Was die "Local Artists" bieten

3. April 2008, 10:55
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Elf Programme mit hoher qualitativer Dichte und auch Weltläufigkeit - Als Festival-Gast: das Transilvania International

Eine besondere qualitative Dichte zeichnet die Programmschiene Local Artists diesmal aus: Insgesamt elf Programme umfasst die Auswahl aktueller Arbeiten von Film- und Videoschaffenden aus bzw. in Oberösterreich.

Dass lokale Verankerung und Internationalität auch in Linz längst kein Widerspruch mehr sind, stellen sowohl die persönlichen Backgrounds vieler präsentierter KünstlerInnen als auch ihre Themenfindung unter Beweis: Uwe-Daniel Kopp ("Solipsistisches Höhlengleichnis frei nach Luhmann") wurde in Teheran geboren, Haruko Maeda ("Home My Sweet Home"), wuchs in ihrem Geburtsort Tokio auf, während der in Ternberg arbeitende Youngster Juan Carlos Recalde ("The MovieMovie") ursprünglich aus dem argentinischen Cordoba stammt und die Gestalterin des Festivaltrailers 2007 mit dem Titel "Intercut", Karo Szmit, eine gebürtige Warschauerin ist.

Auch die Themen- und Sujetfindung geht über Oberösterreich hinaus. Für eine spannende Parallelaktion sorgen Theresia Grösslinger und Elisabeth Öfner, die sich beide unabhängig von einander mit "Im Land der 99 Himmel" (Grösslinger) bzw. mit "Javja" in die Mongolei begeben. Dabei wählt Grösslinger einen sehr persönlichen Zugang, in dem sie von ihrem eigenen "Mongolenfleck" am Steißbein ausgeht, Öfner und ihr Team einen eher gesellschaftlich-soziologischen Zugang.

Thematisch verwandt sind auch die neuen Filme von Gabriele Mathes und dem Regieduo Michael Petri und Lukas Marxt: Sowohl der mit dem Preis für innovatives Kino der Diagonale 2006 ausgezeichnete "Eine Million Kredit ist normal, sagt mein Großvater" (Mathes) über eine Kindheit in den 1970ern als auch "Nach der Eishöhle" (Petri und Marxt) über das Verhältnis von Kindern und Mutter zum dominanten, filmenden Vater sind mitunter beklemmende Familienfilme.

"Buying Coins" ist die Dokumentation eines Kunstprojektes von Joachim Eckl, der in London mit sechs Obdachlosen in Kontakt getreten ist.

Für einen oberösterreichischen Beitrag zum Rumänien-Schwerpunkt sorgt Gerald Igor Hauzenberger mit dem bereits in Rotterdam, Saarbrücken und auf der Diagonale gelaufenen Film "Einst süße Heimat". Im Mittelpunkt der Dokumentation über die vor Generationen aus Oberösterreich nach Siebenbürgen und Transsylvanien ausgewanderten Landler stehen zwei betagte Protagonisten, die immer noch an ihrer Kultur und Sprache festhalten.

Oliver Stangl und Christian Tod setzen "Fatsy", einem Unikat und letzten Cowboy von Linz, ein filmisches Denkmal. Tankredi Volpert setzt in "Schwarzweiß" eine dem Titel entsprechend hautgefärbte Beziehungsgeschichte formal interessant mittels durchgängigem 14minütigen Rechtsschwenks der Kamera in Szene. Alenka Maly verfolgt in "Noch gibt er nicht Milch" die Begegnung des aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Akkordeonisten und Theatermusikers Andrej Serkow mit österreichischen Kommunisten.

Libertad Hackl siedelt die Handlung ihres Spielfilms "Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin" (Uraufführung) in den Shopping Malls der Excalibur City im österreichisch-tschechischen Grenzgebiet an.

Etliche der vertretenen Local Artists sind nicht zum ersten Mal in Linz präsent. So Alexander Binder, der bereits mit seinem Dokumentarfilm "F.A.Q." über die Lage der Kärntner SlowenInnen zu Gast war. In "Keine Inse"l führen Binder und Michael Gartner Gespräche mit den Entführern die politisch motivierte Palmers-Entführung anno 1977 und ihre Konsequenzen.

Thomas Draschan ist gleich mit zwei Arbeiten vertreten: "Keynote" ist das Resultat der unter dem Label "Fordbrothers" firmierenden Zusammenarbeit mit Sebastian Brameshuber; mit Hannes Gellner hat Draschan den bedrückenden Dokumentarfilm "La mémoire des enfants" (Uraufführung: Jüdische Filmwoche 2006) über die von den Nazis betriebene Verschleppung von Kindern im okkupierten Frankreich geschaffen.

Zwei als Preisträgerund ehemalige Jurymitglieder eng mit dem Festival verbundene experimentell arbeitende FilmkünstlerInnen stehen mit Michaela Schwentner und Siegfried A. Fruhauf auf der Gästeliste. Schwentner zeigt ihre neuen Arbeiten "la petite illusion" und "swinging", Fruhauf den nach "Sun" und "Graas" bereits dritten Attwenger-Clip "Bled", den Markus Kaiser-Mühlecker auch in "Attwenger Adventure" zitiert.

Eine Local Artist-Konstante ist Thomas Steiner, der seit 2004 jedes Jahr zum Festivalprogramm beigetragen hat. 2007 läuft Steiners neue Arbeit "romance". Ebenfalls kein Unbekannter im Kreis der Local Artists ist der auf Musikvideos spezialisierte Dieter Strauch, der den Track "Bist Du da?" von Mono & Nikitaman visualisiert hat; Dietmar Offenhuber ist nach 2006 ("paths of g") mit "mauerpark" auch 2007 wieder vertreten; unter dem Label stadtmusik arbeitet er dabei mit den Musikern Sam Auinger und Hannes Strobl zusammen.

Auch Clemens Kogler und Petra Zöpnek zählen zu den Künstlern mit Arbeiten in den Local Artist-Programmen von 2006 und 2007. Mit Trailer-Gestalterin Karo Szmit erarbeitete Kogler "Le Grand Content", für "Herr Bar" zeichnet er allein verantwortlich; Zöpnek präsentiert mit "Mädchen in Rot und Gold – Remix" eine Montage aus alten DEFA-Filmen.

Wie auch in den vergangenen Jahren vergibt das Festival an eine herausragende Arbeit – TV-Produktionen und Kinofilme laufen außer Konkurrenz – den von Land Oberösterreich (3.000 Euro), Claus Muhr TV.Film Produktion (1.000,- Euro) und Synchro Film- und Videobearbeitung (2.000,- Euro) gestifteten XE-Award Local Artist im Gesamtwert von 6.000,- Euro. Die Jury setzt sich zusammen aus der Vorjahrespreisträgerin Gisela Hesser ("Wir LAWOG-Frauen haben's schön", in Zusammenarbeit mit Gregor Stadlober), der O.K-Kuratorin Genoveva Rückert und Raimund Liebert, Gründer und Organisator des Kurzfilmfestivals VIS Vienna Independent Shorts.

Transilvania International Film Festival presents: Rumänien 1989/2006

In Zusammenarbeit mit dem in Cluj in Rumänien ansässigen Transilvania International Film Festival zaufen drei erfolgreiche rumänische Kinofilme, die aus verschiedenen Blickwinkeln subtil und originell vom Ende der Ceausescu-Diktatur erzählen – und von den Nachwirkungen genau dieser.

In "A fost sau n-a fost?/12:08 East of Bucharest" von Corneliu Porumboiu (Kinostart in Linz im Moviemento am 30. April) lädt der Besitzer einer kleinen lokalen Fernsehstation zwei Zeitzeugen ein, über ihre heroische Beteiligung am Umsturz zu berichten. Als sich der telefonisch geäußerte Widerspruch der ZuschauerInnen mehrt, verstricken sich die beiden Helden immer tiefer in Widersprüche.

"Cum mi-am petrecut sfarsitul lumii/The Way I Spent the End of the World" von Catalin Mitulescu beginnt mit der unabsichtlichen Zerstörung einer Ceausescu-Büste, die der jungen Eva einen Schulverweis und den Zwangsaufenthalt in einer Einrichtung für unangepasste Jugendliche einträgt, wo sie der Ablehnung der neuen MitschülerInnen lächelnd begegnet, während ihrer kleiner Bruder zuhause den Plan fasst, Ceausescu zu ermorden.

Radu Muntean siedelt "Hirtia va fi albastra/The Paper Will Be Blue" in der Nacht des Umsturzes am 22. Dezember 1989 an und zeigt aus der Perspektive von Milizionären und Soldaten, wie laufend Gerüchte die Rund machen und sich mit jeder Stunde Konfusion und Unklarheit über den aktuellen Stand der Machtverhältnisse ausbreiten.

"Balkan Champion" von Réka Kincses und "Einst süße Heimat" von Gerald Igor Hauzenberger runden den Rumänienschwerpunkt 2007 ab. (red)

  • "The Way I Spent the End of the World"  ("Cum mi-am petrecut sfarsitul lumii")
    foto: crossingeurope

    "The Way I Spent the End of the World" ("Cum mi-am petrecut sfarsitul lumii")

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