Jelzin auf Moskauer Prominentenfriedhof beigesetzt - mit Video

27. April 2007, 16:39
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Nach Trauerzug im Zentrum Moskaus - Rund 25.000 nahmen zuvor in der Erlöser-Kathedrale Abschied - "Schicksal des Landes in Zeit radikaler Veränderungen auf sich genommen"

Moskau - Zu den Klängen der Nationalhymne hat Russland am Mittwoch Abschied von Boris Jelzin genommen, seinem ersten Präsidenten nach dem Ende der Sowjetunion. In Anwesenheit von Trauergästen aus aller Welt wurde der ehemalige Staatschef auf dem Prominentenfriedhof Nowodewitschi bestattet. Zur Trauerfeier reisten auch Bundespräsident Heinz Fischer, sein deutscher Amtskollege Horst Köhler und die früheren US-Präsidenten George Bush und Bill Clinton nach Moskau.

Die dramatische Geschichte des 20. Jahrhunderts habe sich im Leben Jelzins widergespiegelt, erklärte der russisch-orthodoxe Patriarch Alexi II. in seiner von einem Vertreter verlesenen Trauerrede. "Als starkes Individuum nahm er das Schicksal des Landes in einer schwierigen und gefährlichen Zeit radikaler Veränderungen auf sich." Auch Jelzins Vorgänger Michail Gorbatschow, der letzte Präsident der Sowjetunion, und sein Nachfolger Wladimir Putin gaben dem am Montag Verstorbenen das letzte Geleit. Witwe Naina betete am Grab für ihren Mann, bevor der Sarg zur Nationalhymne und Kanonenschüssen in die Erde gelassen wurde.

Prominentenfriedhof

Auf einer Lafette wurde der mit einer Flagge bedeckte Sarg das letzte Stück zum Friedhof gezogen, auf dem unter anderem die Komponisten Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew und der Schriftsteller Anton Tschechow bestattet sind. Die Straße war mit roten Nelken übersät. Zuvor wurde Jelzin nach der eineinhalbstündigen Trauerfeier in der Moskauer Erlöserkirche in einem schwarzen Mercedes auf seinen letzten Weg geleitet.

Seit Jelzins Aufbahrung in der Erlöserkirche am Dienstag defilierten rund 20.000 Menschen am Sarg vorbei. "Ich kam her, um Boris Nikolajewitsch meinen Respekt zu bekunden für all das, was er uns gegeben hat: Freiheit und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung", sagte eine trauernde Russin.

Putin würdigte Jelzin in einem Kreml-Empfang nach der Beerdigung als Motor der Veränderung. Jelzin habe immer an die Wiedergeburt und die Umgestaltung Russlands geglaubt, zitierte RIA-Nowosti den Präsidenten.

Kommunisten verweigerten Schweigeminute

Die kommunistische Fraktion im Parlament verweigerte unterdessen eine Schweigeminute für den im Alter von 76 Jahren gestorbenen Jelzin. "Wir werden niemals den Zerstörer des Vaterlandes ehren", sagte der kommunistische Abgeordnete Viktor Iljuchin am Mittwoch laut einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur RIA-Nowosti.

Der am 1. Februar 1931 geborene Jelzin begann seine politische Karriere in den 60er Jahren als Funktionär der KPdSU. Öffentlichkeitswirksam bezog er im August 1991 während eines Putsches gegen den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow auf einem Panzer Stellung gegen die Putschisten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion führte Jelzin dann als der erste russische Präsident radikale marktwirtschaftliche Reformen ein, die allerdings für weite Teile der Bevölkerung einen Abstieg in große Armut zur Folge hatten. Während seiner Amtszeit grassierte Korruption, das Pro-Kopf-Einkommen ging dramatisch zurück. Dennoch wurde er 1996 wiedergewählt.

Drei Jahre später dankte Jelzin überraschend ab und leitete die Machtübergabe an den bis dahin wenig bekannten damaligen Ministerpräsidenten Putin ein. Eine seiner schwersten innenpolitischen Niederlagen war der Tschetschenienkrieg, der zehntausende Menschen das Leben kostete und schließlich mit dem Rückzug der russischen Truppen endete.

Vor allem in seiner zweiten Amtszeit verschlechterte sich Jelzins Gesundheitszustand, und er wirkte oft abwesend. Bis zu Bestätigung seiner Herzkrankheit stellten ihn politische Gegner als Alkoholiker hin und verwiesen auf missglückte Besuche im Ausland. In seiner Neujahrsansprache am Silvestertag 1999 erklärte Jelzin schließlich seinen Rücktritt zu Gunsten Putins. (APA)

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