Experten am Tresen

22. Juni 2007, 14:36
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Harrison Ford als Archäologe oder Uschi Glas als Medizinerin sind nichts gegen Olli Dittrich als Arbeitsloser am Tresen seiner Kneipe ...

Nach vielen Tagen der Reform und ebenso vielen Einträgen in dieses Tagebuch ist die Rückkehr zum Fernsehalltag schwierig, aber notwendig. Auf die Mühen der Berge folgen bekanntlich jene der Ebene, und um diese zu überwinden bedarf es fachmännischer Hilfe. Nun ist der Beruf des Experten tasächlich ein solcher, der nirgendwo so gut funktioniert wie im Fernsehen.

Hier ist jeder Meister seines Fachs, so ist das eben mit der Realität im Dienste der Fiktion. Doch zum Glück gibt es einen, der seine Expertisen Woche für Woche als Dienst an der Laufkundschaft betrachtet - wenn er denn eine hätte. Denn Harrison Ford als Archäologe oder Uschi Glas als Veterinärmedizinerin sind nichts gegen Olli Dittrich als Arbeitsloser am Tresen seiner Hamburger Imbisskneipe.

Mit gestreiftem Bademantel ("Geb' ich nicht in der Reinigung ab, weil die gibt ja auch nichts bei mir ab"), Jogginghose, Badelatschen und Dittschberger Pilsener serviert uns "Dittsche" (NDR) dem Untertitel seiner Improvisationscomedy entsprechend tatsächlich nichts anderes als das wahre Leben.

Zum Beispiel: Knut ist das Stichwort. Wie viele Teller Buchstabensuppe muss man essen, um den Namen des knuddeligen Eisbären beisammen zu haben? Neue Geschäftsidee! Und während Dittsches Redefluss nur durch einen kräftigen Schluck unterbrochen wird, sind wir Zuschauer jene stummen Gäste, die nur dasitzen und erst am Ende regelmäßig ihren einzigen Satz sagen dürfen: "Halt die Klappe, ich hab Feierabend." (pek/DER STANDARD; Printausgabe, 25.4.2007)

  • Artikelbild
    foto: ndr/universal pictures germany
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