Österreich setzt in Korea auf Energie, Umwelt und Wein

30. April 2007, 21:20
posten

Voll auf Umwelttechnologie setzt WKÖ-Präsident Christoph Leitl im Rahmen der hochranging besetzten Wirtschaftsmission nach Südkorea

"Gute Gesprächsergebnisse" vermeldete am Dienstag WKO-Chef Christoph Leitl, der an der Spitze einer Wirtschaftsdelegation den Bundespräsidenten Heinz Fischer auf dessen Südkorea-Visite begleitete. Bei Kontakten mit Südkoreas Umweltminister Lee Chi-Beom und mit Firmenvertretern präsentierte Leitl Österreich als ein weltweit führendes Land im Bereich der Energie- und Umwelttechnologie.

Österreichs Philosophie der Nachhaltigkeit sollen zum Erfolgsmodell für die Exportwirtschaft werden, sagte Leitl vor Journalisten. Ziel sei es, bis 2010 die österreichischen Ausfuhren nach Südkorea auf eine Mrd. Euro fast zu verdoppeln (und damit das Übergewicht der südkoreanischen Exporte nach Österreich von zuletzt 845 Mio. Euro im Gegenzug reduzieren).

Große Erfolge

Bereits jetzt großen Erfolg hat in Südkorea die VA Tech Hydro, die in Sihwa südlich von Seoul am Bau eines großen Gezeitenkraftwerk mit 250 Megawatt Leistung (Wien-Freudenau: 172 MW) beteiligt ist. Seine Firma sei seit 1980 von China aus in diesem Raum tätig und habe das Projekt fünf Jahre vorbereitet, berichtete Fritz Holzinger von der VA Tech Hydro.

Zu dem rund 70 Mio. Euro umfassenden Auftrag gehört die Lieferung von zehn Rohrturbinen-Generatorensätzen, wie sie auch in österreichischen Flusskraftwerken Verwendung finden. Bei einem Ebbe und Flut ausnützenden Gezeitenkraftwerk seien das salzige, Korrosion verursachende Meerwasser und der Wellenschlag zusätzliche technische Herausforderungen. Mit den Koreanern gäbe es, trotz erheblicher kultureller Unterschiede, bei der Arbeit kaum Probleme, so Holzinger.

Über gute Kontakte verfügt auch Helmut List vom Grazer Motorenspezialisten AVL. Seine Firma erarbeite für Hyundai und andere koreanische Autofirmen schadstoffarme Motoren und erwirtschafte damit - mit steigender Tendenz - hier 35 Mio. Euro im Jahr.

Josef Dagn, dessen Seda-Umwelttechnik Altautos mit speziellen Trocknungsanlagen umweltschonend von Flüssigkeitsrückständen befreit, knüpft dagegen in Korea erst Kontakte, sieht aber in dem hoch motorisierten Land einen interessanten Markt.

Geschmack gefunden

Abseits der Umweltindustrie sehen auch Finanzinstitute wie BA-CA und Raiffeisen in Südkorea Geschäftsmöglichkeiten, und, trotz des noch vorhandenen Protektionismus, sogar Nahrungs- und Genussmittelproduzenten wie Handl-Speck und die österreichische Weinwirtschaft. Mit dem zunehmenden Wohlstand kämen auch Koreaner auf den Geschmack, eine Flasche österreichischen Weins (ab umgerechnet ca. zehn Euro) zu kaufen. 10.000 Flaschen werden in Südkorea derzeit im Jahr verkauft, 100.000 bis 200.000 seien "drin", meinte Weinmarketing-Chef Willi Klinger. Österreich müsse trachten, neben Deutschland (wo jährlich über 30 Mio. Liter österreichischen Weins, darunter viel billiger, abgesetzt werden), der Schweiz und den USA auch ferne Märkte wie Japan oder eben Südkorea zu erobern. (Erhard Stackl aus Seoul, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2007)

  • Die österreichische Weltmarke Swarovski ist auch in Seoul bereits gut etabliert. Auch andere heimische Firmen wollen den Spuren der Tiroler Glasschleifer folgen und im aufstrebenden ostasiatischen Land reüssieren.
    foto: awo/wko

    Die österreichische Weltmarke Swarovski ist auch in Seoul bereits gut etabliert. Auch andere heimische Firmen wollen den Spuren der Tiroler Glasschleifer folgen und im aufstrebenden ostasiatischen Land reüssieren.

Share if you care.