Großraumbüro

14. November 2008, 13:31
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Arbeiten heißt sozialisieren. Oder: Es ist nicht nötig, jeden Schritt der Arbeitskollegen mitzubekommen

+++PRO

Arbeiten heißt auch sozialisieren, Kontakte haben, im Geschehen sein. Soziales Leben pur findet sich in großen Räumen und nicht im stillen Kämmerlein. Bunt gemischt ist die Menschenvielfalt im Großraumbüro und die Charaktere darin. Mit einem leichten Faible für Psychologie ist es ein herrliches Biotop zum Studieren und Mitmachen. Mitbekommen, woran die Kollegen arbeiten oder worüber sie gerade lachen, kann so manch morgendlich-trübe Gedanken mindestens genau so gut aus dem Stirnkasterl fegen wie ein guter Kaffee.

 

Ob am Weg zur Küche oder ins Raucherkammerl, die Kollegen trifft man überall – und das ob man will oder nicht. Das Gute daran: mit so mancher Persönlichkeit würde man sonst wohl eher seltener ins Gespräch kommen. Es gibt viel Menschliches zu entdecken und wenn es das Wochenendprogramm der Kollegin oder der Gesundheitszustand der Katze vom Tischnachbarn quer gegenüber ist. Zugegeben: Wer verspürt nicht selbst manchmal den unheimlichen Drang, ein kleines bisschen Leben von sich preiszugeben?

Im Gegenzug kann wohl fast niemand von sich behaupten, völlig frei von Neugier zu sein. Etwas wohldosierte informelle Information kann dieses Bedürfnis durchaus stillen. (Marietta Türk)

CONTRA---

Groß hat mit großartig nichts zu tun. Und Großraumbüros sind von großartig meilenweit entfernt. Dafür sind die KollegInnen sehr nah, und da gleich alle. Nur zu viele in der Nähe sind kontraproduktiv. Sie lenken ab. Denn es ist nicht nötig, jeden Schritt der ArbeitskollegInnen mitzubekommen. Es interessiert mich auch nicht, wie oft sie aufs Klo gehen, wann und wie oft sie sich Kaffee holen. Wer wann in die Arbeit kommt, wie lange er bleibt, wann Mittagspause gemacht wird, wie oft telefoniert wird. Ich muss das alles nicht wissen, es hilft mir bei der Erledigung meiner eigentlichen Aufgabe überhaupt nicht weiter, nur mitbekommen tu ich es trotzdem.

Der Spruch "Wir sitzen alle im selben Boot" ist für Großraumbüros zu wörtlich genommen worden, denn der Zusammenhalt ist rein optischer Natur. Warum hat sich der Begriff Ein-Raum-Büro nicht durchgesetzt, der würde dafür viel besser passen, denn mehr ist es ja nicht. Aber in der Arbeitswelt wird positiv gedacht. Und Ein-Raum-Büro hat genauso was Deprimierendes an sich wie Ein-Zimmer-Wohnung oder Ein-Mann-Unternehmen. Ein Ein-Mann-Zelt gibt es vermutlich genau aus diesem Grund kaum mehr.

Bei einem Großraumbüro kann es sich nur um ein Ablenkungsmanöver handeln, denn die Gedanken sind nicht freier, nur weil keine Wände sind. (Gudrun Ostermann)

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