Atom-Erklärung Teherans löst Sorge und Skepsis aus

10. April 2007, 18:08
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Iranische Atombehörde: 50.000 Zentrifugen für Uran-Anreicherung sind das Ziel

Teheran/Moskau/New York - Der Iran hat mit dem von seiner Führung verkündeten Durchbruch bei der Uran-Anreicherung international Besorgnis, aber auch Skepsis ausgelöst. Laut der iranischen Atombehörde sollen 50.000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in der Anlage Natanz installiert werden. Das russische Außenministerium erklärte am Dienstag, habe keine Erkenntnisse über eine grundlegende Änderung beim Atomprogramm der Islamischen Republik. Die USA hatten zuvor erklärt, sie seien sehr besorgt über die Atomerklärung des Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad vom Vortag, wonach der Iran in der Lage sei, Uran im industriellen Ausmaß anzureichern. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die Führung in Teheran umgehend auf, sich an die UNO-Resolutionen zu halten. Der Weltsicherheitsrat fordert vom Iran, die Uran-Anreicherung zu stoppen, die auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden kann.

Erst Ende März hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seine Sanktionen gegen die Islamische Republik verschärft, die im Verdacht steht, unter dem Deckmantel eines Kernenergieprogramms an Atomwaffen zu arbeiten Der Iran hat westliche Vorwürfe stets zurückgewiesen, mit seinem Atomprogramm nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Nun will der Iran die industrielle Anreicherung von Uran trotz aller Warnungen der Weltgemeinschaft offenbar massiv ausweiten.

Ziel

"Das Ziel der Islamischen Republik Iran ist nicht bloß der Aufbau von 3000 Zentrifugen in der Anlage von Natanz", sagte der Chef der iranischen Atomenergie-Organisation, Gholamreza Aghazadeh, am Dienstag laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. "Wir haben alles geplant, um 50.000 Zentrifugen zu installieren."

Zu der Zahl der in Natanz mittlerweile aufgebauten Zentrifugen machte Aghazadeh weiterhin keine Angaben. Bereits am Montag hatten er und der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad bei einer Feier zum nationalen Atomtag am Standort der Anlage von Natanz mitgeteilt, dass die Urananreicherung nun auf industriellem Niveau erfolge. Der iranische Atom-Chefunterhändler Ali Larijani hatte angedeutet, dass die Zahl der zur Urananreicherung eingesetzten Zentrifugen derzeit bei 3000 liege, was vielen Experten allerdings als stark überhöht erscheint.

Zeitpunkte

Vor einem Jahr hatte Teheran angekündigt, dass bis Ende März 2007 in Natanz 3000 Zentrifugen im Einsatz sein sollten. Später wurde als neuer Zeitpunkt dann Mai 2007 genannt. Mitte Februar teilte Teheran der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO/IAEA) mit, dass in Natanz nur etwa 600 Zentrifugen installiert seien. Nach Angaben des US-Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS) reicht eine Kaskade von 1500 Zentrifugen aus, um binnen eines Jahres mehr angereichertes Uran herzustellen, als für eine Atombombe nötig wäre.

Er hoffe, dass die iranische Regierung selbst unter den gegenwärtigen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats einen Dialog mit der Absicht auf Verständigung suche, sagte UN-Generalsekretär Ban am Montag in New York. Es sei sehr wichtig, dass jedes UN-Mitglied die Resolutionen des Sicherheitsrates befolge.

EU: Iran muss UNO-Beschlüsse einhalten

Die Europäische Union unterstrich unterdessen, dass Teheran die Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats einhalten solle. Der Iran müsse sich "an die Regeln des Nichtverbreitungsvertrags halten", sagte ein Sprecherin von EU-Außenkommissarion Benita Ferrero-Waldner am Dienstag in Brüssel. Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy bezeichnete die jüngsten iranischen Ankündigungen als "schlechtes Zeichen". Zugleich rief er Teheran in einer Erklärung zum Dialog mit der Sechsergruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie China, Russland und den USA auf.

Unterdessen hat die IAEO in Natanz mit einer Inspektion begonnen, die Klarheit über die von Ahmadinejad vermeldeten Fortschritte bringen könnte. Die Inspektoren seien zu einer einwöchigen Routineuntersuchung in der Atomanlage, sagte ein iranischer Behördenvertreter. Details nannte er nicht. IAEO-Inspektoren besuchen regelmäßig die iranischen Atomanlagen. Im vorigen Jahr hatte das Land unangekündigte Kontrollen der UN-Experten jedoch eingeschränkt, nachdem der Atomstreit vor den Sicherheitsrat gebracht worden war. (APA/Reuters/AP)

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    Studentendemonstration aus Anlaß des "Nationalen Atomtages" in Teheran

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