Verkauf im Landeanflug

23. Juli 2007, 13:52
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Drei Konsortien bemühen sich um die Staatsan­teile an der angeschla­genen italienischen Fluglinie. Die besten Chancen werden dem Konkurrenten Air One eingeräumt

Mailand - Drei Konsortien bemühen sich um die Staatsanteile an der angeschlagenen italienischen Fluglinie Alitalia. Die besten Chancen auf den Zuschlag werden dem Konkurrenten Air One eingeräumt, der Banca Intesa Sanpaolo an Bord hat.

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Das Bieterverfahren für Alitalia nähert sich der Endrunde. Die Privatisierung der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft soll laut Angaben des Finanzministeriums in Rom im Juni abgeschlossen sein. Die eingereichten Angebote der drei Bieterkonsortien zielen mindestens auf die Übernahme von 39,9 Prozent der Airline sowie all ihrer Wandelschuldverschreibungen ab.

Damit ist klar: Jenes Konsortium, das dem Staat ein Paket abkauft, muss auf jeden Fall allen Aktionären ein Übernahmeangebot für 100 Prozent der Gesellschaft unterbreiten. Im Rennen sind noch drei Konsortien, die – noch unverbindlichen – Angebote sollen sich zwischen 670 und 700 Millionen Euro bewegen. Ein Konsortium wird von der Holding AP des Geschäftsmannes Carlo Toto angeführt, der mit dem Lufthansa-Partner Air One bereits der größte inländische Konkurrent der Alitalia ist. Air One wird von der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo unterstützt. Möglicherweise könnte dieses Angebot von weiteren Banken und Finanzinstituten unterstützt werden.

In Mailänder Finanzkreisen werden diesem Konsortium die größten Chancen eingeräumt. Air One hat erst kürzlich die Flotte um 50 Flugzeuge des Typs Airbus A320 aufgestockt. "Bis 2012 werden wir die modernste Flotte in Europa besitzen", wirbt Air-One-Präsident Toto für die angepeilte Expansion in Europa, bei der man Alitalia an Bord haben will. Das zweite Bieterkonsortium besteht aus der russischen Aeroflot und einer Tochtergesellschaft der BA-CA-Mutter UniCredit. UniCredit-Aeroflot buhlen um Gunst und Mitbeteiligung der Air France.

Die dritte Bietergruppe bilden die Private-Equity-Firmen Texas Pacific Group und Matlin Patterson zusammen mit Italiens größtem Investmenthaus Mediobanca. Angeblich haben die Fondsgesellschaften bereits einen möglichen Rückzug angekündigt, da sie auch ein Auge auf die spanische Fluggesellschaft Iberia geworfen haben.

Am Dienstag gibt Alitalia die vorläufigen Quartalszahlen bekannt. Laut Analysten soll sich der Verlust zwischen "40 und 115 Millionen Euro" bewegen. 2006 verbuchte Alitalia einen Verlust von 405 Millionen Euro – obwohl die Konzernleitung zu Jahresbeginn noch von einem Rückflug in die schwarzen Zahlen ausgegangen war. Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich Ende Februar auf 1,1 Milliarden Euro. Am 23. Mai soll das definitive Jahresergebnis 2006 bekannt gegeben werden. Die Flugbegleiter haben unterdessen einen neuen Streik für Ende Mai angekündigt. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.05.2007)

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    Die Vorbereitungen für den Verkauf laufen auf Hochtouren. In wenigen Wochen soll feststehen, wer Alitalia sanieren wird – und wessen Name die Heckflosse zieren wird.

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