Maserati: "Inventions for the New Season"

    16. April 2007, 17:55
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    Morgens in Moskau, pulsierender Stau: Kein Punk, keine Wut, sondern gleichförmiges Dahingleiten - wer sagt, dass das apolitisch sein soll?

    Es beginnt eher mau. Im ersten der acht Hymnen schauen Pink Floyd vorbei, ungebetenerweise, lassen noch etwas Achtzigerstaub auf den Fauteuils zurück und gehen wieder, und kaum ein Songtitel wäre unpassender als Inventions, denn neu ist da nichts. Aber es geht ja auch anders. Und was wäre eine Lieblingsplatte ohne Makel.

    Gleitender Gleichschritt

    Albumtrack Nummer zwei 12/16 wirkt schon gesetzter, mit weniger Anspruch auf Verwendungszweck Autowerbung. Die Gitarren flattern weniger, trauen sich, auch klarere Konturen anzunehmen. Kalimera hört man am besten basslastig, um die Mediationskugeleffekte zu vermeiden, das macht den Song greifbarer, und weiter geht's zum ersten Höhepunkt der Platte: Synchronicity IV versammelt alle positiven Eigenschafften der Band, im gleitenden Gleichschritt werden Akkorde ausgebreitet, gekämmt und wieder gebündelt.

    Von da an ist Maserati, was Maserati sein soll: Kraft, die aus der Andeutung von Kraft entsteht. Schritttempo mit 400 PS: Energie, die dem Verneinen von Geschwindigkeit entspringt, tritt aus den folgenden fünf Tracks hervor und macht das Album zum pulsierenden Ruhepol, empfohlen zur musikalischen Illustration des täglichen Morgenstaus in Moskau. Besonders wunderschön, aber weniger staugeeignet, weil schnell: Show me the season.


    Entspannt: Maserati

    Maserati, vier Köpfe mit Berufserfahrung bei Now It's Overhead, Turing Machine und !!!, reihen sich auch mit ihrer jüngsten Veröffentlichung in die Sphärenrock-Gemeinde zwischen Mogwai und Tortoise ein, wenn auch auf weniger harmoniekritische Spielart als die Letztgenannten.

    Mit ihren langgezogenen Akkorden, den, sagen wir, schlanken Handlungssträngen und dem Verzicht auf Text wirken die braven Sportwagenfahrer aber schon wieder sanft-revolutionär - zumindest, was ihre Tauglichkeit für Musik-TV betrifft. Apropos, Frage (das dürfen Sie jetzt gern überspringen, Anm.): Braucht man eigentlich immer wütende Beats oder nachdenkliche Reime, um als musikalisch politisch zu gelten? Maserati lässt Kreise zu Spiralen werden. Und wenn das nicht politisch ist, was dann.

    Rollende Steine? Schwingende Stahlbrücken.
    (Maria Sterkl)

    • Maserati: Inventions for the new Season (Golden Antenna 2007)

      Maserati: Inventions for the new Season (Golden Antenna 2007)

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