Glaube an das Recht, Waffen zu tragen

30. April 2007, 09:21
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Ein bleibendes amerikanisches Politikum: Entweder dafür oder dagegen - mit Grafik

US-Präsident George W. Bush und der republikanische Senator John McCain haben nach dem blutigsten Amoklauf in der Geschichte der USA mit 33 Toten das Recht amerikanischer Bürger auf den Besitz einer Waffe verteidigt. Bushs Sprecherin Dana Perino sagte: "Der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen."

McCain, der sich um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, erklärte, der Vorfall müsse genau untersucht werden, er ändere aber nicht seine Einstellung zum privaten Waffenbesitz. "Wir müssen sicherstellen, dass diese Art von Waffen nicht in die Hände böser Menschen fällt", sagte er.

Auch in diversen Internet-Blogs argumentierten viele Schreiber in Sinne von Bush und McCain: Keineswegs lasse sich aus dem Verbrechen von Blacksburg der Schluss ziehen, dass man nun auf eine Erschwerung oder gar ein Verbot des Waffenbesitzes hinarbeiten solle. Im Gegenteil: Manche Blogger argumentieren, dass der Amoklauf nur deswegen solch monströse Dimensionen habe annehmen können, weil die Opfer nicht bewaffnet waren.

"Waffen zur Selbstverteidigung"

So schreibt etwa "Margot Andersen" auf einem New York Times-Blog: "Dieser Typ von Schießerei zeigt klar auf, warum alle Gesetze, die den Waffenbesitz einschränken, außer Kraft gesetzt werden sollten. Diesem Spinner war es gleichgültig, ob seine Pistolen illegal waren oder nicht. Mörder und andere Kriminelle legen sich ständig illegale Waffen zu. Die Studenten, die Fakultät und alle anderen, die zu Schaden gekommen sind, hätten Waffen zur Selbstverteidigung gebraucht. Mehr Kontrolle würde nicht die Kriminellen stoppen, sondern nur die gesetzestreuen Bürger."

Margot Andersen steht mit ihrer Ansicht mitnichten alleine da, und sie kann sich auf den sakrosankten zweiten Verfassungszusatz aus dem Jahr 1791 zu berufen, der verfügt, dass das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beschnitten werden darf. Wie die Abtreibung zählt auch der Waffenbesitz zu jenen gesellschaftspolitischen Fragen, die den Bürgern und den Politikern eine eindeutige Entscheidung aufzuzwingen scheinen: Entweder man ist dafür, oder man ist dagegen - "pro life" oder "pro choice"; "pro gun" oder "pro control".

Abstufungen

Während die Schärfe der Entscheidungsoption bei der Abtreibung allerdings noch einleuchtet (schließlich kann man ebenso wenig ein bisschen abtreiben wie man ein bisschen schwanger sein), ließe sich bei der Erschwerung des Waffenbesitzes leicht eine flexible Abstufung von schrankenloser Zulassung bis zum völligen Verbot vorstellen - doch die NRA (siehe Wissen) hat erfolgreich darauf hingearbeitet, dass sich Politiker nach ihrem Maß messen lassen müssen: Entweder ihr seid für uns oder gegen uns. Und gegen die NRA ist man, wenn man über mögliche Beschränkungen nur einmal laut nachgedacht hat.

Bei Politikern kann es ein schweres Handicap bedeuten, wenn sie sich auf der falschen Seite der Pro- oder Contra-Entscheidung positionieren. So könnte sich zum Beispiel die "pro gun/control"-Einstellung des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters und republikanischen Präsidentschaftskandidaten für 2008, Rudy Giuliani als massiver Hemmschuh bei der republikanischen Basis erweisen, zumal Giuliani auch noch "pro choice", also für die Abtreibung ist. (APA, win, DER STANDARD print, 18.4.2007)

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