Immunisierungen könnten Spitalsbetten leeren

26. März 2007, 09:38
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Impftag: Epidemiologische Überwachung belegt enormen Nutzen der Impfungen - Allgemeinheit muss auch Kosten übernehmen

Salzburg - Speziell bei Kindern könnte ein umfassendes Impfprogramm in Österreich die Spitalsabteilungen entlasten und hohe Kosten sparen. "Ohne Rotavirus-Infektionen wären die Kinderabteilungen in Österreich in der kalten Jahreszeit leergefegt. Wir haben aber derzeit noch immer pro Jahr rund 4.000 Hospitalisierungen von Kindern durch diese (per Impfung verhinderbare, Anm.) Erkrankung", sagte der Wiener Impf- und Reisemedizinspezialist Herwig Kollaritsch am Samstag beim Österreichischen Impftag in Salzburg.

Impftag

Die jährlich stattfindende Veranstaltung, getragen vom Grünen Kreuz, Gesellschaft für Kinderheilkunde sowie von Österreichischer Ärzte- und Apothekerkammer, dient dazu, die Berufsgruppen über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet des Impfwesens zu informieren. Der steirische Kinderarzt Ingomar Mutz, auch Leiter des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates: "Jedes Jahr eröffnen sich neue Perspektiven der Vorsorge durch Impfungen, die auch Geld kosten. So erfahren wir heuer, dass die Krebsvorsorge durch eine Impfung (HPV-Impfung, Anm.) ganz entscheidend ist." Um den Nutzen aber auch für Bevölkerung und Gesundheitswesen lukrieren zu können, müsse die Allgemeinheit aber auch Kosten übernehmen.

Auswirkungen

Wie gut der Effekt eines umfassenden Impfprogramms für Kinder in Österreich sein könnte - hier fehlt derzeit laut Expertenaussagen die Übernahme der Kosten für die Pneumokokken-Impfung bei Kleinkindern, für die Immunisierung gegen Rotavirus-Infektionen und gegen HPV (Gebärmutterhalskrebs, Anm.) -, kann Kollaritsch mit einem von seinem Institut organisierten Überwachungsprogramm in Österreich eindeutig belegen. Seit 1996 melden zwei Drittel der Kinderabteilungen in den österreichischen Spitälern die Aufnahmen junger Patienten wegen Pertussis (Keuchhusten), Mumps, Masern, Haemophilus influenzae, Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C und Rotavirus. Nur gegen die Hepatitis C gibt es noch keine Impfung. Hinzu kommen die Daten von 37 Labors.

Beispiel Keuchhusten

Kollaritsch: "Wir konnten zum Beispiel zeigen, dass beim Keuchhusten die Zahl der Erkrankungen in dem Moment zurück geht, wo die Wirkung der Impfung einsetzt. Das ist im sechsten Lebensmonat." Allerdings gibt es einen Anstieg bei den über 16-Jährigen. Deshalb gibt es die Empfehlung, auch Erwachsene regelmäßig gegen die Pertussis zu impfen." So wurden in Österreich im Zeitraum von 2000 bis 2005 von dem Überwachungssystem 4.395 Keuchhusten-Erkrankungen gemeldet. Das Durchschnittsalter der Betroffenen - das Leiden verläuft mit höherem Alter immer schwerer - betrug 39 Jahre.

Beispiel Rotavirus

Einen enormen Vorteil für das Gesundheitswesen würde die nun mögliche generelle Impfung von Babys gegen Rotavirus-Infektionen bringen. Die Erreger lösen vor allem bei Säuglingen heftige Durchfallerkrankungen aus, die sehr oft mit einer Spitalsaufnahme - von Baby und Elternteil - enden. Der Experte: "Wir haben rund 4.000 Hospitalisierungsfälle an den Kinderabteilungen wegen Rotavirus-Infektionen. Der Gipfel liegt in der Altersgruppe von zehn Monaten. Mit der Impfung könnten wir diesen Gipfel völlig abschneiden."

Eine Analyse der Daten der im Wiener St. Anna-Kinderspital wegen Rotavirus-Infektionen aufgenommenen Kindern zwischen 1998 und dem Jahr 2000 zeigte laut dem Experten, dass zwischen 50 und 80 Prozent aller Hospitalisierungen wegen Darmerkrankungen durch diese Infektion allein bedingt war. Kollarisch: "Ohne Rotavirus-Infektionen wären die Kinderabteilungen in Österreich in der kalten Jahreszeit leergefegt."

Hepatitis A

Ein weiteres Beispiel: Hepatitis A. Hier kommt es jedes Jahr nach den Sommerferien zu Ausbrüchen in Kindergärten und Schulen. Der Grund dafür: In Österreich als Nachkommen vor allem aus der Türkei und dem Balkan kommender Eltern fahren dann mit ihren Eltern die Großeltern besuchen. In den Mittelmeerländern aber grassiert noch immer die Hepatitis A. Die Menschen haben die Krankheit dort oft schon gehabt und sind geschützt, die aus Österreich kommenden Kinder ohne Impfung aber nicht. 30 Prozent der Hepatitis A-Fälle in Österreich bei Kindern werden so aus der Türkei, 16 Prozent vom Balkan "importiert". Hier wäre die Immunisierung besonders wichtig. Die Hepatitis A ist eben die "Reise-Hepatitis". (APA)

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