Zwangsausgleich für Wiener Tierschutzverein

1. Mai 2007, 20:25
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Tierschutzverein muss 250.000 Euro in zwei Raten bezahlen, um weiter zu existieren - Präsident Antolini tritt zurück: Ziel erreicht

Wien/Wr. Neustadt - Der Wiener Tierschutzverein ist vorerst gerettet. Präsident Michael Antolini berichtete, dass der angestrebte Zwangsausgleich gelungen ist. Die 170 Gläubiger akzeptierten die 20-prozentige Ausgleichsquote. Der Tierschutzverein muss somit etwa 250.000 Euro in zwei Raten bezahlen, um weiter zu existieren.

Drei Millionen Schulden sind Leasingraten

Der Schuldenberg belief sich auf insgesamt rund vier Millionen Euro, wovon aber drei Millionen ausständige Leasingraten an die BA-CA- Leasing betrafen. Ursache für das Nichtbezahlen der Raten war ein Streit, den Ex-Präsidentin Loucie Loube mit den Errichtern des Tierschutzhauses um angebliche Baumängel geführt hatte.

Der Verein selbst soll sich künftig nur noch um Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung und Erbschaften kümmern. Präsident Michael Antolini sieht darin seine Aufgabe erfüllt. Er erklärteseinen Rücktritt - und dass er einen Nachfolger suche.

Betroffen waren auch die mehr als 100 Vereinsangestellten, die mittlerweile gekündigt sind. Einige von ihnen wurden in die neue Betriebs-Gesellschaft übernommen. "Die Leute erhielten ihre offenen Gehaltsforderungen vom Insolvenzausgleichsfonds, dieser wiederum holt sich daraus als Gläubiger vom WTV 20 Prozent", sagte Klikovits. Als Zubrot für die Gläubiger wird eine gesonderte Liegenschaft des Vereines aus einer Erbschaft verkauft, so dass die Ausgleichsquote sogar auf 23 Prozent steigen dürfte.

Erbschaften sind Haupteinnahmequelle des Tierschutzvereines

Erbschaften gelten als Haupteinnahmequelle des Tierschutzvereines - allerdings als unberechenbare: "Einerseits sind Zeitpunkt und Höhe solcher Einkünfte nicht vorhersehbar, andererseits gibt es häufig Rechtsstreitigkeiten mit Angehörigen Verstorbener, die deren Testamente zugunsten des Tierschutzvereines anfechten, was wiederum oft zu Vergleichen führt, die die Erbeinkünfte schmälern", so Insolvenzexperte Klikovits.

Derzeit 2000 Tiere

Den Tieren in Vösendorf geht es nach Aussage der Pflegedienst-Leiterin Gabriele Miksch gut: "Derzeit ist es ruhig. Wir halten bei etwa 2.000 Tieren, das ist vergleichsweise wenig". Der Höchststand noch vor zwei Jahren lag bei gut 4.000 Schützlingen gleichzeitig, der Durchlauf pro Jahr liegt bei 12.000 bis 15.000 Tieren aller Art. So lebt im Tierschutzhaus neben zwei ausgewachsenen Schimpansen auch der bereits 17-jährige Tiger Sultan. "Der war eigentlich für Schönbrunn bestimmt vor ein paar Jahren, aber als er schließlich aus Italien nach Österreich kam, wollte ihn niemand mehr", weiß Miksch.

Sultans Raubkatzen-Kollege Rocky, ein 18-jähriger Leopard, ist vor sechs Monaten an altersbedingter Lungenentzündung gestorben. "Im Ernstfall stehen wir auch weiterhin offen für solche Exoten, aber jedes dieser Tiere benötigt enorm viel Platz und Pflege", ärgerte sich Miksch über "Sammler", die solche Tiere oft unsachgemäß halten oder ins Land schmuggeln. Werden sie beschlagnahmt, landen sie im Tierschutzhaus.

"Jungkatzenwelle"

Ab Ende April könnte es mit der Ruhe vorbei sein: Dann rechnet man nämlich seitens der Tierpfleger mit der alljährlichen "Jungkatzenwelle". Und an diese schließe dann fast nahtlos das auch heuer wieder erwartete urlaubsbedingte Aussetzen hunderter Haustiere an, hieß es.(APA)

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