"Transparente Liebesdialoge"

27. April 2007, 14:23
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Arbeiten aus den frühen Achtzigern aus der fünf Jahre währenden Zusammenarbeit von Brigitte Kowanz und Franz Graf - Galerie Hummel

"Unsere Transparentbilder sind Liebesdialoge", erklärte Brigitte Kowanz 1986 in einem Interview über die künstlerische Zusammenarbeit mit Franz Graf. Von 1979 bis 1984 galten sie als das aufregendste Künstlerpaar eines im Aufbruch befindlichen Wiens.

Am Wunsch, neben der liebenden eine gemeinsame künstlerische Identität zu entwickeln, scheiterten sie allerdings: "Wir zogen einander die Haut von der Seele", beschrieb Kowanz einst. Rund 40 dieser beidseitig mit zum Teil fluoriszierender und phosphoriszierender Farbe bemalten Transparentfolienbilder sind neben etwa 50 Gemälden und beträchtlichen Ausstellungserfolgen das, was von der Zusammenarbeit geblieben ist. Liebesdialoge, die zwischen 1981 und 1983 nur mehr am Papier stattgefunden haben sollen und deren "Transparenz" ein Schweizer Psychiater und Sammler auch beruflich interpretieren wollte.

Sicher findet sich hier auch die Geschichte einer (Ex-)Liebe, wie etwa in Fliehende ausgelacht, einem mit der Nasenspitze schon aus dem Bild hinauslugendem, von einer höhnischen, lachenden Männerfratze verfolgten Kopf. Faszinierender sind aber - heute wieder - die Experimente mit transparenten, selbstleuchtenden Farben und das Ringen mit dem Erbe des Informel: Klare Farben leuchten, einige Elemente glimmen im Schwarzlicht, Linien und Flächen, Köpfe und Leiber überlagern sich, manchmal energisch durchkreuzend, andere Male zart durchdringend. "Sie kämpfen mit dem Gegenstand, den sie zurück ins Bild holen wollen, und verlieren ihn wieder", erklärt Galerist Julius Hummel.

Ein gutes Dutzend bisher nie ausgestellter Transparentbilder zeigt Hummel; daneben zeitlich, formell und emotional anknüpfende Solo-Arbeiten von Franz Graf. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.4.2007)

Galerie Julius Hummel
Bis 30. 6.
Bäckerstraße 14, 1010 Wien
(01) 512 12 96
  • Erinnerung an Malerei: Weiß lasierter Boden markiert den
Schatten einer Staffelei ("Zwei Polaroids", 1984).
    foto: graf kowanz

    Erinnerung an Malerei: Weiß lasierter Boden markiert den Schatten einer Staffelei ("Zwei Polaroids", 1984).

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