Bahnfahren im Namen der rechten Gesinnung

21. Mai 2007, 14:43
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Streit um ÖBB-Zug namens "Leopold Stocker Verlag": Der Grazer Verlag publiziert rechtsextremes Gedankengut

Graz/Wien - Wer frühmorgens mit dem Zug von Graz nach Wien fährt, muss damit rechnen, im "Eurocity 656 Leopold Stocker Verlag" begrüßt zu werden. Denn der von Wolfgang Dvorak-Stocker geleitete Grazer Verlag hat sich die Verbindung als Werbefläche gemietet. Dass der Verleger rechtsextremes Gedankengut publiziert, wurde erst 2006 durch das Landesgericht für Zivilrechtssachen und das Oberlandesgericht Steiermark bestätigt: So gilt Kritik an Autoren und Veröffentlichungen dieses Verlags, sie seien "rassistisch", "antisemitisch" und rechtsextrem", als "zulässiges Urteil".

Doch die ÖBB übersahen diese Seite ihres Kunden, wie Harald Guzdek, Chef des Verkehrsverlags "Medienkonsulting", der für die ÖBB Züge an Firmen oder Organisationen "verkauft", dem Standard erklärt. Der Verlag ist auch bekannt für Fachliteratur im Bereich Landwirtschaft und Imkerei. Was Stocker sonst - etwa im Ares-Verlag - herausgibt, ließe sich "nach Erstüberprüfung nicht feststellen". Auch Ehrungen des Verlagshauses durch die Steiermark und die Republik hätten Guzdek "beruhigt".

Kunde besteht auf Vertrag

"Als ich dann gehört hab, was das für ein Verlag ist, hab ich mich geärgert. Wir wollten das sofort auflösen, aber der Kunde besteht auf den Vertrag." Und so fährt der Zug, für den der Verlag laut Guzdek 9250 Euro pro Jahr zahlt, noch bis Dezember 2007 weiter, eine Verlängerung schließen die ÖBB allerdings aus. Für die Menschenrechtssprecherin der steirischen Grünen, Edith Zitz, ist es "ein Zeichen höchster Unsensibilität der ÖBB" von besagtem Verlag "Geld zu nehmen". Zitz initiierte auch eine diesbezügliche Anfrage an das Infrastrukturministerium.

Die Homosexuelle Initiative "Hosi" bemühte sich 2004 vergeblich um einen ÖBB-Zug, was Guzdek heute mit der "geringen Verfügbarkeit von Zügen" erklärt. Doch es gebe auch von den ÖBB vorgegebene Richtlinien, setzt er nach: "Politisches und Sexualität dürfen nicht vorkommen". (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 16.05.2007)

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