Simmeringer Bad ohne Chlorgestank

26. April 2007, 01:00
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Die guten Nebeneffekte der Energie-Effizienz: Beim Contracting-
Geschäft wird nur bezahlt, was eingespart wurde

Im Simmeringer Hallenbad riecht es nicht mehr nach Chlor. Grund ist ein neuer Filter, der den Geruchsverursacher, das verbrauchte Chlor, aus dem Wasser entfernt – auch brennende Augen sollen laut Rainer Spurny von der Bäderabteilung im Magistrat nun Vergangenheit sein.

Was den Badenden auch in einigen anderen Wiener Schwimmbädern bereits positiv aufgefallen sein dürfte, ist nur ein angenehmer Nebeneffekt eines größeren Vorhabens: Das Simmeringer Bad soll mit wesentlich weniger Energie auskommen als früher. Und zwar nicht nur aus hehren Klimaschutz-Überlegungen, sondern, weil damit ziemlich viel Geld verbunden ist: Die Stadt spart nun jährlich 58.400 Euro an Energiekosten – allein in Simmering.

Geld statt Energie

Interessant ist, dass die Stadt Wien bisher keinen Euro-Cent für die zusätzlichen Investitionen – von der neuen, computergesteuerten Wassertechnik bis hin zur Solaranlage für die Wasserheizung – ausgeben musste. Finanziert wurde das Projekt durch ein sogenanntes Contracting-Geschäft.

Dabei verspricht der Contractor – in diesem Fall ein Wiener Gebäudetechnik-Unternehmen –, in einer bestimmten Zeit einen vereinbarten Prozentsatz an Energie einzusparen. Und der Contractor wird nur dann für seine Leistung bezahlt, wenn auch wirklich so viel weniger Energie verbraucht wurde wie ausgemacht.

Volles Risiko

Konkret läuft das so ab: Alle Maßnahmen, die am Gebäude durchgeführt werden – etwa ein neuer Heizkessel oder ein besserer Dämmschutz -, werden vom Contractor vorfinanziert. Am Ende der Projektdauer bekommt der Contractor nur jenen Betrag bezahlt, der an Energiekosten eingespart wurde. Ob sich dieser Geldbetrag auch mit den tatsächlichen Aufwendungen des Contractors deckt, liegt allein in dessen Risiko: Er muss genau kalkulieren, damit das Projekt für ihn auch einen Gewinn abwirft.

Üblich seien Einspargarantien von fünfzig Prozent des jährlichen Energieverbrauchs, erklärt Gerhard Bayer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), im derStandard.at-Gespräch. Die Laufzeit betrage meist zehn Jahre, wobei erst ab Fertigstellung aller Maßnahmen mit dem Rechnen begonnen wird. Dabei werden die durchschnittlichen Energiekosten der letzten Jahre herangezogen: Ihr Mittelwert bildet die Basis, um dann jährlich zu kontrollieren, wie viele Kilowattstunden an Energie eingespart wurden.

Warmer Winter verzerrt

Was, wenn ein derart warmer Winter wie der vergangene die Zahlen verschönt? "Das ist durchaus ein Problem", gibt Bayer zu. Manche vereinbarten deshalb Klauseln, um bei abnormalen Temperaturschwankungen Korrekturen vorzunehmen. Andere gingen davon aus, dass "sich bei einer Laufzeit von zehn Jahren starke Schwankungen auch wieder ausgleichen", sagt Bayer.

Zurzeit seien Contracting-Geschäfte nur im großen Stil möglich, sagt Bayer – also eben in Schwimmbädern, Bürohäusern oder öffentlichen Gebäuden. Die ÖGUT versuche nun aber in einem Pilotprojekt, Contracting auch auf einen Pool von Einfamilienhäusern anzuwenden – das Projekt soll im Juni im Weinviertel starten.

Eine Gefahr beim Energie-Contracting besteht laut KritikerInnen darin, dass sich die Contracting-Firma die Rosinen herauspickt – also nur jene Maßnahmen am Gebäude vornimmt, deren Kosten schon nach relativ kurzer Zeit durch messbare Energieeinsparungen gedeckt sind. Aufwändigere Eingriffe, wie etwa eine neue Fassadendämmung oder neue Fenster, brauchen länger, um sich zu amortisieren – was bewirke, dass viele Contracting-Firmen "das dann einfach nicht machen, obwohl es energietechnisch sinnvoll wäre", sagt Bayer.

Mit oder ohne Baustelle

Wie umfangreich ein Contractingprojekt ist, liegt aber letztlich beim/bei der AuftraggeberIn: "Wenn der sagt, ‚eine Baustelle möchte ich da aber nicht haben', dann beschränkt sich der Contractor auf Maßnahmen, wo die Bausubstanz unangetastet bleibt", erklärt der Ökologe.

Das Simmeringer Bad hat mit den Maßnahmen nicht nur ein Drittel seines Wasserverbrauchs eingespart. Gesunken sind auch die Heizkosten, weil aufgrund der besseren Filterung mehr "altes" Wasser wieder ins Becken gelassen werden kann, das nur mehr minimal angewärmt werden muss. Und anstatt es in den Kanal zu schütten, wird selbst das hoffnungslos verschmutzte Wasser noch einmal genutzt – fürs Besprenkeln der Liegewiesen. Zuvor wird es noch einmal gefiltert und desinfiziert - und die dabei entstehende Abwärme heizt auch gleich das neu zugeleitete Frischwasser fürs Becken auf. (Maria Sterkl)

  • Weniger Energieverbrauch, mehr Luftqualität: Nicht nur im Simmeringer Bad

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