Flucht aus dem Achten: Publikum geht

20. April 2007, 15:25
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Gut ein Drittel der Zuschauer verließ nach STANDARD-Infos "Mitten im Achten" - Beschwerden über das neue Bildschirmformat und Streifen in den "ZiB"-Displays

Erster Befund zum Kernstück der ORF-Reform: Gut ein Drittel der Zuschauer verließ nach STANDARD-Infos "Mitten im Achten." Beim Kundendienst beschwerte sich das Publikum übers neue Bildschirmformat, Streifen in den "ZiB"-Displays und vermisste "Willkommen".

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"431.000 waren ,Mitten im Achten'", betitelte der ORF seine eher nüchterne Aussendung über die Zuschauerzahlen am ersten Tag der Programmreform. Im Text wird die Anstalt präziser mit "bis zu 431.000". Was sie verschweigt: So viele waren es nur ganz am Anfang von Folge 1 - Neugier dank Megamarketing. Dann ging es bergab.

Dem STANDARD liegen die nur zur internen Verwendung bestimmten Daten über den Reichweitenverlauf während der Sendung vor. Die Kurve im Detail: Von 431.000 Zuschauern um 19.25 Uhr (zwei Minuten nach Start) waren nach fünf Minuten nur noch knapp 350.000 übrig. Um 19.40 Uhr waren es rund 280.000 Menschen.

Der Werbeblock danach ließ die Zuschauerzahl auf 220.000 um 19.45 sinken. Zum Start von "Szene ;)" ging es danach wieder bergauf. Im Schnitt kommt das jüngere Societyformat auf 254.000 Zuschauer. Mitten im Achten hatte im Schnitt 364.000. Ziel laut ORF Enterprise: 400.000.

Auch Junge gehen

Die Kurve von "Mitten im Achten" zeigt nicht nur beim Gesamtpublikum nach unten: In der Werbezielgruppe verlor die Sitcom von rund 280.000 auf rund 220.000. Bei den jungen Zuschauern zwischen zwölf und 29 Jahren von fast 140.000 auf knapp mehr als 100.000.

"Noch ist es Neugier, die die Zuseherinnen und Zuseher bewegt, sich unser Programm anzuschauen", zitierte die ORF-Aussendung Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Bei der ersten Folge der Sitcom hielt sie bei einem Gutteil des Publikums offenbar nicht lange.

RTL-Mann Hans Mahr erinnerte allerdings zuletzt im Standard, dass "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" dort anfangs lange "unterirdisch" lief. Und eine Quotenbilanz des ersten Tages ist noch sehr bedingt aussagekräftig.

"ZiB": Format stört

Die "Zeit im Bild", um 19.30 Uhr nur noch in ORF 2, sahen 1,125 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil, von Feiertagen unabhängig, lag mit 51 Prozent etwas über jenem vor einer Woche mit 47, als die "ZiB" wegen Fußball nur im Zweier lief.

Bei der "ZiB 20", dem neuen und kürzeren Pendant in ORF 1 um 20 Uhr zeigt die Kurve auch nach unten. Zum Start mehr als 400.000 Zuschauer dann ein steil bergab bis knapp über 300.000 um 20.10 Uhr.

Das Format der Nachrichtensendungen 16:9 mit den schwarzen Balken für alle mit älteren TV-Geräten zählte zu den drei wichtigsten Kritikpunkten beim ORF-Kundendienst an der Reform. Zudem störten die hellen Streifen in den "ZiB"-Monitoren, hinter denen eigentlich designerische Absicht steckt.

Stark vermisst: "Willkommen Österreich"

Stark vermissten die Anrufer auch "Willkommen Österreich". Am 10. April des Vorjahres hatte das TV-Wohnzimmer um 18.20 mehr als 450.000 Zuschauer, heuer kam ORF 2 um die Zeit auf kaum 250.000.

Das neue Vorabendmagazin "Wie bitte" in ORF 1 steigerte sein Publikum am ersten Tag von 18 Uhr bis 18.20, dann sank es. Schwieriger schon die Werbezielgruppe bis 49 Jahre: Ab 18.10 Uhr begann sie sich zu verabschieden. Auch bei den Jungen bis 29 ging es ab dann bergab. Höchstwert hier: rund 63.000. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 12.4.2007)

  • Die neue ORF-Sitcom des ORF verlor in ihrer ersten Folge bis 19.40 Uhr laufend Zuschauer, der Werbeblock dann weiter.
    foto:orf/petro domenigg

    Die neue ORF-Sitcom des ORF verlor in ihrer ersten Folge bis 19.40 Uhr laufend Zuschauer, der Werbeblock dann weiter.

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