Deripaska steigt bei Hochtief ein

11. Juni 2007, 10:47
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Nach seinem Einstieg bei Haselsteiners Strabag und dem Milliarden-Investment bei Magna sichert sich der russische Oli­garch zehn Prozent am deutschen Baukonzern

Berlin/Moskau - Einer der reichsten Männer Russlands ist in großem Stil beim deutschen Baukonzern Hochtief-Konzern eingestiegen. Rohstoff-Milliardär Oleg Deripaska stockte seinen Anteil am größten deutschen Baukonzern auf rund zehn Prozent auf, wie Deripaskas Holding Basic Element am Montag mitteilte. Damit ist der als Aluminium-Baron reich gewordene Deripaska zweitgrößter Hochtief-Aktionär.

Der 39-Jährige, der sich zahlreiche Riesen-Projekte in Russland vorgenommen hat, will nach eigenem Bekunden auf das Knowhow von Hochtief zurückgreifen. Der weltweit tätige Hochtief-Konzern begrüßte Deripaskas Strategie.

Basic Element war vor einigen Wochen bereits überraschend mit 30 Prozent beim österreichischen Bauriesen Strabag von Hans-Peter Haselsteiner eingestiegen. Später beteiligte sich Deripaska auch noch mit über einer Milliarde Euro beim stark in Österreich vertretenen Autozulieferer Magna des Austrokanadiers Frank Stronach. Deripaska gilt als Vertrauter von Präsident Wladimir Putin.

Deripaskas Holding wolle vom Know-how des deutschen Baukonzerns profitieren, hieß es in der Erklärung. Für das russische Wachstum sei entscheidend, dass "die Infrastruktur des Landes ausgebaut wird und neue Bauprojekte angestoßen werden", erklärte Basic-Element-Chef Gulschan Moldaschanowa. Die Firma werde bei dieser Aufgabe "von Hochtiefs internationaler Erfahrung profitieren". Ein Hochtief-Sprecher sagte, der Konzern freue sich über jeden Aktionär, der die Strategie unterstütze, "in dynamischen und attraktiven Märkten tätig zu sein".

Flughäfen bauen und betreiben

Deripaska will mit Hochtief laut dem Sprecher etwa Flughäfen bauen und betreiben, und bei der Instandhaltung von anspruchsvollen Gebäuden, etwa Automobilwerken, zusammenarbeiten. Die US-Tochter von Hochtief baut derzeit in Moskau mit dem Federation Tower das höchste Gebäude Europas, das mit 350 Metern Höhe den Commerzbank-Tower in Frankfurt von der Spitze verdrängen soll. Hochtief ist außerdem etwa an der Modernisierung des Moskauer Flughafens Sheremetyevo beteiligt. Der deutsche Baukonzern baute zahlreiche Großflughäfen, etwa in Athen oder Warschau. Hochtief betreibt außerdem zahlreiche Airports, etwa in Düsseldorf, Hamburg, Sydney oder Budapest.

Deripaska hatte schon zu Monatsbeginn drei Prozent an Hochtief gekauft. Nun steigt er bei Hochtief zum zweitgrößten Aktionär hinter dem spanischen Baukonzern ACS auf, der rund ein Viertel der Anteile hält. Sechs Prozent der Anteile hat Hochtief selbst inne, der Rest ist in Streubesitz.

Der in einfachen Verhältnissen in Südrussland aufgewachsene Deripaska ist Eigentümer des russischen Aluminiumkonzerns Rusal, den er Ende März mit dem russischen Konkurrenten Sual und der Schweizer Gruppe Glencore zum größten Aluminiumkonzern der Welt verschmolz. Deripaska war in den "wilden" 90er Jahren der russischen Wirtschaft zu einem der mächtigen so genannten Oligarchen geworden. Dabei brachte er in einem Konkurrenzkampf, der mehrere Todesopfer forderte, die sibirische Aluminiumbranche unter seine Kontrolle.

Imperium

Mit seiner Holding Basic Element ist er inzwischen auch in den Automobilsektor, die Papierindustrie, die Versicherungsbranche und ins Flughafen-Management eingestiegen. Für Deripaskas Imperium sind inzwischen rund 240.000 Mitarbeiter tätig.

Die großen russischen Konzerne, die oft von mächtigen Chefs wie Deripaska geführt werden, haben in den vergangenen Jahren wegen hoher Weltmarktpreise für Öl, Gas und Metalle riesige Vermögen angehäuft. Diese versuchen sie derzeit, in westlichen Firmen anzulegen. So will der Mischkonzern Sistema etwa bei der Deutschen Telekom einsteigen. Immer wieder beklagen russische Firmen, dass ihnen politische Hindernisse in den Weg gelegt werden. (APA)

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Hochtief
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    foto: stabdard/matthias cremer
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