Abgeschmiert, korrupt und bühnenreif

15. April 2007, 20:41
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"Das Tribunal" probt neues Stück - Richter und oberösterreichische Landespolitiker in der Besetzung

Linz - "Net so, du musst dich bewegen wie ein vertrottelter Kasperl" - Staatsanwalt Boris Theinschnack reagiert auf die klare Weisung von Wolfgang Aistleitner, seines Zeichens Senatsvorsitzender am Oberlandesgericht Linz, leicht irritiert. Rudolf Scherbantin, Bezirksrichter in Linz, erhebt Einspruch und will es genau wissen: "Wie jetzt bitte, zuerst normal und dann vertrottelt oder gleich von Beginn an vertrottelt?" Jene, die jetzt bereits um die heimische Rechtsstaatlichkeit bangen, können beruhigt sein. Justitia ist in Linz weder aus der Waage, noch ist ein neuer Umgangston in die Gerichte eingezogen.

Die Theatergruppe "Das Tribunal", bestehend aus dem Who's who der Linzer Rechtsprechung, wagt sich derzeit wieder auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Unter der Regie von OLG-Senatspräsident Aistleitner probt man dessen jüngsten Justiz-Polit-Thriller "Dieser verfluchte Montesquieu" im Linzer Phönix-Theater. Das Stück verspricht einen spannungsgeladenen Theaterabend.

Bühne für Politiker

Eine Regierungspartei lässt sich von einem Pharma-Unternehmen kräftig sponsern. Als Gegenleistung zeigt man sich vonseiten des Gesundheitsministeriums dem Unternehmen gegenüber bei der Genehmigung eines mangelhaften Rheuma-Präparates durchaus großzügig. Doch der Deal fliegt auf und alle Beteiligten vom Bundeskanzler abwärts haben die liebe Not mit der kleinen Spende - vor allem weil die Medien der Partei schon fest im Genick sitzen.

Vonseiten des Justizministers wird versucht die strafrechtliche Untersuchung auf Weisung der Partei zu unterdrücken und einen übereifrigen Untersuchungsrichter - verkörpert von Karl Makovsky, Vizepräsident am Linzer Landesgericht - im Zaum zu halten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wird klar, warum man Charles de Secondat, Baron de Montesquieu als den Begründer einer klaren Trennung der Staatsgewalten entsprechend verflucht.

Gegen Bares geständig

In einem Justiz-Polit-Thriller darf natürlich neben der Justiz die Politik nicht fehlen. Diesbezüglich bediente sich "Das Tribunal" zweier Gastschauspieler aus der Landespolitik. Als Gerichtspräsident betritt ÖVP-Landtagsabgeordneter Walter Aichinger die Bühne. Soziallandesrat Josef Ackerl (SPÖ) mimt den Sektionschef, der die Spende entgegengenommen hat und sich gegen Bares geständig zeigt. Doch mit Politikern haben es Theaterregisseure nicht immer leicht. ÖVP-Mann Aichinger erscheint mit Verspätung zur Probe, für den Part von SPÖ-Kollege Ackerl muss zunächst Autor Aistleitner einspringen. Doch während er den Text rezitiert, läutet das präsidiale Handy: "Der Joschi ist jetzt da." Hoffentlich auch bei der Premiere am 26. April im Linzer Phönix-Theater. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD print, 14.4.2007)

  • Karl "Jimmy" Makovsky nimmt einen sichtlich eingeschüchterten Josef "Joschi" Ackerl ins Kreuzverhör. Beide sitzen ab 26. April gemeinsam im Linzer Phönix auf der Bühne
    foto: habitzl

    Karl "Jimmy" Makovsky nimmt einen sichtlich eingeschüchterten Josef "Joschi" Ackerl ins Kreuzverhör. Beide sitzen ab 26. April gemeinsam im Linzer Phönix auf der Bühne

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