22 Seiten weniger Genuss

11. April 2007, 17:00
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Harald Fidler studiert vor dem Friaul endlich die neueste Ausgabe des Osteriaführers, widerspricht manchem Schmecks-Poster - und hofft dennoch auf Tipps

Der Schock sitzt tief. Ein zartes Anzeichen für den Niedergang der italienischen Küche? Der Osteriaführer von Slow Food, neueste Ausgabe für 2007/08 und endlich auch bei mir eingelangt, hat nur noch 840 durchnummerierte Seiten. Sein Vorgänger zählte noch 862. Ich bin besorgt.

Der zweite Blick in "Osterie d'Italia 2007/08" beruhigt mich etwas: Der Lokalteil vor dem Register schrumpfte weniger harsch von 795 auf 790 Seiten. Das heißt freilich bei zwei Lokaltipps pro Seite: zehn empfohlene Wirte weniger. Womöglich aber auch nur ein paar Anzeigenseiten.

Die Lücke bleibt

Besorgt blättere ich nach, ob der Clan der Langsamesser die größte (von mir wahrgenommene) Lücke in der Ausgabe 06/07 entdeckt und gefüllt hat. Allein: Das herausragende Cappun magru fehlt neuerlich. Schade für die Leser, die nicht sicherheitshalber auch den Cinque-terre-Führer von Slow Food bei Hallwag erstanden haben, wenn sie in diese wunderbare Gegend kommen (möglichst abseits der Saison). Oder rechtzeitig den Schmecks-unterwegs-Wahnsinn von Herbst 2006 studiert haben.

Vielleicht war das Lokal den Autoren des wichtigsten Reisebegleiters nach Italien auch eine Spur zu teuer, die haben ja recht strikte Preisvorgaben. Nicht immer entsprechen die genannten Preise auch der Realität des Genusssüchtigen in voller Fahrt. Wert waren es die Tipps aus dem fetten roten Buch noch mit wenigsten Ausnahmen jedesmal.

Wo wir schon beim roten Buch sind: Ungern widerspreche ich den Schmecks-Postern, aber einen Punkt gilt es aufzuklären, der seit Norditalien in Echtzeit an mir nagt. niet roken erklärte mir beim Cappun magru, dass der Osteriaführer in Italien jährlich herauskommt, die deutschsprachige Ausgabe ihn aber nur alle zwei Jahre zusammenfasst. Auch die übersetzte Variante erscheint (inzwischen?) jährlich. Und in Neapel hab ich niet rokens Einwand in einer Buchhandlung nachrecherchiert und (stichprobenartig) verglichen. Ergebnis: exakt dieselben Lokale für Neapel und Piemont. Beruhigend für Menschen wie mich, die im Italienischen nur munter dilettieren.

Tipps, per favore

Wo wir schon beim Posten sind: Fahre demnächst vier Tage gen Friaul, um mich endlich (nach Triest, Karst, Udine & Co) durch die Colli um Cormons zu essen und trinken. Viel zu kurz, ich weiß. Vor allem, wenn ich mir die Liste unseres Friaulexperten Michael Völker oder auch jene von Petra und Rainer Nowak anschaue. Vielleicht hat ja eine/r da draußen den einen oder anderen zwingenden Tipp. Wenn's geht: nicht zu nobel, aber umso genüsslicher. Danke dafür.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
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