Harter Markt dämpft Tchibo

11. Juni 2007, 10:47
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Tchibo musste 2006 Umsatz- und Gewinn­einbußen schlucken. Österreich-Chef Mayer im STANDARD- Gespräch über neue Konkurrenten und die Zigarette zum Kaffee

STANDARD: Tchibo musste 2006 den ersten Gewinn- und Umsatzeinbruch seit fast zehn Jahren schlucken. Wie stark setzen dem Konzern die Diskonter zu?

Harald J. Mayer: Wir hatten über Jahrzehnte eine starke Alleinstellung. Jetzt werden wir kopiert und müssen uns dem härteren Wettbewerb stellen. In Österreich ist der Absatz beim Röstkaffee zufrieden stellend. Aber wir müssen enger kalkulieren. Im Non-Food-Geschäft gibt es bei uns immer wieder Produkte, die auch bei anderen Händlern zu finden sind. Und noch nie gab es in Österreich so viele Orte, an denen man eine Tasse Kaffee trinken konnte.

STANDARD: Beginnt Ihr Konzept die Kunden zu langweilen?

Mayer: Überhaupt nicht, das weise ich entschieden zurück. Zu uns geht ja keiner, der vorsätzlich eine Bratpfanne kaufen will. Kunden schauen, was es Neues gibt. Wir werden uns künftig noch deutlicher von anderen abgrenzen, unsere Alleinstellung herausarbeiten.

STANDARD: Das Betriebsergebnis von Tchibo sank um 62, der Umsatz um zwei Prozent. Wie ist die Österreich-Bilanz 2006?

Mayer: Unsere Mutter in Hamburg ist mit unseren Erträgen sehr zufrieden. Der Umsatz ist stabil geblieben und nicht gewachsen. Wir haben neue Sortimente im Non-Food getestet, beim Kaffeepreis nicht jeden Sprung nach oben, aber auch nicht jede Preisaktion mitgemacht. Das Jahr 2007 läuft gut.

STANDARD: Tchibo/Eduscho erzielt mehr als die Hälfe des Geschäfts mit Non-Food. Ist Rückbesinnung zum Kaffee nötig?

Mayer: Dieser Eindruck kann in anderen Gesellschaften entstehen. In Österreich ist das sicherlich nicht nötig. Kaffee ist hier das emotionale Herz.

STANDARD: Sie mischen am Reise- und Handymarkt mit. Was kommt als Nächstes – Autos?

Mayer: Ich werde Wettbewerbern keine Möglichkeit geben, hier was übers Geschäft zu lernen. Aber Tchibo war der Erste, der in Deutschland mit Reisen begonnen hat, heute bietet das jeder. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit. Was Autos betrifft: Wir haben das im Ausland getestet, schließen es für Österreich nicht aus. Es gibt aber Dinge, von denen wir uns mehr versprechen.

STANDARD: In Österreich werden seit vier Jahren Eduscho-Filialen zu Tchibo-Shops umgebaut. Kommen Sie voran?

Mayer: Bisher sind 100 der 167 Filialen umgebaut. Wir investieren hier jährlich fünf, sechs Mio. Euro, haben es damit jedoch nicht eilig. Eduscho wird in Österreich von uns immer gehegt und gepflegt werden.

STANDARD: Bleibt der Personalstand bei 1500 Leuten stabil?

Mayer: Er bleibt stabil. Bei den Filialen gibt es ein paar weiße Flecken, einige kleinere werden da und dort durch größere ersetzt. Rund 170 Standorte sind eine gute Abdeckung.

STANDARD: Wie halten Sie es mit der längeren Ladenöffnung?

Mayer: Ich halte nichts davon, bis 22 Uhr offen zu halten, nur weil sich Einkaufscenter profilieren wollen. Wir prüfen jeden Standort, der Kunde muss das Angebot annehmen.

STANDARD: Die Zigarette zum Kaffee – werden Sie vielen Kunden diesen Genuss in Ihren Filialen bald untersagen?

Mayer: Tests über eine strikte Trennung von Rauchern und Nichtrauchern oder Rauchbereichen vor der Filiale laufen. Es gibt immer mehr Nichtraucher. Wir wollen die Filialen sukzessiv rauchfrei machen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.5.2007)

Zur Person
Harald J. Mayer (53) studierte an der Wiener WU. Er ist seit 1993 Chef von Tchibo Austria und seit 1997 Chef von Tchibo/Eduscho in Österreich.
  • Harald J. Mayer: "Zu uns geht ja keiner, der vorsätzlich eine Bratpfanne kaufen will."
    foto: standard

    Harald J. Mayer: "Zu uns geht ja keiner, der vorsätzlich eine Bratpfanne kaufen will."

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