Deripaska baut sein Imperium weiter aus

22. Juni 2007, 12:22
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Nach seinen Einstiegen bei Strabag und Hochtief greift der russische Multimilliardär nach dem russischen Baukonzern Transstroy

Moskau - Kaum hat Oleg Deripaska mit seinen Einstiegen bei Strabag und Magna International Schlagzeilen gemacht, streckt der für seinen aggressiven Expansionsdrang gefürchtete Enddreißiger wieder seine Fühler aus. Objekt der Begierde ist eine der größten und lukrativsten russischen Firmen im Allgemeinen, und im Besonderen der Baubranche: Transstroj, von Forbes auf Platz 28 der größten russischen Privatbetriebe gereiht.

Deripaska wolle sich mit 50 Prozent am Unternehmen Transstroj beteiligen, berichtet die Wirtschaftszeitung Vedomosti. Dass Gespräche geführt werden, wird von Deripaskas Konzern Basic Element ("Basel") bestätigt. Kolportierte Kaufsumme: 400 Millionen Dollar (295,4 Mio. Euro).

Transstroj wurde 1991 auf Grundlage des russischen Transportbauministeriums gegründet und später privatisiert. Spezialisiert ist das Unternehmen, das 20 Firmen vereinigt und noch immer mehrheitlich vom früheren Minister Wladimir Breschnew gehalten wird, auf den Bau von Autobahn- und Eisenbahnstrecken, Flughäfen sowie Häfen aller Art. Darin verfügt der Konzern über konkurrenzloses Know-how. Außerdem ist er seit Langem Partner der Moskauer Stadtverwaltung, von der er auch den Auftrag zum Bau der Moskauer Ringautobahn erhalten hat.

Bei 750 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftete Transstroj 2005 einen Reingewinn von 35 Mio. Euro. "Basel" selbst, dessen Engagement im Bausektor erst vor zwei Jahren begann und somit weit hinter dem Aluminiumgeschäft und anderen Sektoren zurückliegt, verfolgt große Pläne im Flughafenbau. In Südrussland sollen milliardenschwere Investitionen getätigt werden, unter anderem in der Schwarzmeerregion Sotschi, die sich für die Olympischen Winterspiele 2014 bewirbt. Der Strabag-Deal Deripaskas wird von Marktbeobachtern auch damit erklärt, dass „Basel“ mit ihren bisherigen Baustrukturen den geplanten Projekten allein nicht gewachsen wäre.

Da Transstroj beim Bau der Transportinfrastruktur de facto Monopolist ist, bedeutet Deripaskas Einstieg den Zugang zu interessanten staatlichen Aktiva. Diese würde es dem Konzern erlauben, "die allervordersten Projekte zur Entwicklung der Infrastruktur in Russland zu realisieren", sagte Basel-Vizesprecher Konstantin Panin. Dazu gehören auch privat-öffentlich-finanzierte Projekte. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.05.2007)

  • Kaum ein Tag, an dem Oleg Deripaska sein Imperium nicht weiter ausbaut.
    foto: standard/matthias cremer

    Kaum ein Tag, an dem Oleg Deripaska sein Imperium nicht weiter ausbaut.

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