaussendung. Auch die katholische Tageszeitung "L'Avvenire", Sprachrohr der italienischen Bischofskonferenz CEI, prangerte die Dokumentation als "schändliche Verleumdung" an. Mit dem Fall beschäftigt sich nun der Generaldirektor der RAI, Claudio Cappon, der entscheiden muss, ob das Video gesendet werden soll.

Radikale Linksparteien sprachen von einer skandalösen Zensur von Seiten der parlamentarischen RAI-Kommission. "Es gibt keine Themen, mit denen sich die RAI nicht befassen darf", sagte der linke Parlamentarier Giuseppe Giulietti.

Geheimdokument "Crimen Sollicitationis"

Grundlage für das Video war ein Geheimdokument namens "Crimen Sollicitationis", das vom Heiligen Offizium, der heutigen Glaubenskongregation, 1962 herausgegeben wurde. Darin enthalten seien Anweisungen an die Bischöfe, wie man sich in Fällen von Priestern verhalten solle, die den Beichtstuhl für sexuelle Avancen nutzten oder die sexueller Kontakte mit Tieren, Kindern oder Männern beschuldigt wurden.

Verantwortlich für diese Anweisungen war laut der BBC-Dokumentation Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI.. Die Skandale seien mit Schweigen unterdrückt und die von den Justizbehörden gesuchten Geistlichen versteckt worden. Das Video gibt Zeugenaussagen von Menschen wieder, die angeben, als Kinder von Priestern missbraucht worden zu sein. (APA)

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