Alles ans Licht gebracht

26. Juli 2000, 20:01

Erstmals komplette Fotodokumentation der Mühl-Aktionen

Wien/Zurndorf - Umstrittenes Werk hin oder her, eines steht fest: Eine Gesamtdokumentation der Aktionen von Otto Mühl aus den 60er- und 70er-Jahren steht in Aussicht. Erstmals werden Abzüge des gesamten Fotoarchivs der rund 60 Aktionen aus der Kommunenzeit Mühls hergestellt. Alle 2500 Fotonegative, aufgenommen vom 1974 verstorbenen Stern-Fotografen Ludwig Hoffenreich (der auch Schwarzkogler-Aktionen ablichtete), werden vom Foto Leutner Fachlabor auf Baryt-Papier in einer einmaligen Auflage im Format 24 x 30 cm abgezogen.

Das alles geschieht im Auftrag der Friedrichshof-Wohngenossenschaft (FHWG), die nach Auflösung der Kommune in Zurndorf gegründet worden war und in deren Besitz sich auch eine Kunstsammlung befindet - u. a. mit Werken von Hermann Nitsch und Günter Brus.

Möglich wurde dieser Auftrag erst durch die Einigung von Otto Mühl und der FHWG im Februar des Jahres, welche einen zehnjährigen Rechtsstreit in Zusammenhang mit der Auflösung der Kommune beendete.

In einer Erklärung schreibt Mühl, die alleinigen Urheberrechte für die im Gemeinschaftsbesitz der FHWG befindlichen Negative zu haben und dass er allein über das Vervielfältigungsrecht all seiner Werke verfüge. Deshalb setzt Mühl einen Unterschriftsstempel unter die Fotos, von deren Sujets bis dato überhaupt erst, laut Auskunft von FHWG-Vorstandsmitglied Gitta Ferlei, "40 bis 100 Stück" veröffentlicht wurden.

Durch diese Dokumentation, die man einscannen und am Friedrichshof Interessenten zur Ansicht geben will, werden sich neue Aufschlüsse in der Mühl-Gesamtbeurteilung ergeben. Aber, so Ferlei, "frühestens in eineinhalb Jahren". An einen Verkauf des Konvoluts wird vorerst noch nicht gedacht. Laut Ferlei steht die FHWG derzeit in Verhandlung mit zwei Wiener Kunstinstitutionen, die die komplette Doku ausstellen wollen. (Doris Krumpl)

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