NSDAP-Mitgliedsantrag von Filbinger aufgetaucht

23. April 2007, 14:29
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Akte im Bundesarchiv gefunden - Wissenschaftler hält Nazi-Gegnerschaft für unwahrscheinlich

Köln - Im Berliner Bundesarchiv ist einem Bericht zufolge der NSDAP-Mitgliedsantrag des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger gefunden worden. Die Zweifel an Filbingers Mitgliedschaft in der Nazipartei bis zum Kriegsende seien damit ausgeräumt, sagte Bundesarchiv-Abteilungsleiter Hans-Dieter Kreikamp am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. "Das ist einer der seltenen Fälle, wo ein solcher Aufnahmeantrag unterschrieben vorliegt."

Kreikamp zufolge ist der Antrag der Ortsgruppe Unterwiehe in Baden auf den 20. Mai 1937 datiert. "Dieses Papier sagt mir zum einen, dass die Aufnahme sehr zügig erfolgt ist, also ohne weitere Komplikationen." Die Akten wiesen darauf hin, dass es weder einen Austritt aus der Partei noch einen Wiedereintritt gegeben habe.

Filbinger bewarb sich laut Bundesarchiv bei der NSDAP als Mitglied, nachdem ein vorübergehender Aufnahmestopp aufgehoben worden war. "Der Antrag ist gestellt worden unmittelbar nachdem dieser Aufnahmestopp aufgehoben worden war", sagte Kreikamp. Zu der Vermutung, Filbinger könne ein Nazi-Gegner gewesen sein, erklärte der Wissenschaftler: "Das scheint nach den vorliegenden Zeugnissen sehr unwahrscheinlich."

Der jetzige baden-württembergische Regierungschef Günther Oettinger (CDU) hatte in seiner Trauerrede gesagt, dass Filbinger ein Gegner der Nazis gewesen sei. Dafür wurde er heftig kritisiert und nahm am Montag schließlich seine Einschätzung zurück. Filbinger wirkte im Zweiten Weltkrieg als Marinerichter im besetzten Norwegen an Todesurteilen mit. Wegen seiner Vergangenheit trat er 1978 als Ministerpräsident zurück. (APA/AP)

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