EMI und Apple tragen Kopierschutz zu Grabe

30. Mai 2007, 17:47
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Apple hat sich durchgesetzt: EMI lässt sich den Kopierschutz abkaufen - Gegen Aufpreis gibt es ungeschützte Musik in höherer Qualität

Manche hielten die am 1. April versandte Einladung von EMI-Boss Eric Nicoli zu einer Pressekonferenz mit Apple-Chef Steve Jobs gestern, Montag, für einen Aprilscherz. Aber die beiden Herren meinten es ernst: Als erstes der großen vier Musiklabels verzichtet EMI auf Kopierschutz bei Onlinemusik, und als erster (und marktbeherrschender) Onlineanbieter wird Apples iTunes Store ab Mai seinen Kunden ungeschützte Musik anbieten.

Ungeschützt ist es teurer

EMI lässt sich den Verzicht auf DRM (Digital Rights Management) zu einem höheren Preis abkaufen, legt dafür allerdings auch bessere Qualität auf. "Unser neues Premium-Produkt ist DRM-frei und bietet eine wesentlich höhere Audioqualität", erklärte Nicoli. Großhandelspreise und Tonqualität würde jetzt denen von CDs entsprechen.

iPod und Co.

Dies sei "der nächste Schritt für Onlinemusik", pries Apple-Chef Steve Jobs. Er hatte erst vor wenigen Wochen in einem offenen Brief von der Musikindustrie den Verzicht auf DRM verlangt. Apple seinerseits steht unter wachsendem Druck europäischer Konsumentenschützer, die die Kompatibilität von iTunes-Musik mit anderen MP3-Playern als den iPod fordern.

Höhere Bitrate

Jobs erklärte, dass die bisher mit einer "Bitrate" von 128 Kilobit pro Sekunde komprimierte Musik wahlweise als DRM-freies Premium-Produkt mit 256 Kilobit angeboten wird – laut Jobs "in ähnlicher Qualität wie auf CDs". Dies sei auch aufgrund der stark fallenden Speicherpreise möglich, da bessere Tonqualität größere Musikdateien und damit mehr Speicherverbrauch bedeutet.

1,29 Euro

Die Premium-Titel werden 1,29 Euro kosten. Bisher kosten einzelne Titel 99 Cent (Alben für 9,99, dies soll auch mit der DRM-freien Variante gleich bleiben). Kunden können weiterhin die geschützten Titel in alter Qualität zum alten Preis kaufen. Wer will, kann vorhandene Titel gegen Zahlung der Differenz auf die bessere, ungeschützte Version upgraden.

Ab Mai wird der gesamte EMI-Katalog im iTunes-Store in beiden Versionen angeboten, rund eineinhalb Millionen Titel. Jobs hofft, dass weitere unabhängige Labels dem Beispiel folgen, sodass bis Jahresende die Hälfte des Fünf-Millionen-Titel-Angebots alternativ in neuer Form erhältlich sein soll. Das EMI-Angebot steht auch allen anderen Onlineanbietern offen.

"Wir haben schon bisher Kunden mit dem besseren Store und dem besseren Player überzeugt."

Einfachere Handhabung und bessere Tonqualität werden das Onlinegeschäft ankurbeln, sagte Nicoli. Jobs sieht keinen Nachteil: "Wir haben schon bisher Kunden mit dem besseren Store und dem besseren Player überzeugt." (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 3. April 2007)

Anm. red: Im Artikel wurde ursprünglich fälschlicherweise behauptet, dass der Albenpreis auf 12,99 Euro angehoben werden soll, dies wurde nun korrigiert. Ganze Alben sollen auch weiterhin 9,99 Euro im iTunes Music Store kosten.

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