Qualitative Pflege statt teurer Medikamente

15. Oktober 2007, 13:49
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2006 entließ die Fachhochschule Technikum Kärnten die ersten Absolventen des Studiums "Gesundheits- und Pflegemanagement", darunter den 41-jährigen Franz Bergmann

"Nach meiner Skilehrerausbildung wollte ich etwas mit Menschen machen, bin umgestiegen und habe fast 20 Jahre lang alte Menschen zu Hause gepflegt", erzählt Franz Bergmann über seinen beruflichen Werdegang. Ursprünglich ist der Kärntner gelernter Wasserleitungsinstallateur.

Vor vier Jahren hat sich der zweifache Vater und Altenfachbetreuer zum FH-Studium "Gesundheits- und Pflegemanagement" am Standort Feldkirchen entschlossen. "Ich habe gemerkt, dass ich viel mehr für Menschen machen könnte, wenn ich selbst entscheiden kann", begründet Bergmann, der seine Ideen im Pflegemanagement einbringen wollte, seine Wahl.

In seiner Klasse studierten etwa 20 Maturanten und 20 Berufserfahrene. "Eine ausgewogene Mischung", stellt Bergmann fest. Nicht so das Geschlechterverhältnis. "Wir waren sieben Männer. Leider ein typisch geringer Anteil, wie es im Pflegebereich üblich ist", bedauert der Kärntner.

Bergmann lobt den fachhochschultypisch praxisnahen Ausbildungsweg und die individuelle Betreuung. Ein Nachteil war lediglich, "dass wir die ersten Abgänger waren und noch nicht jeder weiß, was er mit uns Gesundheits- und Pflegemanagern anfangen soll", erläutert er weiter.

Inzwischen setzt Bergmann die erworbenen Fähigkeiten im eigens mit Berufskollegin Sigrid Kronhofer gegründeten Kompetenz- und Begegnungszentrum für Betreuungs- und Pflegekräfte um. Der Name Inca & Kompetenz leitet sich von "individual care" ab.

"Das bedeutet die individuelle Pflege von mir selbst", erklärt Bergmann die Philosophie. "Denn erst wenn ich wahrnehme, dass ich selbst ureigene Bedürfnisse habe, kann ich die Bedürfnisse, die ein anderer hat, verstehen."

Viele Angehörige beispielsweise werden krank, wenn die Pflegesituation vorbei ist, weiß Bergmann. Der Grund sei, dass sie ihre Bedürfnisse während der Pflegezeit hinter die des Betreuten stellten.

Höhere Qualität im Pflegebereich ist laut dem Pflegeexperten nicht notwendigerweise mit mehr finanziellem Aufwand verbunden: "Wenn ich mich mehr mit dem Menschen beschäftige, dann brauche ich möglicherweise weniger Medikamente." Hier konstatiert Bergmann einen Rückfluss, der sich erst langfristig bemerkbar macht.

"Was uns wirklich fehlt, sind gut ausgebildete Führungskräfte", unterstreicht er den Unterschied zwischen Pflege- und Führungskompetenzen. "Nicht jeder, der ein Spitzenpfleger ist, ist auch eine Top-Führungskraft."

Für sein Unternehmen (inca & kompetenz) wünscht sich Bergmann, der in seiner Freizeit gern Sport treibt und Schach spielt, dass in zehn Jahren irgendwo in Kärnten ein Zentrum steht, wo Menschen hinkommen können, um sich selbst zu pflegen. "Sie sollen eventuell auch einen Angehörigen mitbringen, der versorgt wird, so dass sie möglicherweise einen letzten gemeinsamen Urlaub verbringen können", erklärt Bergmann seine Vision. (Josef C. Ladenhauf/DER STANDARD Printausgabe, 28./29. April 2007)

  • FH-Absolvent Franz Bergmann empfiehlt Selbstpflege.
    foto: privat

    FH-Absolvent Franz Bergmann empfiehlt Selbstpflege.

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