Siemens-Chef Klaus Kleinfeld tritt ab

26. April 2007, 08:50
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"In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit für seine Führung" - Möglicher Nachfolger: Linde-Chef Wolfgang Reitzle

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld stehe nicht für eine Verlängerung seines Vertrags zur Verfügung, teilte die Siemens AG am Mittwoch im Zuge einer Aufsichtsratssitzung mit. Sein Vertrag läuft am 30. September 2007 aus.

Diskussionen über Vertragsverlängerung

Kleinfeld hat seinen Rückzug aus dem Konzern mit den Diskussionen über seine Vertragsverlängerung begründet. "In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit für seine Führung. Daher habe ich mich entschlossen, für die Verlängerung meines Vertrages nicht mehr zur Verfügung zu stehen", erklärte Kleinfeld. Der Manager, ein Ziehsohn von Heinrich von Pierer, stand seit Jänner 2005 an der Spitze des deutschen Paradekonzerns.

Nachfolger

Als möglicher Nachfolge-Kandidat gilt jetzt unter anderem Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der aber laut Linde nicht zur Verfügung steht. Trotz des Dementis gingen die Spekulationen um Reitzle aber auch am Mittwoch weiter. Dem früheren DaimlerChrysler-Manager Wolfgang Bernhard, der von der "Süddeutschen Zeitung" ins Gespräch gebracht worden war, gaben Branchenkreise dagegen keine Chance. Es gilt als sicher, dass die IG Metall eine Berufung Bernhards nicht mittragen würde.

Gestärkt

Kleinfeld war eigentlich ursprünglich gestärkt in die heutige Aufsichtsratssitzung gegangen. Erst am Dienstagabend hatte er gute Geschäftszahlen vorgelegt. Der Gewinn stieg stärker als von Analysten erwartet um 36 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zu. Damit hat die Schmiergeldaffäre weiterhin kaum Auswirkungen auf das operative Geschäft. Die Börse wertete die Zahlen positiv. Der Siemens-Aktienkurs stieg am Morgen um knapp zwei Prozent auf 90,80 Euro, bröckelte im Lauf des Tages angesichts der unsicheren Lage aber wieder etwas ab.

Hintergrund

Angesichts der Führungskrise rückten weitere wichtige Themen bei Siemens in den Hintergrund. So wollte der Aufsichtsrat auch die Weichen für die weitere Zukunft des Autozulieferers VDO stellen. Siemens hat bisher einen Börsengang der Tochter angekündigt. Arbeitnehmervertreter befürchten aber auch einen Komplettverkauf. "Sollte Siemens trotz aller Bedenken an einem Börsengang oder womöglich sogar dem Verkauf festhalten, stehen auch aus Sicht der Betriebsräte der Standorterhalt, die Arbeitsplatzabsicherung und der Fortbestand der Tarifbindung absolut im Vordergrund", forderte der VDO-Betriebsratsvorsitzende Hans Fischl in Regensburg. Auch an anderen VDO-Standorten herrscht Unsicherheit. So protestierten im hessischen Karben mehr als 700 VDO-Beschäftigte gegen eine drohende Werksschließung.(APA/dpa)

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