"Wir sehen schon Licht im Tunnel"

12. April 2007, 13:13
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Telekom Austria will E-Tel kaufen, um den Umsatzrückgang im Festnetz zu stoppen. Über Kartellauflagen und Festnetzzukunft sprach TA-Festnetz-Chef Rudolf Fischer mit Luise Ungerboeck

Standard: Der Umbau der Telekom Austria in eine Holding mit Mobilkom im Mobilfunk und Festnetz ist abgeschlossen. Der Name Telekom Austria Fixnetz AG ist aber nicht gerade zündend?

Fischer: Nein, Telekom-Austria-Fixnet-AG ist nur der Arbeitstitel für die Firmenbucheintragung. Wir sind jetzt in der finalen Abstimmung.

Standard: Jet2web wäre wieder frei . . .

Fischer: (lacht) Rühren Sie nicht in meinen Wunden! Nein. Bis Mitte, Ende April wird es einen Namen geben.

Standard: Wozu braucht der Konzern die Holding? Das Poststrukturgesetz wird nicht novelliert, es wird keinen Parkplatz für überzählige Telekom- und Mobilkom-Beamte in der Holding geben.

Fischer: Das war auch nie angedacht, daran hat sich nichts geändert: Das Personalamt bleibt in der Telekom Austria AG. Wir wollten nur, dass das Personalamt in der Holding, also in der Telekom Austria Group AG angesiedelt ist. Für diese Namensänderung wäre eine Gesetzesänderung notwendig gewesen.

Standard: Bei einer allfälligen weiteren Privatisierung wäre dieser kleine Transfer mitunter sehr praktisch gewesen. Die profitablen Bereiche könnten verkauft werden und der Bund bliebe auf den überzähligen Beamten in der TA-Group sitzen?

Fischer: Nein, das war nie die Absicht! Es ging nur darum, die nachgeordneten Personalämter, die nie aktiv waren, weil Bescheide immer von der Telekom Austria AG ausgestellt wurden, zu bereinigen. Auch an der Kollektivvertragsfähigkeit ändert sich nichts. Und: Wir wollen Bescheide auch per Intranet zustellen können, was in Ministerien längst möglich und üblich ist. Das geht jetzt nicht.

Standard: Wie kommen Sie bei der E-Tel-Übernahme voran?

Fischer: Die Prüfung der Bundeswettbewerbsbehörde hat stattgefunden, die erste Runde beim Kartellgericht ist abgeschlossen und wir suchen eine Einigung über die Auflagen.

Standard: Welche Zugeständnisse bieten Sie an?

Fischer: Es gibt zwei große Bereiche: Infrastruktur, und Markt und Kunden. Wir haben uns, das ist auch die Sicht der Regulierungsbehörde, eher darauf verständigt, auf der Infrastrukturseite sehr vieles freizugeben, damit der Wettbewerb nachhaltig bleibt. Backbone-Aktivitäten und dergleichen würden dadurch dem Markt wieder zur Verfügung stehen. Die Alternative wäre, die Kunden von ihren Verträgen zu entbinden.

Standard: Wer soll das kaufen? Es gibt in Österreich eigentlich nur einen möglichen Käufer.

Fischer: Nein, es gibt einige Alternativanbieter. Tele2UTA, Colt, Verizon oder Inode könnten es in ihren Bereich einbinden. Das ist natürlich auch eine Frage des Preises.

Standard: Welche Auflagen wären Ihnen lieber?

Fischer: Natürlich Infrastruktur. Aber das sind kommunizierende Gefäße. Wir könnten auch auf der Wholesale-Seite zusätzliche Angebote, Produkte in den Markt bringen, zum Beispiel im Breitband, um Wettbewerb zu forcieren.

Standard: Die Konkurrenz stirbt und die TA muss trotzdem froh sein, wenn ihre Umsätze nur um zwei Prozent sinken, weil die Leute lieber mit dem Handy telefonieren?

Fischer: Die Flucht der Sprachtelefonie in die Mobilkommunikation ist Faktum. Es hat keinen Sinn, diese Entwicklung zu bekämpfen, obwohl es außer in Österreich, Tschechien und Finnland überall teurer ist, mit dem Mobiltelefon zu telefonieren, in Deutschland zahlen Sie sogar fünfmal so viel. Wir haben in Österreich nur mehr ein Drittel des Gesamtverkehrs im Festnetz, zwei Drittel sind Mobilfunk. Uns bleibt als Zukunftsmarkt nur Breitband. Da sind wir mit 1,4 Mio. Haushalten relativ gut aufgestellt.

Standard: Der Rückgang in der Sprachtelefonie ist mit einem Pimperlgeschäft wie Alarmanlagen und IP-TV doch nicht wettzumachen?

Fischer: Das stimmt, dazu ist das Volumen derzeit noch zu gering. Zusätzliche Dienste wie Home-Security oder IP-TV sind aber wichtige Themen, denn wir sehen eindeutig einen Shift im Festnetz vom Sprach- zum Datennetz. Ich glaube, die Talsohle ist erreicht, wir verlieren "nur" mehr acht Prozent Sprachminuten pro Jahr. Andere verlieren 15 bis 20 Prozent. Wir sehen schon Licht im Tunnel. In den nächsten zwei Jahren werden wir das Basisgeschäft stabil bekommen, abgesehen von Zukäufen.

Standard: Apropos Zukäufe, die TA will bei Hellenic Telecom einsteigen. Gibt es zwischen Athen und Wien nennenswerten Telefonverkehr?

Fischer: Nein, die Griechische Telecom ist für uns ausschließlich wegen des Mobilfunks Cosmote interessant.

Standard: In Österreich gibt es rund drei Mio. Haushalte, erst die Hälfte hat schnelles Internet, manche nicht einmal das?

Fischer: Wir haben 96 Prozent des Bundesgebiets erschlossen, zu Jahresende 97. Weiße Flecken gibt es in Grenzgebieten und Tallagen, bis Mitte 2009 sollen alle Wählämter ADSL-fähig sein. Breitband-Vollversorgung wird rund 150 Mio. Euro kosten. Durch Initiativen und steuerliche Förderung stieg die Akzeptanz.

Standard: Sie sitzen im Aufsichtsrat von ÖBB und Asfinag und werden immer wieder für den ÖBB-Vorstand gehandelt. Ist Ihnen fad?

Fischer: Dass ich in die ÖBB gehe, ist ein völliger Schwachsinn. Es ist ja nicht so, dass diese Aufsichtsratsfunktionen 50 Prozent meiner Zeit in Anspruch nehmen. Infrastruktur, das ist etwas anderes, das ist spannend, interessiert mich. (DER STANDARD Printausgabe, 10. April 2007)

  • ZUR PERSON:

Rudolf Fischer (54) ist seit 1998 Technik-Vorstand der Telekom Austria AG. Zuvor war der Techniker und Betriebswirt Chef des ungarischen Netzbetreibers UTI.

    ZUR PERSON: Rudolf Fischer (54) ist seit 1998 Technik-Vorstand der Telekom Austria AG. Zuvor war der Techniker und Betriebswirt Chef des ungarischen Netzbetreibers UTI.

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