Palmers prüft Zukäufe und Börsegang

26. April 2007, 17:43
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Vorstand Thomas Weber im STANDARD-Interview über Lohnkonflikte, Billigketten und den Sexappeal von Männerunterhosen

STANDARD: Palmers hat mit einer Gehaltskürzung bei älteren Filial-Mitarbeiterinnen die Arbeiterkammer alarmiert. Wird jetzt beim Personal gespart?

Weber: Nein, hier wurde politisiert. Fakt ist: Sieben Filialleiterinnen haben über 20 Prozent mehr verdient als ihre Kolleginnen. Wir hätten sie auch kündigen können, haben das jedoch offen auf den Tisch gelegt. Sechs von ihnen haben die neuen Verträge akzeptiert.

STANDARD: Entlohnt Palmers in Zukunft leistungsabhängig?

Weber: Wir wollen die Unternehmenskultur erhalten. Aber wir zimmern einen Konzern, der international fit ist. Daher müssen wir leistungsorientiert arbeiten. Wir wären aber dumm, Gehälter zu kürzen.

STANDARD: Bleibt es bei den 800 Mitarbeitern in Österreich?

Weber: Ich denke ja. Wir haben den Personalstand im Vertrieb über Fluktuation bereits leicht reduziert, in der Zentrale hingegen neue Jobs aufgebaut.

STANDARD: Palmers ist seit Ende 2004 im Eigentum von zwei Investmenthäusern. Was haben die vermeintlichen Heuschrecken denn bisher verändert?

Weber: Wir wussten, dass wir viel erneuern müssen, dass es keine Dreijahres-Übung wird. Wir haben das Design der Produkte verfeinert. Wir haben den Ladenbau komplett erneuert und mit der Internationalisierung begonnen.

STANDARD: Wie viel der 300 Filialen wurden seither erneuert?

Weber: Wir haben international und in Österreich 40 Geschäfte umgebaut, heuer kommen 60 dazu. Ende 2008 ist die Adaptierung abgeschlossen.

STANDARD: Sie haben in Österreich auch Filialen zugesperrt.

Weber: Es sind mit 235 Verkaufspunkten um 15 weniger als 2004. Langfristig werden es etwa 200. Aber wir reduzieren nicht unsere Verkaufsflächen. Wir suchen größere Standorte.

STANDARD: Konnte das Facelifting den Umsatzschwund der vergangenen Jahre bremsen?

Weber: Wir erzielen dank aller Maßnahmen seit sechs Monaten ein zweistelliges Plus. Wir hatten im Halbjahr zuvor Pech mit Engpässen in der Versorgung, denn zwei große regionale Lieferanten sperrten zu.

STANDARD: Palmers kämpft mit dem Image verstaubt und teuer zu sein. Ketten wie H&M haben den Konzern geschwächt.

Weber: Es braucht Energie und Zeit, um zehn Jahre Vorurteile abzubauen. Langsam realisieren die Menschen, dass Palmers dynamisch wird. Österreichs Angebot an Billigangebot ist überproportional groß und Palmers war nicht vorbereitet. Der Konzern hatte einen übergroßen Marktanteil, den Zeitgeist verschlafen und neuen Konzepten Tür und Tor geöffnet. Doch jetzt wachsen Billigketten nicht mehr. Und die Leute kaufen weniger, dafür schöne und bessere Ware.

STANDARD: Schreibt das Unternehmen wieder Gewinne?

Weber: Palmers hat immer ein positives Betriebsergebnis erzielt, in der Vergangenheit sicherlich kein üppiges. 2006/07 war es jedoch um 150 Prozent besser als im Jahr davor.

STANDARD: Palmers war einmal 170 Mio.-Euro-Umsatz schwer. 2005/06 waren es nur rund 126 Mio. Euro. Wo steht man jetzt?

Weber: Der Umsatz beinhaltete noch Gazelle und Wolford. Wir haben im Vorjahr mehr umgesetzt als budgetiert. Zu den 170 Mio. Euro zurückzukehren - kann ich mir vorstellen, aber nicht von heute auf morgen. Wir sehen uns auch nach Akquisitionen um.

STANDARD: An welche Übernahmen denken Sie da?

Weber: Wir suchen eine Kette wie etwa Gazelle, aber nicht in Österreich. Es könnten auch internationale Markenfirmen sein. Primäres Ziel ist es nicht.

STANDARD: Palmers hat sich erst von Beteiligungen getrennt - jetzt soll wieder zugekauft werden. Ist das kein Widerspruch?

Weber: Es gab eine stark österreichgetriebene Konstellation. Jetzt haben wir uns auf zwei Marken, Palmers und p2, konzentriert, die wir internationalisieren. Um schneller zu expandieren, können wir über den Kauf einer Ladenkette gehen, die wir à la Palmers umbauen. Wir wollen international profitabel wachsen - es geht nicht um schiere Größe.

STANDARD: Welche Märkte nehmen Sie sich dafür vor?

Weber: Focus ist Europa. Wir haben aber auch Anfragen aus China und den USA. Es ist manchmal einfacher über eine Akquisition zu wachsen, als im Straßenkampf eine Filiale nach der anderen zu eröffnen. Wir sind groß genug, haben genug Selbstbewusstsein und dank Finanzinvestoren, wenn nötig, auch genügend Mittel.

STANDARD: Einen Verkauf können Sie ausschließen?

Weber: Ja. Unser Plan ist ein Börsengang in zwei, drei Jahren, vermutlich in Wien. Auch eine Doppellistung wäre interessant. Wir bauen ja stark in Deutschland aus.

STANDARD: Palmers ist alles in allem in 18 Ländern vertreten.

Weber: Wir haben in den Emiraten, Polen, Tschechien, Rumänien Franchisepartner gefunden. In Zürich startete die erste Filiale, Ziel sind zehn. In Deutschland planen wir bis 2009 von 27 auf zumindest 50 Shops zu kommen. Aber wir wollen keine Ho-ruck-Aktion, zahlen keine Fantasiemieten.

STANDARD: Wann werden wieder einmal Männer auf den Palmers-Plakaten posieren?

Weber: Das kann ich nicht beantworten, wir denken jedoch über vieles nach. Wir haben ja schöne Herrenunterhosen, es läuft gut. Und auch eine Männerunterhose hat Sexappeal. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.4.2007)

Zur Person
Der Schweizer Thomas Weber (46) ist seit 2004 Vorstandschef der Palmers Textil AG. Der Betriebswirt war zuvor Chef der Schiesser-Gruppe
  • Thomas Weber: "Sind groß und selbstbewusst genug für Zukäufe."
    foto: standard/christian fischer

    Thomas Weber: "Sind groß und selbstbewusst genug für Zukäufe."

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