Schöps zieht die Reißleine: Deutsche Sanierer steigen ein

19. April 2007, 17:50
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Richard Schöps hat einen neuen Eigentümer. Arques Austria Invest AG hat die Modekette mehrheitlich über­nommen. Schöps soll auf Designerware umsatteln

Wien – Die Modekette Schöps fährt unter das Dach deutscher Sanierer. Arques Austria, eine Tochter der Starnberger Beteiligungsgesellschaft Arques Industries, kauft 51 Prozent des angeschlagenen Textilkonzerns mit Sitz in Wien. Das Closing wird in fünf Wochen erwartet. Über den Kaufpreis hat Schöps Stillschweigen vereinbart. Laut Reuters liege der Preis unter dem Substanzwert. Schöps-Chef Guido Eric Wolfram verlässt den Konzern. An seiner Stelle ziehen der Arques-Manager Wolfgang Neubert und die italienische Handelsexpertin Christina Romagnoli in den Vorstand ein.

Die Marke Schöps sei verstaubt, die Kette habe ein hartes Jahr hinter sich, sagt Neubert. Arques werde Schöps jedoch innerhalb eines Jahres in die Gewinnzone führen und ausbauen. Der Traditionsbetrieb hat bereits einige Eigentümerwechsel und erfolglose Sanierungsversuche hinter sich. Leopold Böhm übernahm die Firma seines Onkels Richard Schöps 1954. 1989 verkaufte er das Unternehmen nach österreichweiter Expansion und schwer verschuldet an den deutschen Investor Thomas Matzen. 2002 holte der italienische Industrielle Piofrancesco Borghetti Schöps in seine Marbert Holding – um sie Ende 2006 in seine Luxemburger Holding PHI auszugliedern. PHI soll an Schöps zu 49 Prozent beteiligt bleiben.

Der Einstieg der Investoren ist für die Branche nicht überraschend. Schöps kommt seit Jahren nicht in Form. 2004 gab es einen Verlust von 3,8 Mio. Euro. Im Jahr darauf versprach die Bilanz eine Kehrtwende: Schöps erzielte bei 76,1 Mio. Euro Umsatz ein Betriebsergebnis von 1,1 Mio. Euro und Jahresgewinn. Offizielle Zahlen für das Geschäftsjahr 2006 fehlen noch. Das erste Halbjahr brachte aber einen herben Rückschlag. Das Ebitda war negativ, und der Umsatz brach um rund acht Prozent ein.

„Schöps wird zwischen den hochpreisigen und günstigen Textilketten zerrieben“, sagt Fritz Aichinger, Obmann des Wiener Handels. Asset des Betriebs seien allein einige gute Standorte. Die neuen Eigentümer sehen das anders. Arques will Schöps als Design-Anbieter etablieren und ihren Anteil im Textilhandel auf vier Prozent verdoppeln. Zum Vergleich: H&M kommt auf zwölf Prozent Marktanteil. „Wir prüfen jeden Standort“, sagt Neubert. Schlechte würden aufgegeben. Peter Löw, Arques Industries-CEO, will in zwei Jahren aber mehr Filialen als jetzt aufweisen. „Das ist eine Aufbaugeschichte.“ Neubert verspricht den Aufbau einer zweiten Marke neben Schöps. Spekulationen, dass Schöps Filialen an Kenvelo, eine Borghetti-Tochter, abgibt, bestätigt er nicht. Geplant sei aber eine Expansion nach Osteuropa und Deutschland. Unterm Strich werde Arques im ersten Jahr einen siebenstelligen Betrag in Schöps investieren. Ein Ablaufdatum für den Ausstieg gebe es dabei nicht, versichert der Arques Austria-Vorstand Franz Maurer. Die Kette werde so lange behalten, bis sie saniert und wieder in Schwung sei.

Schöps betreibt mit 850 Mitarbeitern 122 Filialen. Nahezu alle Beschäftigten sind Frauen. Bisher habe es trotz der harten Lage am Textilmarkt keinen Jobabbau gegeben, sagt eine Betriebsrätin dem Standard. Wie es nun weitergehe, sei ungewiss. „Aber wir müssen positiv denken.“ Branchenkenner erwarten auf jeden Fall eine harte Restrukturierung.

Neue Übernahmen

Arques Industries ist börsennotiert und spezialisiert auf den Erwerb, die Sanierung und den Weiterverkauf von angeschlagenen Firmen. Der Konzern hat im Vorjahr 13 Unternehmen um rund neun Mio. Euro übernommen. Im laufenden Jahr sind 18 Akquisitionen geplant. „Unsere Kassen sind voll“, ließ Arques vor wenigen Tagen über deutsche Medien ausrichten. Der Umsatz werde 2007 auf 1,5 Mrd. Euro wachsen. 2006 wurde ein Gewinn nach Steuern von mehr als 110 Mio. Euro erzielt.

Arques Austria will auch in Wien mittelfristig an die Börse, kündigt Löw an. Schöps sei die erste Beteiligung in Österreich und weitere stünden bevor. Bisher sind etwa die Handelsfirmen Golf House und Fritz Berger im Portfolio der Deutschen. Arques sei schuldenfrei und finanziere eigenes Geld. Zehn Prozent der Aktionäre seien aus Österreich, darunter Raiffeisen und die Erste Sparinvest. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.04.2007)

  • Die Modekette Schöps erhält frisches Geld.
    foto: standard/christian fischer

    Die Modekette Schöps erhält frisches Geld.

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