Klimakollaps: Es bleiben acht Jahre

5. Mai 2007, 08:27
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Eine Klimakatastrophe ist noch zu vermeiden, sagen die UNO-Experten: Bis 2015 ist noch Zeit - Kurzfassung des UN-Berichts als Download

Die gute Nachricht: Die Menschheit kann die weltweit drohende Klimakatastrophe noch abwenden. Die schlechte Nachricht: Die Zeit dafür wird immer knapper.

Das sind die Kernaussagen des dritten Teils eines Berichts des UN-Klimarats "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) über die Erderwärmung. Am Freitag stellte die UNO das Dokument mit dem Titel "Abschwächung des Klimawandels" in Bangkok vor.

"Wir können das Klima schützen, und wir können das tun mit vorhandener Technologie und mit Kosten, die fast zu vernachlässigen sind", sagte Hans Verolme, der Klimaexperte vom World Wide Fund For Nature (WWF). Der Vorsitzende des IPCC, Rajendra Pachauri, appellierte an alle Menschen, sich aktiv für den Klimaschutz zu engagieren.

"Mehr Ehrgeiz!"

Der Flensburger Klimaforscher Olav Hohmeyer warnte jedoch: "Wir haben nicht mehr viel Zeit zum Handeln, die Reduktionsziele für den Treibhausgas-Ausstoß müssen ehrgeiziger sein."

Konkret mahnt der Klimarat ein, weltweit die gefährlichen CO2-Emissionen spätestens ab 2015 abzudrosseln. Bis zum Jahr 2050 müsste die Menschheit es schaffen, zwischen 50 und 85 Prozent weniger CO2 in die Luft zu blasen als im Jahr 2000. So ließe sich die durchschnittliche globale Erwärmung auf den beherrschbaren Bereich von zwei bis 2,4 Grad Celsius begrenzen.

Die Kosten dafür beziffern die Wissenschafter auf weniger als 0,12 Prozentpunkte des jährlichen Wirtschaftswachstums. Die konsequente Einführung umweltfreundlicher Technik könnte unter Umständen das globale Wirtschaftswachstum sogar beschleunigen.

Disput um Atomstrom

An dem Bericht arbeiteten hunderte Wissenschafter aus allen Teilen der Welt. Regierungen konnten auf den Inhalt Einfluss nehmen: So drängte die chinesische Delegation darauf, die Empfehlungen zu streichen, die ihre wirtschaftliche Expansion abschwächen könnten. Deutsche sollen versucht haben, einen Verweis auf die Kernkraft in dem Report zu tilgen. Doch das UNO-Dokument listet die Atomenergie als eine mögliche Alternative zur Bekämpfung der Erderwärmung auf.

Der Bericht baut auf zwei IPCC-Reports auf. Sie warnen vor einer Klimakatastrophe: Hitzeperioden, Dürren, Hungersnöte, Wirbelstürme und ansteigende Meeresspiegel könnten das Leben der Menschen in Zukunft zum Albtraum werden lassen. Der Auslöser dieser Kettenreaktionen sei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Mensch selbst. Er verursache durch den Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase die Erderwärmung.

Der jetzt publizierte Report bestätigt: In dem relativ kurzen Zeitraum von 1970 bis 2004 stieg die Emission der Treibhausgase um 70 Prozent an. Reagieren die weltweit dafür Verantwortlichen nicht rasch, würden in Zukunft sogar noch mehr Treibhausgase freigesetzt.

Was soll die Menschheit tun, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch zu abzuwenden? Der Klimarat präsentierte einen umfangreichen Katalog von Forderungen (siehe Grafik): Vor allem müsse Kohle durch Gas ersetzt werden. Als weitere Alternativen listen die Fachleute auf: Wasserkraft, Atomkraft, Windenergie, Solarenergie und Biokraftstoffe. Ebenso müssten mehr Energie sparende Fahrzeuge zum Einsatz kommen; zum Beispiel Hybridfahrzeuge oder Fahrzeuge mit sauberen Dieselmotoren.

"Jeder kann helfen"

Beim Bau neuer Häuser soll das Energiesparen im Vordergrund stehen; beginnend mit einer besseren Nutzung des Tageslichts und endend mit der Isolierung von Wänden und Dächern. Auch die Industrie, die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft müssten gemäß den IPCC-Forderungen mit verbesserter Technik zum Schutz des Klimas beitragen.

Letztlich, so heben die Experten hervor, könne tatsächlich jeder Mensch helfen - zum Beispiel durch Radfahren und durch energiebewusstes Konsumieren.

Achim Steiner, der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, fasste die Aussagen der Fachleute so zusammen: "Der dritte Teil des Berichts setzt sich mit der Machbarkeit von Lösungsansätzen auseinander - das ist Grund für Mut und Optimismus." (Jan Dirk Herbermann/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 5. 2007)

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  • Zusammenfassung des UN-Klimareports "Mitigation of Climate Change"

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