Auf der Spur eines Massensterbens

30. Juli 2000, 18:00

Der Austritt ozeanischen Methans soll zumindest eine der größten ökologischen Katastrophen der Erdgeschichte ausgelöst haben

Oxford - Riesige Mengen an Methan, die unter dem Meeresboden eingeschlossen waren, sollen in der Vergangenheit während Perioden globaler Erwärmung ausgetreten sein und einen Großteil des ozeanischen Sauerstoffs verbraucht haben. Dies ist die jüngste Hypothese von Forschern, die der Frage nachgehen, warum ein Großteil der Lebensformen vor 183 Millionen Jahren verschand. Die in der aktuellen Ausgabe von "Nature" veröffentlichten Ergebnisse beziehen sich in erster Linie auf dieses eine Massensterben, bei dem nicht weniger als 80 Prozent der Tiefsee-Lebewesen verschwanden - könnten aber auch auf einen Prozess hinweisen, der auch bei anderen prähistorischen Massensterben die Ursache bildete.

Ein interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang sind die Vorräte an Methanhydrat auf dem Meeresboden, die bereits als potenzielle Energiequelle ins Auge gefasst wurden. Methanhydrat bildet sich unter dem Meeresboden, wenn Algen sterben und zu Boden sinken. Unter normalen Bedingungen ein Gas, wird Methan in einem Eis-artigen Zustand eingeschlossen, bleibt aber empfänglich für Druck- und Temperaturschwankungen. Nun stellt sich natürlich die Frage nach der Stabilität dieses Methanhydrats, sagt Stephen Hesselbo von der Oxford University, der führende Kopf besagter Studie.

Ausbruch im Jura

Während ihrer letzten Forschungen untersuchten die Wissenschafter in Oxford fossiles Holz und fanden dabei Anzeichen für eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Kohlenstoff in der Atmosphäre der damaligen Zeit. Bleibt die Frage nach der Identifikation der Quelle dieses Kohlenstoffs, sagt Hesselbo - und fügt hinzu: "Die beste Erklärung ist in diesem Fall, dass er von Methan herrührt - Methanhydrat aus ozeanischen Sedimenten."

Die Forscher gehen davon aus, dass massive Vulkaneruptionen während des Jura (vor 210 bis 140 Millionen Jahren) eine globale Erwärmung in Gang setzten, indem sie Kohlendioxid und andere Treibhausgase in die Atmosphäre schleuderten. Auch Tiefseeströmungen waren davon betroffen. Als das Methan nun durch wärmeres Wasser aus seinem subozeanischen Gefängnis befreit wurde, strömte es aus, verband sich mit dem im Wasser enthaltenen Sauerstoff zu Kohlendioxid und beschleunigte damit die globale Erwärmung noch zusätzlich.

"Eine Reihe von wichtigen Fossilgruppen ist exakt zur gleichen Zeit verschwunden", sagt Hesselbo. "Das Aussterben und die Verbindung mit dem Sauerstoffmangel hat sich als Faktum ziemlich durchgesetzt, aber die Verknüpfung mit Methanfreisetzung ist etwas, das bisher noch nicht erkannt wurde."

Bodenorganismen waren am schwersten betroffen

Am härtesten von dieser Katastrophe wurden auf dem Meeresboden lebende muschelartige Arten getroffen: Von den unterschiedlichen Spezies der zweischaligen Muscheln (zu denen auch die Auster gehört) verschwanden damals etwa 80 Prozent. Ebenfalls stark betroffen waren Ostacoden, Belemniten und einige Arten von Meerespflanzen.

Die Forscher glauben, dass sich dieses Ereignis innerhalb von nur 5.000 Jahren abspielte - nach geologischen Maßstäben also in einem Augenblick. Die Freisetzung soll einer Menge von etwa 20 Prozent der heute am Meeresboden vorhandenen Vorräte an Gashydrat entsprechen. (red)

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