Klaus Unterberger: "Wir suchen den großen Bruder der Quote"

3. August 2007, 09:47
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ORF-Redakteur Klaus Unterberger stand hinter SOS ORF - Nun leitet er eine Arbeitsgruppe, die den öffentlich-rechtlichen Wert messen soll

STANDARD: Ihre neue Aufgabe klingt etwas nach Feigenblatt.

Unterberger: Niemand, der eine solche Abteilung leitet, kann die Funktion eines Schönredners haben. Sich hinzustellen und zu sagen, wir sind öffentlich-rechtlich, das geht nicht mehr. Wir werden eine anwaltliche Stelle für öffentlich-rechtliches Programm sein, die Kernkompetenz des ORF nach vorne bringen. Gegenüber der EU, dem Markt und vor allem dem Publikum.

STANDARD: Die EU hat ARD und ZDF aufgetragen, ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag zu präzisieren. Der ORF dürften als Nächster drankommen.

Unterberger: In Deutschland geht es vor allem um eine klare Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrags für neue Medien und Mediendienste. Das ist eine Existenzfrage für öffentlich-rechtliche Inhalte: Wird es sie in Zukunft geben und wie? Das ist mit entscheidend für die politische Kultur.

STANDARD: Wie gehen Sie den Job an?

Unterberger: Inhaltlich suchen wir quasi den großen Bruder der Quote. Bis jetzt wurde der öffentlich-rechtliche Mehrwert nur behauptet. Programmqualität braucht einen guten Anwalt - der beste sind nachprüfbare Argumente: demokratischer, kultureller, sozialer Wert.

Wir suchen nun Kontakt mit der Wissenschaft. Und wenn der ORF wissen will, was sein Publikum will, muss er auch hinausgehen und es fragen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 9.5.2007)

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    foto: standard/hendrich
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