Rasen oder Beton: Parteienstreit in Linz

25. April 2007, 19:27
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ÖVP: SPÖ will das Urfahraner Jahrmarktgelände zubetonieren - Falsche Behauptung, ärgern sich die Roten

Linz - Es muss schon wirklich etwas sehr Ärgerliches vorgefallen sein, wenn die absolut regierende SPÖ und die Grünen sich in Linz zu einer gemeinsamen Presseerklärung durchringen. So jedoch am Montag geschehen. Anlass des gemeinschaftlichen Erregens: die "Watzl-ÖVP". "Empört reagieren die Linzer Stadträte Jürgen Himmelbauer und Klaus Luger auf die Vorwürfe der ÖVP, das Jahrmarktgelände zubetonieren zu wollen", heißt es in der Stellungnahme von SPÖ-Planungsstadtrat Klaus Luger und dem grünen Mobiltitätsstadtrat Jürgen Himmelbauer.

Schwarzer Protest

Am Montag veranstaltete die ÖVP-Plattform "Linz aktiv" auf dem Taubenmarkt eine Protestaktion gegen die Pläne für die Neugestaltung des Urfahraner Jahrmarktgeländes an der Donau. Was Rot und Grün deshalb erzürnt, weil ÖVP- Vizebürgermeister Erich Watzl im Finanzausschuss der Neugestaltung zugestimmt hat. "Diesem Antrag wird die ÖVP auch am Donnerstag im Gemeinderat zustimmen", kündigt er an.

"Im Zuge eines wasserpolizeilichen Auftrages wurde der Stadt Linz vorgeschrieben, die 1000 nur geschotterten Stellplätze auf dem 39.000 Quadratmeter großen, östlichen Teil des Geländes zu betonieren. Was mit dem deutlich kleineren Westteil (6500 Quadratmeter) passieren soll, darüber beraten alle Fraktionen am 30. April.

Keine Parkplätze

Watzl meint, dass hier das nächste Linzer Streitthema ansteht. Denn jener Westteil soll nach ÖVP-Meinung "als Erholungsgebiet und weit gehend autofrei gestaltet werden". Die SPÖ wolle alles zubetonieren und scheine sich nicht mehr an ein Übereinkommen mit SPÖ-Bürgermeister Franz Dobusch aus dem Jahr 2002 zu erinnern, in dem dies festgehalten wurde. Quasi als Präventivmaßnahme ging "Linz aktiv" auf die Straße, da nur die ÖVP "für das Areal an der Donau noch das Ruder herumreißen kann".

Luger wertet die Aktion als Indiz, dass sich "die ÖVP von einer sachorientierten Politik" verabschiedet habe. Für den Westteil gebe es noch keinen Plan, ein Auftrag werde ebenfalls im Gemeinderat gestellt.

Dennoch, die Volkspartei rechtfertigt ihren Aufschrei damit, die Stimme des Volkes zu vertreten (die Bewohner von Urfahr wollen das Jahrmarktgelände als eine "Freizeitfläche) - ebenso wie beim politischen Streitthema Pöstltingbergbahn, wo die ÖVP für sich in Anspruch nimmt "den Anschlag auf das Ambiente der Bergbahn abgewendet zu haben". Im Zuge der anstehenden Restaurierung der Pöstlingbergbahn hielt Watzl der SPÖ vor, die Nostalgiebahn durch moderne Garnituren ersetzen und damit ein Wahrzeichen zerstören zu wollen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 25.4.2007)

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    foto: standard/hendrich
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