Forschungsrats-Chefs für steuerliche Forschungsförderung

11. April 2007, 16:57
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Consemüller: "Wer gegen individuelle Förderung ist, schadet Österreich" - "club research"-Diskussion zu Hightech-Strategie

Wien - Ein Plädoyer für die steuerliche Forschungsförderung wie den Forschungsfreibetrag hielt der Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Knut Consemüller, Donnerstag Abend in seiner Wortmeldung bei einer "club-research"-Diskussion in Wien zum Thema "High Tech - Welche Technologiestrategie für Österreich". "Wer gegen die individuelle Förderung ist, schadet der Republik Österreich", sagte Consemüller "entsetzt" in Richtung des Technologieforschers Andreas Schibany von Joanneum Research.

Schibany hatte sich zuletzt für eine Reduktion bzw. Deckelung der steuerlichen Forschungsförderung ausgesprochen, die mit mehr als 400 Mio. Euro bereits so hoch sei wie ihr direktes Pendant, wie Hannes Leo vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erklärte. Consemüller hat, wie er erklärte, daraufhin Anrufe aus dem Ausland bekommen, "ob wir wahnsinnig sind, an die indirekte Förderung die Hand anzulegen". Denn Österreich sei das einzige Industrieland mit einem nahezu 20-prozentigen Anteil an ausländischen F&E-Aufwendungen, "das sind die Unternehmen, die Vertrauen in Österreich haben", befürchtet der RFT-Chef negative Konsequenzen, sollte eine solche Maßnahme durchgeführt werden.

Doch Schibany betonte, nie von Abschaffung dieser Förderung gesprochen zu haben, es gehe ihm um eine "nüchterne und ergebnisoffene Evaluierung" dieser Maßnahmen. Außerdem würden sich auch im Wifo-Weißbuch zu Wachstum und Beschäftigung Vorschläge finden, wie man die steuerliche Förderung reformieren kann.

Konzentration auf Hightech

Um die von den Wifo-Experten in ihrem Weißbuch vorgeschlagene Konzentration auf den Hightech-Sektor ging es dann auch primär in der Diskussion. Der Aufholprozess Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg sei mit gut entwickelten Low- und Medium-Tech-Bereichen abgeschlossen, nun müsse man die darauf ausgerichteten Strukturen ändern und sich auf den noch "mager entwickelten" Hightech-Bereich konzentrieren, fasste Leo den Ansatz des Wifo zusammen. Denn Staaten mit überdurchschnittlichen Wachstum im Hightech-Sektor würden schneller wachsen, und Österreichs Nachbarländer gingen erfolgreich in den Mediumtech-Bereich hinein. Notwendig sei daher eine Anpassung des Bildungs- und Förderungssystems, wobei Letzteres u.a. darauf achten müsste, dass die Innovationsanstrengungen radikaler sind und Risiko besser abgesichert ist. "Wir haben nicht viele Alternativen zu diesem Strukturwandel", so Leo.

Schibany wendet sich gegen diese Konzentrationsbestrebungen auf den Hightech-Sektor. Dass dieser Bereich Motor des Wachstums sei, gelte nur für wenige Länder wie Finnland, Schweden, Südkorea, Japan und die USA. Wachstum könne auch in anderen Bereichen erzielt werden, etwa im Dienstleistungssektor. Und auch der Wifo-Befund, dass hierzulande vorwiegend angewandte und zu wenig grundlagenorientierte Forschung gefördert werde, womit keine Frontrunner-Position erreichbar sei, unterscheide sich kaum von anderen Ländern.

Rasch auf den Markt bringen

Vor 20 Jahren hätten sich Unternehmen noch leisten können, in Grundlagenforschung zu investieren, dennoch würden die F&E-Ausgaben der Firmen steigen, aber eher in der Produktentwicklung. "Die Technologien liegen vor, man muss sie nur für die Produktentwicklung nutzen und das dann möglichst rasch auf den Markt bringen", so Schibany, der auch vor einer deutlichen Umschichtung der Förderungen in Richtung Hightech warnte. "Wenn man sich nur auf radikale Innovationen stützt, fallen 99 Prozent der Fördernehmer weg."

Forschungsrats-Chef Consemüller schien aber eher von der Wifo-Argumentation überzeugt: "Hightech bedeutet Erfolg, je besser der Beste, desto besser der Schlechteste." (APA)

  • Knut Consemüller
    foto: standard/newald

    Knut Consemüller

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